Brexit-Verhandlungsführer Elmar Brok: „Trump und May treiben Europa neu zusammen“

Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Volker Ervens (von links) freute sich ebenso wie Rechtsanwalt Dr. Franz Tepper über die gelungene Premiere des I. Forums International. Rechts vorn Pauline Rottstock von MSI Global Alliance aus London mit Dr. Heiner Wortmann und Jürgen Algermissen von der gastgebenden Kanzlei Wortmann & Partner. (Foto: Wortmann & Partner)

Rheda-Wiedenbrück. Lautstarke Forderungen aus Washington und London treiben die EU-Länder noch enger zusammen. Elmar Brok, EU-Außenpolitiker der ersten Stunde, sagte jetzt vor Unternehmern im Kreis Gütersloh: „Wir sind uns in Sachen Trump und Brexit so einig wie nie zuvor.“ Als einer von drei Unterhändlern des Europäischen Parlaments stelle er sich auf harte Positionen ein, sagte er beim I. Forum International der Wiedenbrücker Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft Wortmann und Partner.

Sollten sich die Briten für einen scharfen Schnitt entscheiden, müssten sie mit härteren Folgen rechnen als der Rest der EU. Brok: „Das gesamte Sozialwesen steht und fällt mit ausländischen Arbeitskräften. Und bei Zöllen wandern tausende europäische Unternehmen von der Insel ab.“

„Trump ist auf dem völlig verkehrten Weg“

US-Präsident Donald Trump, „der Wirtschaft nur vom Steineaufeinandersetzen kennt“ nennt Brok „eine Chance für die EU, sich der eigenen Stärke bewusst zu werden.“ Die EU exportiere wertmäßig mehr als China und die USA zusammen. Auch sei Trump auf dem völlig verkehrten Weg. Das zeige allein, dass er in den USA Kohlekraftwerke bauen wolle, während China auf Klimaschutz setze.

Indien ist spannende Alternative zu USA

Sicher müsse man mit den USA im Gespräch bleiben. Aber es könne für die exportierende Wirtschaft auch Sinn machen, sich nach Alternativen in Japan, in Indonesien oder im Mercosur- Raum umzusehen. Für besonders spannend hält Brok Indien: „Da wird in zehn Jahren die Post abgehen.“ Eine stabile Demokratie und Englisch als Amtssprache machten eine Entscheidung für Indien als Exportmarkt leicht.

Chinesische Einkaufstour begrenzen

Davor, allzuviel Hoffnung auf China zu setzen, warnte Brok jedoch: „China hat wie Russland einen Masterplan, kauft sich in europäische Technologien und Logistikstandorte ein, während es gleichzeitig deutsche Investments in China zur Juniorrolle in Joint-Ventures verdammt.“ Die Regierungen in Berlin und Brüssel müssten dringend darüber nachdenken, China aus Gründen der nationalen oder europäischen Sicherheit auf seinen Einkaufstouren zu beschränken.

Deutschland muss in seinen Erfolg investieren

Die EU sei darauf angewiesen, dass sich zwischen den Ländern „eine gefühlte Win-Win- Situation“ einstellt. Die von Trump proklamierte „patriotische Wirtschaftspolitik“ sei ebenso unnütz, wie die in Deutschland immer wieder aufflammende Nettozahler-Diskussion. „Wer Migrationsprobleme verhindern und gleichzeitig den Export steigern will, muss investieren“, schloss Brok.

Vor dem Brexit Umfirmierungen prüfen

„Be prepared“, rief Gastgeber Volker Ervens den Besuchern des I. Forums International zu. Er beleuchtete den Brexit mit einer Warnung: „Rund 9.000 deutsche Unternehmen mit der britischen Gesellschaftsform Ltd. sind jetzt ebenso gefordert wie die deutschen Gesellschafter einer britischen Kapitalgesellschaft, Aus- oder Umstiegsoptionen für sich zu prüfen“, so der Wirtschaftsprüfer und Steuerberater. Denn es können ansonsten erhebliche steuerliche Folgen drohen.

Deutsche Mütter besser vor Klagen schützen

Dr. Franz Tepper von Brandi Rechtsanwälte, gab den exportstarken Unternehmern den Rat, die Verträge zwischen Mutter, Auslandsholding, ausländischen Töchtern oder auch ausländischen Vertriebspartnern zu prüfen. Hier sei oft deutsches Recht vereinbart, obwohl ausländische Rechtssysteme oft weniger problematisch seien. Geprüft werden sollten auch Produkthaftung, Gewährleistung und der vereinbarte Gerichtsstand. Besser geschützt werden müsse nicht zuletzt vor dem Durchgriff ausländischer Kläger auf die deutsche Mutter.

Unternehmer vorsichtig optimistisch

Dass auch viele mittelständische Unternehmer aus der Region den zunehmenden Protektionismus im Fokus haben bewies die abschließende Diskussionsrunde. Christian Nüßer, Chef der Venjakob Maschinenbau GmbH & Co. KG, berichtete, dass man versuche, in schwierigen Märkten die Kontakte zu halten und frühzeitig wieder zu aktivieren, wenn die Handelsschranken fallen. Georg Bode von der Holter Regelarmaturen GmbH & Co. KG, beschrieb, dass aktuell auch wieder Länder wie der Iran in den Fokus genommen werden, die lange verschlossene Märkte waren. Vorstand Felix Kordtomeikel von der BMS Baumaschinen Service AG fügte hinzu, dass die aktuellen Entwicklungen hohe Reaktionsgeschwindigkeiten erfordern. Mit Seitenblick auf die großen Wettbewerber zeigte sich Christian Nüßer angesichts unklarer Rahmenbedingungen in immer mehr Märkten vorsichtig optimistisch: „Wir kleinen Mittelständler können sehr schnell reagieren. Das ist im internationalen Geschäft eine wichtige Stärke.“

www.wortmannpartner.de

Veröffentlicht von

Sascha Brinkdöpke

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