Berlin/Gorleben (dapd). Eine parteiübergreifende Einigung über das geplante Endlagersuchgesetz ist in weite Ferne gerückt. SPD, Grüne und einige Länder-Regierungschefs sagten kurzfristig ihre Teilnahme an einer für kommende Woche geplanten Verhandlungsrunde ab, zu der Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) geladen hatte. Daran sollten am 11. Oktober die 16 Ministerpräsidenten sowie die Partei- und Fraktionschefs teilnehmen. Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin warf dem Umweltminister vor, seine Hausaufgaben nicht gemacht zu haben. Altmaier habe den Konsens „schwer gefährdet“, weil er statt der Länderumweltminister die große Runde bereits zu abschließenden Verhandlungen eingeladen habe. Dabei liege noch kein zustimmungsfähiger Gesetzentwurf mit ausreichender Begründung vor, sagte Trittin am Freitag in Berlin. Der Fraktionschef fügte hinzu: „Ich glaube, dass wir nach wie vor eine Chance auf eine Einigung haben.“ Die Grünen machen ihre Zustimmung zu dem Gesetz davon abhängig, ob vier Streitpunkte geklärt werden können: keine Vorfestlegung auf den Standort Gorleben als Endlager, Festschreibung ausreichender Sicherheitsanforderungen, die Nennung einer bestimmten Zahl von zu vergleichenden Standorten und ein Suchprozess entlang wissenschaftlich begründeter Kriterien, aber unter demokratischer Kontrolle. In diesen Punkten hatte auch ein Spitzengespräch von Altmaier, Trittin und dem SPD-Vorsitzenden Gabriel am 13. Juli keine Einigung gebracht. Gabriel verlangt geordnetes Gesprächsverfahren Altmaier reagierte verärgert auf die neue Wendung. „Ich bin überrascht und befremdet über die Äußerungen von Jürgen Trittin“, sagte der Minister. Der Verhandlungstermin sei auf ausdrückliche Bitte des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne) angesetzt worden. „Deshalb kann ich nicht nachvollziehen, dass Jürgen Trittin das nun in dieser Weise zu Wahlkampfzwecken missbraucht“, fügte Altmaier hinzu. Der Bundesumweltminister veröffentlichte einen Brief an Trittin, in dem er dem Grünen-Politiker unterstellt, er wolle „eine parteiübergreifende Einigung zum Thema Endlager torpedieren und verhindern“. Das verlangte schriftliche Angebot zur Struktur der Überwachungsbehörde sei längst übersandt worden. Altmaier bat Trittin, seine Haltung zu überdenken, und erklärte: „Ich bin nach wie vor überzeugt, dass es keinen besseren Zeitpunkt gibt, um zu einem Konsens zu kommen.“ SPD-Chef Gabriel warf Altmaier und dem niedersächsischen Ministerpräsidenten David McAllister (CDU) vor, sie verhinderten bislang durch „Wahlkampfspielchen“ den Endlagerkonsens. Gabriel forderte in der „Braunschweiger Zeitung“ (Samstagausgabe) den Umweltminister auf, zu einem „geordneten Gesprächsverfahren“ über ein Endlagersuchgesetz zurückzukehren. McAllister noch hoffnungsvoll Der niedersächsische Regierungschef McAllister, in dessen Bundesland der Salzstock Gorleben liegt und wo im Januar gewählt wird, hat die Hoffnung auf eine Fortführung der Endlagergespräche noch nicht aufgegeben. „Die Endlagersuche ist ein wichtiges Thema, wir brauchen einen parteiübergreifenden Konsens in der Frage. Deshalb bleibe ich verhalten optimistisch, dass SPD und Grüne doch noch zur Vernunft kommen“, sagte McAllister bei einem Besuch im britischen Crewe. Trittin entgegnete, er werde keinem „Gorleben-Legalisierungsgesetz“ zustimmen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), einige unionsgeführte Länder sowie einige Beamte im Bundesumweltministerium hätten nur ein Ziel: „Die Vorfestlegung auf den Standort Gorleben möglichst rechtssicher zu machen.“ dapd (Politik/Politik)
Grünen-Kandidaten auf dem Prüfstand
