Wirtschaftslage Mittelstand im Münsterland, Frühjahr 2017

Verena Riegel, Geschäftsführerin Creditreform Münster Riegel & Riegel (Foto: Creditreform Münster)

Das insgesamt wenig exportfreundliche wirtschaftspolitische Umfeld, mit dem eingeleiteten Brexit, einem globalkritischen US-Präsidenten und einem Staatpräsidenten in Russland, der auf ein kommunismusfreies Land hin dirigiert, wird offenbar von der kräftigen Binnenkonjunktur aufgefangen. Getragen von der guten Arbeitsmarktlage sind insbesondere Bauinvestitionen und privater Konsum konjunkturbestimmend.

Der Creditreform Geschäftsklimaindex (CGK) Münsterland konnte zwar nicht ganz den sehr guten Wert aus dem Vorjahr (35 Punkte) halten, liegt aber mit 39,9 Prozent erneut weit im positiven Bereich und übersteigt noch den guten Wert für Deutschland, der 21,8 Punkte (Vorjahr: 21,7 Punkte) erreicht. Im Münsterland trägt insbesondere das Verarbeitende Gewerbe aber auch die Baubranche zur guten Konjunkturentwicklung bei.

Fantastische Auftragslage im Mittelstand hält an

Der Mittelstand ist gut in das Geschäftsjahr 2017 gestartet, wie die aktuelle Auftragslage belegt. Genau wie im Vorjahr verzeichnen rund 30 Prozent der Unternehmer in Deutschland steigende Auftragszahlen, im Münsterland liegt ihr Anteil noch 10 Prozent höher. Der Anteil der Betriebe, die Auftragseinbußen hinnehmen mussten, ist mit 9,6 Prozent (Vorjahr: 8,0 Prozent) in unserer Region fast halb so groß wie in Gesamtdeutschland, wo 17,3 Prozent (Vorjahr: 16,3 Prozent) der Firmeninhaber sinkende Auftragszahlen melden. Im Münsterland kann das Verarbeitende Gewerbe die größten Auftragssteigerungen verbuchen (44 Prozent), aber auch der Bau äußerte sich sehr positiv. Bezogen auf Gesamtdeutschland liegen hingegen die Dienstleister vorn (32,7 Prozent). Insgesamt wird die branchenübergreifende gute Auftragslage in Deutschland von den Mittelständlern im Münsterland noch übertroffen.

Gute Umsatzbilanz jedoch ohne Wachstumsbelebung

Im Rückblick konnte die sehr gute Umsatzentwicklung wie im Jahr zuvor zwar nicht gehalten werden, dennoch dürften die Mittelständler insgesamt auch jetzt sehr zufrieden mit ihrer Umsatzbilanz sein. Mehr als ein Drittel (36,3 Prozent, Vorjahr: 40,5 Prozent) der Mittelständler im Münsterland konnte den Umsatz im vergangenen Geschäftsjahr steigern. In Deutschland ist dies 28,1 Prozent (Vorjahr: 58,5 Prozent) der Unternehmer gelungen. Jeder zweite Betrieb berichtet von konstanten Umsatzzahlen. Während in Deutschland jeder fünfte Mittelständler Umsatzeinbußen verkraften musste, sind dies in unserer Region nur 13,2 Prozent.

Im Münsterland übersteigt in allen Hauptwirtschaftsbereichen der Anteil der Mittelständler mit Umsatzzuwächsen diejenigen mit Umsatzeinbußen. Für Deutschland hingegen errechnet sich für das Baugewerbe bezogen auf die Umsatzentwicklung ein Negativsaldo, d. h. mehr Betriebe bilanzierten Umsatzeinbußen als Umsatzzuwächse. Das hiesige Baugewerbe hingegen konnte seine Umsatzbilanz noch einmal deutlich verbessern. 32,9 Prozent der Baubetrieb meldeten Erlöszuwächse, im Vorjahr lag ihr Anteil noch bei 21,7 Prozent. Der Handel konnte in unserer Region die guten Umsatzergebnisse des Vorjahres nicht halten, als noch fast jeder zweite Händler (47,5 Prozent) Umsatzzuwächse meldete. Ihr Anteil ist auf 31,4 Prozent gesunken.

Personalbedarf im Mittelstand bleibt hoch

Der Mittelstand hat seinen Personalbestand weiter aufgestockt: 34 Prozent (Vorjahr: 42,2 Prozent) der Befragten im Münsterland und jeder vierte Befragte (25,2 Prozent, Vorjahr: 23,4 Prozent) in Deutschland schaffte in den letzten zwölf Monaten zusätzliche Stellen. Etwa jeder Zehnte (Münsterland: 9,6 Prozent; Deutschland: 10,3 Prozent) gab an, seine Belegschaft verkleinert zu haben. Erwartungsgemäß war der Personalbedarf im Dienstleistungsgewerbe am höchsten. Sehr einstellungsfreudig zeigte sich auch das Baugewerbe im Münsterland.

