Neue Kohlendioxid-Produktion in Lüdinghausen

Lüdinghausen. Die Westfalen Gruppe präsentierte ihre neue Produktionsanlage, die Kohlendioxid (C02) reinigt und verflüssigt, erstmals der Öffentlichkeit. Das Unternehmen aus Münster investierte 3,5 Millionen Euro, die Bauarbeiten begannen im März 2013, die Inbetriebnahme fand bereits im November 2013 statt. Als Rohstoff der Produktion dient CO2, das bei Gärungsprozessen der Alkoholherstellung bei der benachbarten eal Euro-Alkohol GmbH anfällt.

Der Umweltnutzen ist beachtlich: „Wir recyceln ein bisher nicht genutztes Abfallprodukt und sorgen für seine Wiederverwendung“, erläuterte Projektleiter Heinz Gausling von der Westfalen Gruppe. Auch bei eal freut man sich auf diese Kooperation: „Durch die Anbindung an die neue Kohlendioxid- Anlage können wir die CO2-Emissionen unserer Alkohol-Produktion drastisch reduzieren“, betonte eal-Geschäftsführer Dr. Bernhard Strotmann. „Der Klimaschutz ist eines der entscheidenden kommunalen Handlungsfelder für die Zukunft. Gelingen kann er nur, wenn Stadt, Bürger und Unternehmen gemeinsam aktiv werden. Hier leistet das Projekt einen enormen Beitrag mit Vorbildcharakter“, freute sich auch der stellvertretende Bürgermeister Anton Holz über die Entwicklung.

Eine 35 Meter lange Pipeline transportiert das Rohgas von eal in das neue Werk. In der Maschinenhalle durchläuft es eine Reinigungs- und Verflüssigungsanlage. Anschließend wird das auf minus 25 Grad abgekühlte CO2 in einen der drei Hochtanks im Freien gepumpt. Jeder Tank nimmt 100 Tonnen flüssiges CO2 auf. Unmittelbar vor den Behältern befindet sich eine Tankwagen-Verladestation, in der autorisierte Fahrer selbstständig CO2 tanken können, um es dann zu Großkunden oder den Werken und Lägern der Westfalen Gruppe zu transportieren.

Die Anlage kommt in der Regel ohne Bedienpersonal aus. Steuerung und Überwachung übernimmt die rund um die Uhr besetzte zentrale Leitwarte der Westfalen Gruppe in Hörstel (bei Osnabrück). Darüber hinaus werden täglich in regelmäßigen Abständen Kontrollgänge von geschultem und eingewiesenem Personal durchgeführt. Bei gravierenden Störungen schaltet sich die Anlage automatisch ab.

Kohlendioxid wird in zahlreichen Branchen eingesetzt: in der Wasseraufbereitung (etwa zur Neutralisierung alkalischer Abwässer) ebenso wie in der Metallverarbeitung (zum Beispiel als Schutzgas in der Schweißtechnik). Besonders in der Lebensmittelherstellung (als sprudelnder Zusatz bei Getränken oder zum Verpacken unter Schutzatmosphären) und in der pharmazeutischen Industrie sind hohe Qualitätsstandards gefragt. Für die neue Anlage ist das kein Problem – sie erreicht Reinheiten bis 5.0 (99,999 Volumenprozent) und erfüllt die Anforderungen von Coca Cola und ISBT (International Society of Beverage Technologists). Eine ausgefeilte Analytik ist vor Ort in der Lage, die Qualität des hergestellten Gases rasch zu überprüfen. Pro Stunde produziert die neue Anlage 2,3 Tonnen Kohlendioxid; das entspricht einer Jahresleistung von etwa 17.000 Tonnen.

„Seit der Inbetriebnahme läuft die Anlage reibungslos“, bilanzierte Gerhard Schlüter, Mitglied der Geschäftsleitung der Westfalen Gruppe. Und das höchst energieeffizient: So liegt der Stromverbrauch für die Reinigung und Verflüssigung von CO2 gut 20 Prozent unter dem Wert, der vor Bau der Anlage dafür veranschlagt wurde. „Da es sich bei der Lüdinghauser Anlage mit einem Jahresverbrauch von rund 3,5 Gigawattstunden Strom um einen energieintensiven Betrieb handelt, haben wir einen EEG-Industrierabatt beantragt“, berichtete Schlüter. Der Rabatt kann allerdings erst nach Vorlage der Stromrechnungen des ersten Betriebsjahrs gewährt werden – und auch dann nicht rückwirkend. „Ohne diese Befreiung wären die Errichtung oder der Erhalt einer solchen Anlage in Deutschland gerade für den Mittelstand kaum möglich“, betonte Schlüter. Schließlich setzt der mittelständische Gasehersteller mit eigenen CO2-Produktionen ein sichtbares Zeichen: Zeitgleich mit Lüdinghausen nahm er in Frankfurt eine vergleichbare Anlage in Betrieb. „Die neuen Werke machen uns unabhängiger von Lieferanten und verbessern die Liefersicherheit für die Anwender“, so Schlüter.

www.westfalen-ag.de

Veröffentlicht von

Sascha Brinkdöpke

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