Berlin (dapd). Die Grünen werden ihre 15 Bewerber für das künftige Spitzenduo im Bundestagswahlkampf auch schriftlich befragen. Parallel zu den Vorstellungsrunden sollen sie jetzt 25 Fragen beantworten, kündigte Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke am Freitag in Berlin an. Dabei reiche die Themenspanne von der Atommüll-Endlagerung über die Forderung nach einer Renaissance des Naturschutzes bis hin zu möglichen Koalitionen nach der Bundestagswahl. Die Antworten sollen am 12. Oktober veröffentlicht werden. Für das Grünen-Spitzenduo kandidieren neben Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt auch Parteichefin Claudia Roth, die Fraktionsvorsitzende Renate Künast und zwölf Männer – darunter Künasts Ko-Vorsitzender Jürgen Trittin. Dem Spitzenduo muss mindestens eine Frau angehören. Wahlergebnis am 10. November Bei den Grünen sind 59.266 Mitglieder wahlberechtigt, die ab 8. Oktober ihre Wahlunterlagen erhalten. Die Briefwahl läuft bis zum 30. Oktober. Das Ergebnis soll voraussichtlich am 10. November vorliegen, sagte Lemke. Die anstehende Urwahl der beiden Spitzenkandidaten hat den Grünen bislang etwa 600 neue Mitglieder gebracht. Die Geschäftsführerin erwartet, dass die Grünen bis zur Bundestagswahl im Herbst 2013 die FDP in puncto Mitgliederzahl einholt. Die FDP hatte im April 63.123 Mitglieder. dapd (Politik/Politik)
Zeitung: Land entlastet Flughafen Hahn spürbar
Koblenz/Lautzenhausen (dapd-rps). Der staatliche Hunsrück-Flughafen Hahn ist offenbar vom Land Rheinland-Pfalz finanziell deutlich entlastet worden. Die Straßen rund um den Flughafen seien an den Landesbetrieb Mobilität verkauft worden, berichtet die „Rhein-Zeitung“ laut Vorabmeldung. Das habe Innenminister Roger Lewentz (SPD) dem Blatt gesagt. Demnach bringe der Verkauf der Straßeninfrastruktur rund sechs Millionen Euro. Es sei auf einen realistischen Preis geachtet worden, um nicht mit dem EU-Beihilferecht in Konflikt zu geraten. Laut Bericht hat das Land dem Hahn zudem rückwirkend Kosten für die Flugsicherheit, den Brandschutz, den Wetterdienst und den Rettungsdienst erstattet. Bis 2013 sollen 12,5 Millionen Euro fließen. Rheinland-Pfalz hält 82,5 Prozent an der Flughafen Frankfurt-Hahn GmbH, das Land Hessen ist mit 17,5 Prozent beteiligt. dapd (Politik/Politik)
Neue Studie zeigt alte Probleme
Berlin (dapd). Spätestens seit der Veröffentlichung der ersten Pisa-Studie im Jahr 2001 erregen Bildungsstudien in regelmäßigen Abständen die Gemüter der Deutschen. Mit zahlreichen Reformen haben die Bundesländer seitdem versucht, ihre Schulen auf Kurs zu bringen. Am Freitag hat die Kultusministerkonferenz (KMK) nun mit der Veröffentlichung ihres „Grundschul-Ländervergleichs 2011“ den bildungspolitischen Diskussionen in Deutschland neuen Stoff gegeben. Das von Wissenschaftlern der Humboldt-Universität Berlin verfasste Papier vergleicht unter anderem die Fertigkeiten der Viertklässler der einzelnen Bundesländer in den Bereichen Lesen, Zuhören und Mathematik miteinander. Einen ersten Ländervergleich gab es zwar bereits. Allerdings betonen die Autoren, die Erhebungen seien aus methodischen Gründen nicht direkt miteinander vergleichbar. Gemessen wurden die Schüler an von der Kultusministerkonferenz beschlossenen „Bildungsstandards“. Insgesamt lösten gut 27.000 Schüler an 1.349 Grund- und Förderschulen aus allen 16 Ländern im Rahmen der Studie Aufgaben. Die nun veröffentlichten Ergebnisse gruppieren die Länder anhand des Bundesdurchschnitts. Bayern in der Spitze – vor allem bei Schülern aus gutem Haus Als Gewinner steht dabei Bayern dar – mit Abstrichen kommen auch Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Baden-Württemberg gut davon. Schlecht sehen im bundesdeutschen Vergleich vor allem die Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen aus. Im Mittelfeld sind die restlichen Länder dicht gedrängt. Der