Das ZEW arbeitet auf dem Gebiet der anwendungsbezogenen empirischen Wirtschaftsforschung. Bei der Forschungsförderung gibt e einige Defizite. (Foto: markmags/ pixabay)
Das ZEW arbeitet auf dem Gebiet der anwendungsbezogenen empirischen Wirtschaftsforschung. Bei der Forschungsförderung gibt e einige Defizite. (Foto: markmags/ pixabay)

Forschungsförderung – Dilemma kostet Wettbewerbsstärke

Unternehmen mittlerer Größe in Deutschland, sogenannte „Midrange Companies“, werden sowohl von der Forschungsförderung des Bundes als auch von der der EU signifikant benachteiligt. Manche gute Idee für ein neues Produkt oder eine Prozessinnovation bleibt daher bei diesen Unternehmen in der Schublade und wird nicht umgesetzt. Zum einen weil der Zugang zu entsprechender Forschungsförderung fehlt, zum anderen weil die erforderliche Finanzierung weder intern noch extern über den Kapitalmarkt aufzubringen ist.

Das hat Folgen: Innovationsmöglichkeiten werden verschenkt, Chancen im internationalen Wettbewerb bleiben ungenutzt und neue, oftmals innovative Arbeitsplätze entstehen woanders, nur nicht in Deutschland. Höchste Zeit also umzudenken und stärker auf eine steuerliche Forschungsförderung zu setzen, die speziell auch Midrange Companies einbezieht. Zu diesem Befund kommt eine Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) im Auftrag des Maschinenbauverbands VDMA.

In den vergangenen zehn Jahren ist bei Unternehmen mittlerer Größe in Deutschland die Innovationsbeteiligung deutlich zurückgegangen. Besonders ausgeprägt war diese Entwicklung mit einem Rückgang um zehn bis 14 Prozentpunkten bei Unternehmen bis zu 1.000 Beschäftigten. Parallel zu dieser Entwicklung ist auch der Anteil der Unternehmen, die in Forschung und Entwicklung (FuE) investieren, geschrumpft. Dieser substanzielle Rückgang betraf vor allem mittelgroße Unternehmen.

Untersuchungen zur Forschungsförderung

Untersuchungen belegen jedoch, dass genau die Gruppe von Unternehmen, die bei Innovationsbeteiligung und Engagement in FuE seit Jahren den Rückwärtsgang eingelegt hat, auch bei der Forschungsförderung durch Bund oder EU deutlich schlechter abschneidet. So zeigt die ZEW-Studie, dass kleine und mittlere Unternehmen (KMU) mit 50 bis 249 Beschäftigten, aber vor allem auch Midrange Companies mit bis zu 3.000 Beschäftigten eine signifikant geringere Wahrscheinlichkeit haben, Forschungsförderung durch Bund oder EU zu erhalten als große Unternehmen mit mehr als 3.000 Mitarbeitern.

Anscheinend passen die vorhandenen Instrumente zur Forschungsförderung nicht zu den Planungswelten und -strukturen mittelgroßer Unternehmen, während ihnen gleichzeitig der Zugriff auf klassische Förderangebote für kleinere Unternehmen versperrt ist. „Dieses Förder-Dilemma der Midrange Companies ist brisant, denn gerade sie tragen mit Arbeitsplätzen und Wertschöpfung ganz wesentlich zur Stärke der deutschen Wirtschaft bei. Ihre unzureichende Berücksichtigung bei Fördermöglichkeiten ist daher schädlich für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft insgesamt“, erklärt Prof. Dr. Bettina Peters, stellvertretende Leiterin des ZEW-Forschungsbereichs Innovationsökonomik und Unternehmensdynamik.

