Wirtschaftslage Mittelstand im Münsterland, Frühjahr 2016

Verena Riegel Geschäftsführerin, Creditreform Münster Riegel & Riegel KG (Foto: Creditreform Münster Riegel & Riegel KG)
Verena Riegel Geschäftsführerin, Creditreform Münster Riegel & Riegel KG (Foto: Creditreform Münster Riegel & Riegel KG)

Die anhaltenden guten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben dem Mittelstand ein gutes Geschäftsjahr 2015 beschert, so dass er schwungvoll und optimistisch ins neue Jahr gestartet ist. Gut 60 Prozent der befragten Mittelständler in Deutschland (63,9 Prozent, Vorjahr: 56,3 Prozent) und auch im Münsterland (62,0 Prozent, Vorjahr: 63,7 Prozent) beurteilen ihre aktuelle Geschäftslage mit gut oder sogar sehr gut. Nur 0,8 Prozent (Vorjahr: 0,7 Prozent) der Unternehmer in unserer Region sind mit ihrer Geschäftslage überhaupt nicht zufrieden, in Gesamtdeutschland ist ihr Anteil mit 3,4 Prozent (Vorjahr: 2,7 Prozent) etwas höher.

deutliches Umsatzplus

Sicher haben die gestiegenen Umsatzzahlen zur positiven Stimmungslage der Unternehmer beigetragen. Wie im Vorjahr verbuchten vier von zehn befragten Mittelständlern im Münsterland steigende Umsätze (40,5 Prozent; Vorjahr: 39,4 Prozent). Dem stehen nur noch 10,1 Prozent (Vorjahr: 15,6 Prozent) Betriebe gegenüber, die Umsatzeinbußen erlitten. Bezogen auf Deutschland kann der Mittelstand eine nicht ganz so positive Bilanz ziehen: Hier stehen 28,5 Prozent der Betriebe mit Umsatzsteigerungen 19 Prozent gegenüber, die Umsatzrückgänge verkraften mussten. Dennoch fällt der Saldo aus gestiegenen und gesunkenen Umsätzen auch in Deutschland (plus 9,5 Prozent, Vorjahr: plus 3,1 Prozent) deutlich besser aus, als noch vor einem Jahr.

Im Münsterland stellt sich die Umsatzentwicklung im Dienstleistungsgewerbe am positivsten dar: 42,4 Prozent (Vorjahr: 41,2 Prozent) der Betriebe mit Umsatzsteigerungen stehen nur 6,1 Prozent (Vorjahr: 11,8 Prozent) gegenüber, die Umsatzeinbußen meldeten. Im Baugewerbe hielt mit 71,7 Prozent (Vorjahr: 42,3 Prozent) die Mehrheit der Baufirmen ihre Erlöslage konstant.

Gewinnzuwächse bleiben hinter Umsatzplus

Die gute Umsatzlage konnten die Mittelständler nicht ganz auf die Gewinnentwicklung übertragen. Trotzdem bilanzieren die Mittelständler zumindest in unserer Region insgesamt deutliche Gewinnsteigerungen: Jeder fünfte Befragte (25,3 Prozent, Vorjahr: 32,9 Prozent) konnte seine Ertragslage verbessern, nur 12,7 Prozent (Vorjahr: 13,8 Prozent) mussten Einbußen hinnehmen. In Deutschland ist der Anteil der Mittelständler mit Gewinnzuwächsen (20,4 Prozent, Vorjahr: 20,9 Prozent) genauso groß, wie der die Gewinneinbußen (20,0 Prozent, Vorjahr: 22,2 Prozent) bilanzierten. Hier scheint sich die Kluft zwischen Betrieben, die erfolgreich wirtschaften und denen, die ums Überleben kämpfen, zu festigen.

Personalbedarf wächst weiter – deutlicher Fachkräftemangel

Die guten Umsätze veranlassten den Mittelstand, ihren Personalbestand kräftig auszubauen. Gut vier von zehn Unternehmern im Münsterland (42,2 Prozent, Vorjahr: 32,9 Prozent) und 23,4 Prozent (Vorjahr: 22,8 Prozent) in Deutschland beschäftigte mehr Personal. Nur 8 Prozent (Vorjahr: 11,4 Prozent) haben in unserer Region Stellen abgebaut (Deutschland: 10,7 Prozent, Vorjahr: 12 Prozent). Die Langzeitbetrachtung mit den Saldi aus Einstellungen und Entlassungen zeigt, dass seit 2011 konstant überdurchschnittlich Stellen im Münsterland aufgebaut wurden. Mit plus 34,2 Prozent (Vorjahr: plus 21,5 Prozent) wird für unsere Region sogar der beste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen erreicht. Und die hiesigen Mittelständler hätten sogar noch mehr eingestellt. So melden 23,6 Prozent der Unternehmer, dass Facharbeiterstellen im vergangenen Jahr unbesetzt blieben, 12,2 Prozent konnten nicht alle Ausbildungsstellen besetzen und 10,5 Prozent suchten vergebens nach Angestellten für qualifizierte Tätigkeiten.

