(Foto: P. Pollmeier/FH Bielefeld) Stets auf dem aktuellsten Stand: Einige seiner Themen aus dem Studium gibt Michael Epp komprimiert an seine Kolleg*innen weiter, damit auch sie davon profitieren können

Gemeinsam bilden die FH Bielefeld und das Technologieunternehmen Harting Michael Epp zum Big-Data-Experten aus

Von der Theorie in die Praxis und wieder zurück: Der praxisintegrierte Studiengang „Digitale Technologien“ besticht für Bachelorstudent Michael Epp durch seinen Abwechslungsreichtum. Sein Arbeitgeber Harting schätzt den Studiengang als performante Nachwuchsschmiede. Wie findet man das ideale Studium? Einige entdecken es vielleicht beim Klicken durch Onlinetests zu Studiums- und Berufswahl, andere beim Wälzen von Studienprofilen und Uniseiten. Gefunden hat Michael Epp sein Traumstudium hingegen, als er nach seiner Lehre bereits in diesem Bereich arbeitete – beim Technologieunternehmen Harting in Espelkamp, ein weltweit führender Anbieter von elektronischen Steckverbindern unterschiedlichster Größe, Beschaffenheit und Aufgabe.

Für Michael Epp stand schon früh fest: Abwechslungsreich sollte sein Beruf sein,denn Routine langweilt ihn schnell. Im Vordergrund sollte außerdem die Arbeit mit Daten, Software und Maschinen stehen. Genau jenen bunten Mix erlebt er nun im praxisintegrierten Bachelorstudiengang „Digitale Technologien“ an der Fachhochschule (FH) Bielefeld

Von der Hochschule ins Unternehmen und wieder zurück
Michael Epp studiert im dritten Fachsemester am Campus Gütersloh. Zugleich arbeitet er für Harting. Möglich macht diese Kombination das praxisintegrierte Studienmodell der FH Bielefeld, in dem sich Praxisphasen im Unternehmen (elf Wochen) mit Theoriephasen an der Hochschule (zwölf Wochen) abwechseln. Im Studiengang „Digitale Technologien“ geht es grundlegend darum, Daten zu erfassen und zu verarbeiten. Die Studierenden beschäftigten sich mit sehr großen Datenmengen (Big Data). Oft bestehen diese aus unstrukturierten Daten. Das heißt: Es sind Tweets, Fotos, Einkaufshistorien von Kunden, Login-Dateien in Webservern oder Fehlermeldungen aus Maschinen, die erst einmal niemandem nutzen. Dafür müssen sie aufbereitet und in Datenbanken gespeichert, geordnet, analysiert und ausgewertet werden. Hier kommen vielseitige Technologien und Methoden zum Einsatz, welche die Studierenden intensiv kennen und anwenden lernen: von Datenbanken über Algorithmen über diverse nützliche Programmiersprachen bis hin zu künstlicher Intelligenz.

Durch Datensammlung und -analyse Produktionsausfälle vermeiden.

Zurzeit befindet sich Michael Epp in der Praxisphase bei Harting. Das Technologieunternehmen baut industrielle Steckverbinder: Alles von großen Bahnsteckverbindern, die einzelne Wagons von Zügen der Deutschen Bahn mit Strom, Daten und Signalen zu einem großen Ganzen formen, bis hin zu kleinen flexiblen Platinen-Steckverbindern, die in Smartphones verwendet werden, um Modulauf der Platine zu befestigen. Epp arbeitet in der Abteilung „Industrial Internet of Things, Solutions & Services“ (IIoT). „Wir beschäftigen uns hauptsächlich mit dem Gewinn und der Verarbeitung von Daten aus den Produktionsanlagen“,
berichtet der FH-Student. „Wir versuchen, auf diese Weise sicherzustellen, dass wir immer genau wissen, wie es unseren Maschinen geht. So können wir eingreifen, bevor ein Verschleiß oder ein kleiner Fehler dafür sorgt, dass eine Maschine ausfällt. “ Predictive maintenance heißt das Zauberwort. Ziel: Ungeplante Maschinenstillstände vermeiden, Reparaturkosten senken sowie Prozesse
flüssiger, effizienter und schneller gestalten.

In der IIoT-Abteilung von Harting fließen täglich riesige Datenmengen zusammen.
Beim Blick in den Maschinenpark von Harting in Espelkamp wird der Stellenwert von Epps Arbeit und Studium schnell klar: Eine Maschine reiht sich an die nächste, insgesamt rund 200 an der Zahl. Ausgestattet mit Monitoren und Greifarmen produzieren sie am Fließband und zum Teil vollautomatisch die einzelnen Komponenten, aus denen die Industriestrecker zusammengesetzt werden. Jede Maschine arbeitet und kommuniziert dabei anders. Somit fließen täglich riesige Datenmengen in der IIoT-Abteilung zusammen. Epps Rolle ist hierbei zurzeit die des „Datensammlers“: „Ich beschäftige mich beinahe ausschließlich damit, wie wir möglichst effizient relevante Daten aus unseren Maschinen auslesen können. Diese wandele ich in bestimmte Programmiersprachen um und leite sie an meine Kollegen, die sogenannten Datenwissenschaftler, weiter.“ Jene, auch „Data Scientists“ genannt, analysieren die Daten dann, erkennen Muster und ziehen Erkenntnisse für die weitere Produktion daraus. „Das ist eine Position, die ich nach meinem Studium durchaus besetzen könnte“, erzählt Epp.