Wie bedeutsam Midrange Companies für die Wertschöpfung und Beschäftigung in Deutschland sind, wird am Beispiel des Maschinenbaus deutlich. Hier arbeiten knapp 30 Prozent der über eine Million Beschäftigten in Unternehmen mit 250 bis 1.000 Mitarbeitern. Der Umsatz in dieser Unternehmensklasse beläuft sich auf jährlich gut 75 Milliarden Euro. Das sind rund 30 Prozent des gesamten Branchenumsatzes. „Wir innovieren und produzieren – und schaffen so Grundlagen für eine gute Zukunft der Menschen“, betont Hartmut Rauen, stellvertretender VDMA-Hauptgeschäftsführer.

Wie aber könnte die Forschungsförderung gestaltet werden, um gerade die Midrange Companies künftig stärker zu beteiligen und zu vermehrten Anstrengungen bei Innovation und FuE anzuspornen? Auf nationaler Ebene wäre hier aus Sicht des ZEW eine steuerliche Forschungsförderung die beste Möglichkeit. Eine solche Förderung ist bereits im Koalitionsvertrag der großen Koalition angedacht, allerdings nur mit Konzentration auf KMU. „Als Repräsentant des industriellen Mittelstands setzen wir darauf, dass die gesetzgeberische Umsetzung des Koalitionsvertrages zu einer steuerlichen Forschungsförderung führt, die unser Land tatsächlich voranbringt. Das Auflösen des Förder-Dilemmas von Midrange Companies sehen wir in diesem Zusammenhang als erfolgskritisch an“, betont Hartmut Rauen vom VDMA.

Von zentraler Bedeutung ist hierbei die Ausgestaltung eines solchen Förderinstruments. Die ZEW-Studie hat verschiedene Modelle einer möglichen steuerlichen Forschungsförderung durchgerechnet. Diese reichen von einer Anhebung der KMU-Grenze über eine Deckelung der förderfähigen Aufwendungen bis hin zu gestaffelten Fördersätzen. Um nicht nur die KMU zu erreichen, sondern auch die Midrange Companies einzubeziehen, wäre nach Ansicht der ZEW-Wissenschaftler bei begrenzten Haushaltsmitteln das Modell einer nicht-selektiven, für alle Unternehmen offenen Förderung mit Deckelung am besten geeignet, wie es auch in vielen anderen OECD-Ländern existiert. Unter der Voraussetzung einer Deckelung der steuerlich absetzbaren FuE-Personalaufwendungen bei 20 Millionen Euro und einem Fördersatz von 20 Prozent müsste der deutsche Staat voraussichtliche rund zwei Milliarden Euro pro Jahr investieren.

Bei diesem Modell wären zwar bis zum festgesetzten Deckelungsbetrag alle Unternehmen, also auch Großunternehmen, anspruchsberechtigt, allerdings würde der auf Grund des EU-Beihilferechts relevante Vorwurf der Diskriminierung vermieden. Das Modell hätte zudem den Vorteil, dass weite Teile der Midrange Companies mit signifikanter Hebelwirkung erreicht würden, denn rund 95 Prozent der Unternehmen, die FuE durchführen, haben nach Erkenntnissen des ZEW FuE-Aufwendungen von höchstens 20 Millionen Euro.

Allerdings muss die neue Bundesregierung nicht nur die Frage klären, wer in den Genuss einer steuerlichen Forschungsförderung kommen soll, sondern auch wie diese administrativ umgesetzt werden kann. „Die Förderung muss klaren Regeln folgen und sollte zugleich leicht administrierbar sein – sowohl für die öffentliche Verwaltung wie für die zu fördernden Unternehmen“, betont Dr. Ralph Wiechers, Steuerabteilungsleiter des VDMA. „Denn was wir nicht brauchen, sind komplizierte Begutachtungen und Streit in den steuerlichen Betriebsprüfungen bei der Abgrenzung der Fördertatbestände.“

Auch wenn eine steuerliche Forschungsförderung den Staat etwas kostet, zahlt sie sich doch aus. So belegen zahlreiche Evaluierungsstudien aus anderen Ländern, dass es sich bei ihr um ein wirkungsvolles Instrument zur Stimulierung von Forschung und Innovationen in Unternehmen handelt.

www.zew.de

Veröffentlicht von

Sascha Brinkdöpke

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