Investition in Energieeffizienz rechnet sich für die Industrie

Dialog über Energiewende und Umwelt, insbesondere über Energieeffizienz.
Informierten über Erfolge und Aufgaben in der Energiewende: (von links) Matthias Schaffeld (Miele), Klaus Meyer (Energie Impuls OWL), Rainer Priggen (Landesverband Erneuerbare Energien) sowie Thomas Leidecker und Michael Kapke vom Ingenieurbüro Reich + Hölscher. (Foto: reich + hölscher ingenieurbüro GbR)

Bielefeld. Auf der Schwelle vom fossilen zum elektrischen Zeitalter bleibt für Wirtschaft und Politik noch viel zu tun. Das ist eine Erkenntnis aus dem ersten Forum EnergieWerte. Dazu hatten jetzt das Ingenieurbüro Reich + Hölscher und der Verein Energie Impuls OWL ostwestfälische Unternehmer in das Bielefelder Miele-Werk eingeladen. Thema unter war anderem auch Energieeffizienz.

Einen tiefen Einblick in das Thema Energiepolitik lieferte Rainer Priggen in seinem Impulsvortrag. Der 64-Jährige war vom Jahr 2000 an 17 Jahre lang Mitglied des NRW-Landtags und energiepolitischer Sprecher der Grünen- Fraktion. Priggen forderte die Unternehmer auf, eine ganzheitliche Energiewende weiter zu unterstützen: Das Potenzial Erneuerbarer Energien sei bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Gerade in NRW – dem Standort großer Kraftwerke – gebe es auch künftig kein Problem mit den Netzkapazitäten. Ausschau müsse man jetzt nach großen Speicherkapazitäten halten. Dabei spiele die Power to Gas-Technologie eine wichtige Rolle. Auch die stromintensiven Unternehmen wie Aluminiumhütten oder Chemiewerke könnten eine wichtige Speicherfunktion für Strom aus Wind und Sonne übernehmen, so der Aachener, der heute Vorsitzender des Landesverbands Erneuerbare Energien ist.

Energiewende noch nicht am Ende

Mehr Chancen als Herausforderungen sieht Priggen auch bei der E-Mobilität. Automobilindustrie und Zulieferer in Deutschland müssten jetzt mehr Elektrofahrzeuge anbieten. Von den Arbeitgebern wünscht er sich mehr Stromtankstellen auf den Firmenparkplätzen, von der Politik mehr „offensive Strategien“ wie zum Beispiel deutlich höhere Umstiegsprämien. Virtuelle Kraftwerke, smarte Ladetechnologien und intelligente Abrechnungssysteme böten noch große Potenziale für Industrie und IT im Land, so der Energiepolitiker der ersten Stunde.

Miele steigert Energieeffizienz

Was in der ostwestfälischen Industrie in Sachen Energieeffizienz geht, stellte Matthias Schaffeld, Leiter der Fertigungstechnologie im Bielefelder Miele- Werk vor. Dort bauen knapp 2.000 Mitarbeiter 2 Mio. Staubsauger und 540.0000 Geschirrspülmaschinen sowie 30.000 Professional-Geräte im Jahr. „Seit dem Jahr 2011 haben wir unsere Energieeffizienz um 23 Prozent steigern können“, berichtete Schaffeld.

Investment rechnet sich

Das gelang durch einen immer weiter fortgeschriebenen Aktionsplan eines eigens gebildeten Energieteams. Rund 2,5 Mio. Euro hat Miele seit dem Start in die Steigerung der Energieeffizienz in das Bielefelder Werk investiert und spart somit rund 650.000 Euro pro Jahr an Energiekosten ein. Die größten Sparpotenziale fanden sich in der Gebäude- und Infrastrukturtechnik. Dazu zählen Heizung, Lüftung und Klima sowie die Druckluftversorgung.

Aber auch im Mitarbeiterverhalten, wie das Abschalten von Anlagen in Pausen, leisten einen Beitrag. 30 Prozent des benötigten Stroms und 70 Prozent des Wärmebedarfs erzeugt Miele am Standort Bielefeld seit kurzem durch ein von Reich + Hölscher geplantes Kraft-Wärme- Kälte-Kraftwerk selbst. Das vermeidet künftig den Ausstoß von rund 2.000 Tonnen CO2 pro Jahr. „Investment in Effizienz rechnet sich. Auch wenn die Amortisationszeiten bei einigen Projekten etwas länger sind als üblich“, berichtete Schaffeld.

Kommunikationsstandards gefragt

Viel gebracht, so Schaffeld, habe auch die Einbindung der Energiemanager in den Einkauf neuer Anlagentechnik: „Mit einer Betriebsmittelrichtlinie, in der das Thema Energieeffizienz bei Produktionstechnologien verankert ist haben wir Diskussionen ausgelöst und Augen geöffnet.“ Die Aufgaben würden den Verantwortlichen für die Energieeffizienz so schnell nicht ausgehen. Aktuell arbeite man an Schnittstellenstandards für die gesamte Gebäude- und Anlagentechnik. „Das ist eine Riesenaufgabe. Und auch eine Grundvoraussetzung für eine funktionierende Industrie 4.0“, so der Miele- Manager.

Neuauflage für 2018 geplant

Die Gastgeber Thomas Leidecker vom Ingenieurbüro Reich + Hölscher sowie Klaus Meyer vom Energie Impuls OWL e.V. versprachen abschließend, der Premiere weitere Foren „Bielefelder EnergieWerte“ folgen zu lassen. Leidecker: „Unser Ziel ist ein anhaltender Dialog zwischen Wirtschaft und Politik in OWL zum Thema Wert von Energie.“

www.reich-hoelscher.de

Veröffentlicht von

Sascha Brinkdöpke

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