Studie zufolge lesen die bayerischen Grundschüler nicht nur am besten, sie hören auch am besten zu und erzielen in der Studie die besten Leistungen in Mathematik. Sachsen und Sachsen-Anhalt punkten vor allem beim Lesen und Rechnen. Die Stadtstaaten finden sich in allen drei Kategorien am Ende der Tabelle – und schneiden dabei jeweils auch schlechter ab als die Vergleichsgruppe anderer deutscher Großstädte über 300.000 Einwohner. In Hamburg, Berlin und Bremen erreichen mehr als 20 Prozent der Grundschüler nicht die Mindeststandards der KMK für Mathematik. Aufschlussreich ist ein genauerer Blick auf die Ergebnisse. Spitzenreiter Bayern sei etwa bei den Leistungen von Schülern aus bildungsfernen Schichten nur „im Durchschnitt“, sagte der Mitverfasser der Studie, Hans Anand Pant. Überdurchschnittlich gute Ergebnisse erziele das Land hingegen bei Schülern aus gutem Elternhaus. Das führt zu großen Unterschieden: Fast eineinhalb Schuljahre sind bayerische Viertklässler aus gutem Elternhaus ihren weniger begünstigten Mitschülern im Lesen und Zuhören voraus. Signifikant anders stellt sich die Lage der Studie zufolge in den Stadtstaaten dar: Dort lernten auch Kinder aus begünstigten Elternhäusern deutlich schlechter als im Bundesdurchschnitt. Die Herkunft bestimmt den Lernerfolg mit Ungeachtet dieser Unterschiede ist aber in ganz Deutschland immer noch ein starker Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Lernerfolg festzustellen. Ein Problem, das bereits in der ersten Pisa-Studie kritisch hervorgehoben und seitdem offenbar nicht behoben wurde. „Vergleichsweise gering“ sei die Kopplung von sozialer Herkunft und schulischer Leistung teilweise in Sachsen, heißt in der Studie. Damit ist das Land aber ein Ausreißer. Klar ersichtlich ist zudem, dass sich das interne Ranking der Bundesländer seit der letzten Erhebung kaum verändert hat, wie auch Pant betont. Weniger klar ist, aus welchen konkreten Gründen sich die Ergebnisse kaum verändert haben – laut Pant war es aber nicht der Anspruch der Studie, das herauszufinden. dapd (Politik/Politik)
Gabriel: Jeder Cent neben dem Mandat muss öffentlich sein
Karlsruhe (dapd). Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel hat eine deutliche Verschärfung der Transparenzregeln für Abgeordnete gefordert. „Jeder Cent, den ein Abgeordneter verdient neben seinem Mandat, muss öffentlich sein“, sagte Gabriel am Freitag in Karlsruhe. Sonderregeln dürfe es nach seiner Ansicht höchstens für Freiberufler wie etwa Anwälte geben. Das Abgeordnetengesetz müsse insoweit geändert werden. Mit Blick auf die Debatte um die Nebeneinkünfte des SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück sagte Gabriel weiter, er sei der Ansicht, „dass Steinbrücks Vorbild für alle gelten muss“. Er finde es „gut, dass Peer Steinbrück freiwillig etwas tut, was das Gesetz von ihm gar nicht verlangt“, sagte Gabriel. „Und ich finde es eine ziemliche Schweinerei, das ausgerechnet die Parteien ihn kritisieren, denen selbst die heutigen Regeln schon zu streng waren“, fügte der SPD-Chef hinzu. CDU/CSU und FDP müssten nun „Farbe bekennen“. Dem „Darmstädter Echo“ sagte Gabriel: „Jeder Bürger hat das Recht, die Höhe und die Herkunft von Nebenverdiensten zu kennen, denn die Menschen wollen wissen, ob ihr Abgeordneter durch Nebenverdienste in seinen Entscheidungen beeinflusst werden kann oder nicht.“ dapd (Politik/Politik)
Krise kommt: VW stoppt Passat und setzt auf alten Golf