optimistische Erwartungen für das Geschäftsjahr 2016

Die Auftragssituation im Mittelstand ist offensichtlich mehr als gut und die Umsatzprognosen entsprechend zuversichtlich. Jeder zweite Unternehmer im Münsterland (50,2 Prozent, Vorjahr: 47,4 Prozent) rechnet mit Umsatzsteigerungen, in Deutschland sind es 42,5 Prozent der Betriebe (Vorjahr: 38,7 Prozent). Konstante Umsätze prognostizieren 37,6 Prozent (Vorjahr: 40,8 Prozent) der Firmeninhaber in unserer Region und 49,8 Prozent (Vorjahr: 52,2 Prozent) in Deutschland. Im Münsterland ist der Handel dabei noch zuversichtlicher, als es die übrigen Branchen ohnehin schon sind. Weit über die Hälfte der Befragten aus diesem Wirtschaftsbereich (55,9 Prozent, Vorjahr: 46,9 Prozent) rechnet mit einem Umsatzplus. Auch die Gewinnerwartungen sind ausgesprochen optimistisch: Im Münsterland kalkulieren 41,4 Prozent (Vorjahr: 37,4 Prozent) und in Deutschland 29,3 Prozent (Vorjahr: 27,6 Prozent) der befragten Unternehmer mit steigenden Erträgen.

Investitionsbereitschaft steigt wieder an

Die Investitionsbereitschaft im Münsterland hat nach einem leichten Rückgang im vergangenen Jahr wieder rasant zugenommen. Sagenhafte 70,9 Prozent (Vorjahr: 63,7 Prozent) der Befragten planen Investitionen im laufenden Geschäftsjahr zu tätigen. In Gesamtdeutschland zeigen diesen Aktionismus 58,1 Prozent (Vorjahr: 53,6 Prozent) der Mittelständler.

58,7 Prozent der Befragten im Münsterland und 63,3 Prozent in Deutschland beabsichtigen Ersatzinvestitionen zu tätigen, aber auch Erweiterungsinvestitionen sind von 53,3 Prozent der hiesigen Firmen (Deutschland 53,1 Prozent) geplant. Diese Investitionsart hat oft zusätzlichen Personalbedarf zur Folge, was mit den Einstellungsabsichten der Mittelständler korreliert.

Personalbedarf bleibt hoch

Dem Fachkräftemangel zum Trotz gibt gut jeder vierte Befragte (26,5 Prozent) in Deutschland an, zusätzliche Mitarbeiter einstellen zu wollen. Im Münsterland war es sogar gut ein Drittel (33,8 Prozent, Vorjahr: 30,4 Prozent) der Unternehmer. Nur 5,8 Prozent der Betriebe in Deutschland und 4,2 im Münsterland haben einen Stellenabbau angekündigt. Das Gros der Betriebe wird aber seine Belegschaft unverändert halten (Münsterland: 60,8 Prozent, Vorjahr: 62,6 Prozent; Deutschland: 67,0 Prozent, Vorjahr: 69,5 Prozent). Die meisten Einstellungen sind im personalintensiven Dienstleistungsgewerbe zu erwarten. Ihr Personal ausbauen wollen 42,4 Prozent (Vorjahr: 32,4 Prozent) der Dienstleister im Münsterland und 30,5 Prozent (23,9 Prozent) in Deutschland.

Mittelstand überwiegend gut finanziert

Die Eigenkapitalausstattung des Mittelstandes ist erneut positiv zu bewerten. So blieb die Eigenkapitalquote im Münsterland lediglich bei 17,5 Prozent (Vorjahr: 19,6 Prozent) der Unternehmen (Deutschland: 28,5 Prozent, Vorjahr: 30,7 Prozent) unterhalb der Grenze von 10 Prozent, ab der ein Unternehmen als unterkapitalisiert gilt. Der Anteil ausreichend und solide eigenfinanzierter Unternehmen mit mehr als 30 Prozent Eigenkapital im Verhältnis zur Bilanzsumme ist in unserer Region mit aktuell 39,6 Prozent nahezu konstant zum Vorjahr (39,9 Prozent). Deutschland: 31,6 Prozent, Vorjahr: 30,8 Prozent.

Zahlungsmoral

Die Forderungslaufzeiten bei den privaten und gewerblichen Kunden des Mittelstandes haben sich im Münsterland gegenüber dem Vorjahr tendenziell verlängert: Verbuchten vor einem Jahr noch 88,0 Prozent der Befragten Zahlungseingänge innerhalb von 30 Tagen, so waren es diesmal noch 86,8 Prozent. Für Deutschland zeigt sich ein anderer Trend: Mit 87,7 Prozent Pünktlichzahlern – innerhalb von 30 Tagen – hat sich ihr Anteil um 3 Prozentpunkte erhöht. Das Zahlungsverhalten der öffentlichen Hand im Münsterland hängt der für Deutschland seit Jahren hinterher. Doch hat sich im vergangenen Jahr die Zahlungsweise der hiesigen öffentlichen Einrichtungen deutlich verbessert: 71,2 Prozent zahlen mittlerweile innerhalb von 30 Tagen ihre Rechnung (Vorjahr: 66,5 Prozent). In Deutschland liegt ihr Anteil bei nur noch geringfügig höheren 75,2 Prozent (Vorjahr: 75,7 Prozent).

www.creditreform-muenster.de

Veröffentlicht von

Sascha Brinkdöpke

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