Starke Verzahnung von Studieninhalten und Arbeitspraxis im Unternehmen. Die Studieninhalte in den Theoriephasen an der FH decken sich stark mit den Projekten im Praxisblock. Das ist das Ergebnis einer intensiven Zusammenarbeit der Verantwortlichen an der FH und bei Harting. Davon profitieren beide Seiten. Manchmal geht es sogar soweit, dass Michael Epp einige der Inhalte aus seinen Seminaren den Kollegen komprimiert wiedergibt, damit auch sie davon profitieren.
Während der Theoriephasen bearbeiten die Studierenden die Studieninhalte größtenteils selbstständig. In wöchentlichen Treffen mit dem Professor der jeweiligen Veranstaltung finden dann Übungen und das „betreute Selbststudium“ statt. Klassische Vorlesungen gibt es nicht. „Wenn ich meine Theoriephasen an der FH habe, verbringe ich drei bis vier Stunden pro Tag in festen Veranstaltungen. Die restliche Zeit lerne ich in Lerngruppen oder im Selbststudium. Es gehört also ein gewisses Maß an Selbstdisziplin für dieses Studium dazu“, so Epp. Darüber hinaus bereiten die Studierenden bereits während der Praxisblöcke erste Themen für das folgende Theoriesemester vor.

„Im Studium schon Geld zu verdienen, schadet nicht!“
Die Kombination aus Studium und Berufspraxis ist für ihn keine Doppelbelastung, sondern vielmehr eine Arbeitserleichterung: „In meinem Berufsfeld ist es völlig normal, sich ständig in neue Themen einzuarbeiten und Aufgaben zu bekommen, von denen man erstmal nicht weiß, wie genau sie zu lösen sind. Theorie und Praxis sind in meinem Studium aber so gut verzahnt, dass vieles, was ich bereits in der Theoriephase an der FH gelernt habe, auch in der Praxis im Unternehmen vorkommt, sodass ich mir das Wissen nicht erst in einem echten Projekt aneignen muss. Viele Studieninhalte decken sich einfach ziemlich genau mit den Projekten in meinen Praxisblöcken. Und im Studium schon Geld zu verdienen, schadet natürlich auch nicht.“

Zurzeit beschäftigt er sich in seinem Praxisblock unter anderem mit Videostreaming. Hierbei schreibt er Bilder von Kameras, die Spritzgussteile auf Qualitätsmängel kontrollieren, live auf einen Harting-Server um. Epp: „In meinem nächsten Praxisblock werde ich vermutlich wieder etwas ganz Anderes tun. Genau diese Abwechslung liebe ich an meinem Job und am Studium.“

„Für den Bereich, in dem ich arbeite, ist mein Weg eigentlich ideal.“
Der Weg an die FH und zu Harting verlief für den 24-Jährigen über einen leichten Umweg. Im Nachhinein erwies sich dieser aber als genau der Richtige: Während Epp Elektrotechnik an der Universität Bremen im ersten Semester studierte, merkte er schnell, dass ihm ein „normales“ Studium zu theoretisch ist. Es folgten eine Ausbildung zum Elektroniker für Automatisierungstechnik bei Harting sowie eine einjährige Berufstätigkeit in der IIoT-Abteilung

„Nach dem einen Jahr wollte ich gerne meinen Horizont erweitern und zugleich
meinen Fokus bei der Arbeit von der Hardware mehr auf die Software verschieben“, erinnert sich der BA-Student. „Dabei habe ich nach einer Möglichkeit gesucht, wie ich weiterhin in diesem Team bleiben und arbeiten kann, während ich mich weiterbilde. Das praxisintegrierte Studium erreicht genau das. Für den Bereich, in dem ich arbeite, ist mein Weg eigentlich ideal: erst eine Ausbildung im Technik- oder Informatikbereich, dann ein praxisintegriertes Studium, während man bereits Erfahrungen im Betrieb sammelt.“

Mathe und Physik sind keine unüberwindlichen Hürden – Harting will Mitarbeiter gezielt fördern
„Ich würde jedem raten, sich nicht von Modulen wie Mathe oder Physik abschrecken zu lassen“, sagt Epp. „Man muss nicht den Mathe- und Physik- Leistungskurs gehabt haben, um das zu schaffen. Und es macht auch nichts, wenn das Abitur schon einige Jahre zurückliegt so wie bei mir.“ Das sieht Detlef Sieverdingbeck, Leiter des Zentralbereichs Corporate Communication & Branding bei der Harting Technologiegruppe, ebenso: „Wir bieten praxisintegrierte und duale Studiengänge als Direkteinstieg und zur Fachkräfteausbildung an. Darüber hinaus fördern wir aber auch gezielt Mitarbeitende mit Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Wir suchen jedes Jahr neue studien- und ausbildungsinteressierte junge Menschen.”
Die Zusammenarbeit zwischen FH und Harting läuft gut und ist unkompliziert, so Sieverdingbeck. „Die Qualifizierung unserer Mitarbeitenden ist ein Mehrwert für den Mitarbeitenden und für unser Unternehmen gleichermaßen, da wir durch qualifizierte, motivierte und engagierte Kolleginnen und Kollegen den Erfolg unseres Unternehmens sichern können.“

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WIR Redaktion

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