Wolfsburg/Düsseldorf (dapd). Europas größter Autokonzern Volkswagen stoppt wegen der Absatzkrise in Europa tageweise die Produktion seines klassischen Vertreterautos Passat. Gleichzeitig verlängert VW die Laufzeit des alten Golf-Modells um mindestens zwei Monate. Mit diesen deutlich billigeren Fahrzeugen will der Hersteller Preiskämpfe abwehren, wie VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh dem „Handelsblatt“ sagte. „Die Probleme in Europa treffen uns besonders beim Passat, der gerade bei Geschäftskunden gefragt ist. Viele Flottenkunden schieben ihre Bestellungen auf“, sagte Osterloh. „Wir reagieren darauf, indem wir Schichten herausnehmen.“ Der Passat wird im Werk Emden produziert, wo am Donnerstag und Freitag die Arbeit ruhte. Der Konzern fertigt zudem in Wolfsburg weniger Exemplare des Kompaktvans Touran als ursprünglich geplant. Umgekehrt beim alten Golf der sechsten Generation: Statt bis Ende Oktober wird das inzwischen im Kern neun Jahre alte Auto mindestens bis Jahresende weitergebaut, gleichzeitig zur neuen siebten Generation. Der Vorgänger wirft dank abgeschriebener Produktionsmaschinen hohe Renditen ab und wird von VW als Preisbrecher eingesetzt. Händler bieten Sondermodelle des alten Golf mit für VW ungewöhnlich hohen Rabatten an. „Weil wir die alte Generation bis Ende des Jahres parallel mit dem neuen Modell bauen, können wir damit Preiskämpfe abwehren, ohne den neuen Golf zu belasten“, sagte Osterloh dem „Handelsblatt“. Der neue Golf kommt ab November zu den Händlern. VW-Vertriebsvorstand Christian Klingler sagte laut Zeitung zum alten Golf: „In den Ländern, wo der neue Golf erst später startet, bieten wir aktuell noch den Golf VI an. Denn auch hier gibt es noch großes Interesse.“ Zudem korrigiere der Konzern den geplanten Absatz für 2012 leicht nach unten, schreibt die Zeitung unter Berufung auf die interne Bedarfs-Kapazitätsplanung. Um die Kosten im Griff zu behalten, reduziert VW zudem die Lagerbestände. „Teilweise liegen die Bestände 20 Prozent unter der idealen Größe“, sagte Osterloh. In der Krise 2008 waren zu hohe Lagerbestände ein Riesenproblem für die Hersteller: Weil die Nachfrage damals völlig unerwartet wegbrach, standen plötzlich viel zu viele unverkäufliche Neuwagen auf den Werkshöfen. Klingler sagte, VW stelle sich „schon seit Monaten“ auf schwächere Absätze ein. Man wolle „nicht auf Halde produzieren“. Der VW-Konzern senkt laut Bericht zudem seine maximal eingeplante Produktionskapazität: Statt 2012 bis zu 9,7 Millionen Fahrzeuge bauen zu können, rechne Produktionsvorstand Michael Macht inklusive der Lkw-Töchter MAN und Scania nur noch mit bestenfalls 9,4 Millionen. „Die Bedarfs-Kapazitätsplanung bildet ab, wie viel Autos wir pro Jahr unter technischen und logistischen Bedingungen im besten Fall bauen können“, erläuterte Volkswagens Betriebsratschef, der im Präsidium des Aufsichtsrats sitzt. Daraus lasse sich aber nicht zwangsläufig ableiten, wie viele Autos VW wirklich absetze. 2011 verkaufte VW 8,4 Millionen Autos. Spätestens 2018 sollen es mehr als 10 Millionen sein. Branchenkenner erwarten, dass Toyota schon im laufenden Jahr diese Zahl erreichen könnte. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
EADS weist Bericht über Scheitern der Fusionsverhandlungen zurück
Berlin/Hamburg (dapd). Der Luftfahrtkonzern EADS hat einen Bericht zurückgewiesen, wonach die Fusion mit dem britischen Rüstungshersteller BAE gescheitert sei. „Wir wurden von den Regierungen über den Stand der Gespräche informiert, aber uns wurde nicht gesagt, dass der Deal gescheitert sei“, erklärte EADS-Sprecher Martin Agüera am Freitag auf Anfrage. „Wir arbeiten weiterhin auf das Enddatum 10. Oktober hin“, fügte er hinzu. Vorher hatte „Spiegel Online“ gemeldet, eine entscheidende Verhandlungsrunde der beteiligten Staaten Frankreich, Großbritannien und Deutschland über die Fusionspläne sei ohne Ergebnis zu Ende gegangen. Die Bundesregierung lehnte eine Stellungnahme dazu ab. Dem Bericht zufolge konnten sich die Regierungen nicht darauf einigen, welche Staatsanteile sie in einem künftigen Firmengebilde EADS-BAE hätten halten dürfen. „Spiegel Online“ beruft sich dabei auf Regierungskreise. Durch die Fusion würde der weltgrößte Luft- und Raumfahrtkonzern mit mehr als 220.000 Mitarbeitern und über 70 Milliarden Euro Umsatz entstehen. In Deutschland beschäftigt EADS derzeit knapp 50.000 Menschen, vor allem an Standorten in Hamburg, Bremen, Niedersachsen und Bayern. dapd (Politik/Wirtschaft)
Amazon will Mitarbeiter bei Gründung von Betriebsräten unterstützen
Berlin (dapd). Der Online-Händler Amazon hat Kritik an den Arbeitsbedingungen in seinen deutschen Logistikzentren zurückgewiesen. „Wir sind kontinuierlich mit den Mitarbeitern in Gespräch, auch wenn es um Überlastung oder das Absagen von Schichten geht“, sagte Deutschland-Geschäftsführer Ralf Kleber der „Berliner Zeitung“. Das Unternehmen wird von der Gewerkschaft ver.di wegen der Arbeitsbedingungen in seinen Logistikzentren kritisiert. Mitarbeiter klagen demnach über respektlosen Umgang, hohen Druck und kurzfristige Schichtplanung. Amazon betreibt sieben Versandzentren in Koblenz, Rheinberg, Graben, Leipzig, Werne und Bad Hersfeld. Gegen die von ver.di angemahnte Gründung von Betriebsräten an zwei Standorten Versandzentren in Nordrhein-Westfalen habe Amazon nichts, sagte Kleber. „Wenn unsere Beschäftigten einen Betriebsrat wollen, dann unterstützen wir sie dabei.“ Er betonte auch, dass kein Mitarbeiter um seinen Job fürchten müsse, wenn er kurzfristig anberaumte Schichten nicht antreten könne. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Metro veröffentlicht Gewinnwarnung
Düsseldorf (dapd). Deutschlands größtem Handelskonzern Metro hat mit einer Gewinnwarnung die Börse geschockt. Vor allem in Südeuropa und Teilen Osteuropas bleiben angesichts der Rekordarbeitslosigkeit und der drastischen Sparbemühungen der öffentlichen Hand die Kunden weg. Konzernchef Olaf Koch senkte deshalb am Freitag die Ergebnisprognose des Handelsriesen für 2012 um rund 15 Prozent. Die Metro-Aktie verlor daraufhin zeitweise neun Prozent an Wert. „In vielen Ländern haben sich in den vergangenen Wochen die Bedingungen für unsere Kunden und damit auch für unser Geschäft deutlich verschlechtert“, sagte Koch. Besonders betroffen von der Konsumzurückhaltung sei die Unterhaltungselektronik. Dies trifft die Metro, die mit ihren Töchtern Media Markt und Saturn in dieser Sparte Marktführer in Europa ist, hart. Angesicht der verschlechterten Rahmenbedingungen senkte der Konzern seine Ergebnisprognose für 2012. Die Metro erwartet nun nur noch ein um Sonderfaktoren bereinigtes Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von rund zwei Milliarden Euro. Bislang war der Konzern von einem Ebit vor Sonderfaktoren in etwa auf Höhe des Vorjahres von 2,37 Milliarden Euro ausgegangen. Am Ziel einer nachhaltigen Umsatzsteigerung für 2012 hält die Metro Group aber fest. Koch betonte, der Konzern habe durch Investitionen in neue Absatzkanäle wie das Internet und gezielte Preissenkungen seine Marktanteile in vielen Ländern steigern können. Dem generellen Markttrend habe er sich aber dennoch nicht vollkommen entziehen können. An der Börse brach der Kurs der Metro-Aktie nach Veröffentlichung der Gewinnwarnung drastisch ein. Am späten Nachmittag lag der Wert der Metro-Stammaktie um rund 7,5 Prozent unter dem Vortageskurs. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Deutsche Messeplätze profitieren in Krise von ihrer Bedeutung
Stuttgart (dapd). Die deutschen Großmessen profitieren in der Staatsschuldenkrise von ihrer internationalen Bedeutung. „In der Krise lassen die Aussteller eher eine Messe im eigenen Land entfallen und gehen zur Leitmesse“, sagte der Geschäftsführer der Nürnberg Messe, Peter Ottmann, der Nachrichtenagentur dapd am Freitag in Stuttgart. Zwei Drittel aller Leitmessen fänden in Deutschland statt, sodass trotz eines Konjunkturrückgangs in Europa die hiesigen Messeplätze ein „veritables Ergebnis“ im Jahr 2012 erwarteten. In Stuttgart kam der Messe-Dachverband Emeca zu einer zweitägigen Generalversammlung zusammen. In dem Verband sind 19 Messen zusammengeschlossen, aus Deutschland die Messeplätze Hannover, Frankfurt, Nürnberg und Stuttgart. Frankfurt, Nürnberg und Stuttgart erwarten in diesem Jahr einen Rekordumsatz. Hannover hatte diesen wegen eines unterschiedlichen Turnus bereits im vergangenen Jahr eingefahren und wird in diesem Jahr voraussichtlich dahinter zurückbleiben. Laut Ottmann sagten sich viele Aussteller angesichts der Krise: „Gerade jetzt“. Marktanteile würden in schlechten Zeiten gewonnen und nicht in guten, fügte er hinzu. Gerade für das auf Firmen ausgerichtete Marketing sind Messen ein relevanter Faktor. Laut Zahlen des Spitzenverbandes der deutschen Messebranche (Auma) betrachten 85 Prozent der ausstellenden deutschen Unternehmen Messen als sehr wichtig oder wichtig. Nur die eigene Homepage schätzen die Unternehmen noch wichtiger ein. 70 Prozent der exportierenden Aussteller halten laut Auma-Erhebungen Inlandsmessen für ihr Exportgeschäft für wichtig bis sehr wichtig. Deutschland ist „Stabilitätsanker“ Für Emeca-Präsident Piero Venturelli erweisen sich Deutschland und die Schweiz angesichts der Entwicklung als „Stabilitäts-Anker“ in Europa. Aber auch die europäische Messewirtschaft sei „solide und stabil“, sagte er. Auf Europas Messen treffe sich die Welt, trotz Finanz- und Eurokrise. Auch in den Staaten Südeuropas entwickle sich der Umsatz in diesem Jahr stabil, betonte Venturelli. Allerdings bestehe in ganz Europa die Tendenz, dass die Gesellschaften mehr Aufwand für denselben Ertrag hätten. So haben die südeuropäischen Messeplätze in den vergangenen Jahren bereits Umsatz verloren, jetzt aber offenbar einen Bodensatz erreicht. Der Geschäftsführer der Messe Stuttgart, Roland Bleinroth, wies auch darauf hin, dass es insbesondere bei den kleinen Messen zu einem Konsolidierungsprozess kam, viele seien in der Krise gestrichen worden. Die großen Messeplätze profitierten davon. Weiteres Wachstum erhoffen sich die europäischen Messeplätze bei zwei Trendthemen der Branche: der Expansion ins Ausland und bei digitalen Services. Der Sprecher der Geschäftsführung bei der Messe Stuttgart, Ulrich Kromer, sagte, im Ausland ließen sich höhere Preise durchsetzen. Das liege daran, dass in Deutschland die öffentliche Hand Messen als Instrument der Wirtschaftsförderung sieht. Zudem sei der Druck durch die Industrie hierzulande sehr hoch. Messeplätze folgen Wirtschaftswachstum Die Messeplätze folgen dabei dem Wirtschaftswachstum. Insbesondere die BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China zählten zu den wachsenden Messeplätzen, sagte Kromer. Aber auch in der Türkei boome der Markt. Das Vorstandsmitglied der Deutschen Messe AG Hannover, Andreas Gruchow, widerspricht Befürchtungen, durch eine Ausweitung der Aktivitäten im Ausland würden Aussteller und Besucher aus Deutschland abgezogen. „Das ist eine PR-Aktion für die Mutter in Deutschland“, sagte er. Bei digitalen Medien sind die deutschen Messen nach eigener Einschätzung Spitzenreiter. Während die Kollegen in anderen Ländern für ihr Internetangebot noch draufzahlen, können insbesondere Messen wie Frankfurt und Hannover bereits Gewinne damit erzielen. Der Trend setzt sich nach Einschätzung des europäischen Verbandes weiter fort. „Die in Emeca zusammengeschlossenen Großmessen verlängern das Messegeschäft zunehmend im Internet und mithilfe mobiler Anwendungen“, heißt es vom Verband. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