Positiver Blick auf das Geschäftsjahr 2017

Die insgesamt positive Bilanz des Vorjahres stimmt den Mittelstand auch für das aktuelle Geschäftsjahr positiv. Rund 40 Prozent der befragten Betriebe (Münsterland: 40,3 Prozent, Deutschland: 38,4 Prozent) rechnen mit weiter steigenden Auftragseingängen. Damit sind die Erwartungen in Deutschland konstant (Vorjahr: 38,3 Prozent), im Münsterland etwas verhaltener als im Vorjahr, als noch jeder zweite Unternehmer (49,8 Prozent) steigende Auftragszahlen prognostizierte. Die aktuell gut gefüllten Auftragsbücher stimmen die Betriebe auch hinsichtlich ihrer Umsatzentwicklung zuversichtlich. Rund 42 Prozent erwarten steigende Umsätze, das ist für Deutschland ein konstanter Wert zum Vorjahr, für das Münsterland sind dies 8 Prozent weniger. Nur eine Minderheit der Befragten (Deutschland: 6,8 Prozent, Münsterland: 8,3 Prozent) rechnet mit einem Umsatzrückgang. Weiterhin positiv gestimmt, aber deutlich verhaltener als im Vorjahr, zeigt sich in unserer Region der Handel hinsichtlich seiner Erwartungen an das Geschäftsjahr 2017.

Um die optimistischen Auftrags- und Umsatzerwartungen realisieren zu können, benötigt der Mittelstand auch in 2017 zusätzliches Personal. Die Personalplanungen der Unternehmer sind weiter expansiv; so beabsichtigen 35,6 Prozent der Befragten im Münsterland und 29,5 Prozent in Deutschland, Personal aufzustocken. Das ist ein leichter Anstieg gegenüber dem Vorjahr (Münsterland: 33,8 Prozent, Deutschland: 26,5 Prozent). Stellen streichen wollen nur 3,3 Prozent der hiesigen Unternehmer und 5 Prozent in Deutschland. Neben den Dienstleistern planen besonders auch die Bauunternehmer, noch weitere Stellen aufzubauen.

Negativtrend bei Unternehmensfinanzierung

Die Trendentwicklung hinsichtlich der Finanzierungssituation der Mittelständler ist sowohl in Deutschland als auch im Münsterland leicht negativ. 36,5 Prozent der Befragten im Münsterland (Vorjahr: 39,6Prozent) und 29,3 Prozent in Deutschland (Vorjahr: 31,6 Prozent) gaben an, über eine solide Eigenkapitaldecke von mehr als 30 Prozent zur Bilanzsumme, zu verfügen. Gleichzeitig nahm der Anteil der Betriebe, die eine riskant niedrige Eigenkapitalquote von maximal 10 Prozent ausweisen, zu: Münsterland: 19,9 Prozent (Vorjahr: 17,5 Prozent), Deutschland: 29,8 Prozent (Vorjahr: 28,5 Prozent). Grund für diesen Trend könnten die günstigen Kreditfinanzierungen der letzten Jahre sein, die die Unternehmer verführt haben, damit beispielsweise Investitionen zu finanzieren.

Digitalisierungsgrad im Mittelstand

An dem Thema Digitalisierung kommt heute kein Unternehmen mehr vorbei, wenn es wettbewerbsfähig bleiben will. Doch: Wie digital ist der deutsche Mittelstand bereits? Ein wichtiger Punkt hierbei ist die Infrastruktur, also die Verfügbarkeit von schnellem Internet und IT-Technik. Die Rückmeldungen der Befragten zeigen deutlich, dass bei dem Thema durchaus Nachholbedarf besteht, im Münsterland sogar noch mehr als deutschlandweit. Nur gut die Hälfte der befragten Mittelständler (52,3 Prozent) in Deutschland und 47,9 Prozent in unserer Region bewertet die aktuelle Internetanbindung als ausreichend schnell. Die verfügbare IT-Technik in den mittelständischen Unternehmen im Münsterland ist geprägt von stationären PCs (Münsterland: 99,3; Deutschland: 96,3 Prozent der Befragten) und mobilen Endgeräten wie Smartphone oder Tablet (Münsterland: 89,1 Prozent; Deutschland: 86,5 Prozent). Über computergesteuerte Maschinen wie beispielsweise CNC-Maschinen verfügen bereits 25,1 Prozent (Deutschland: 12,8 Prozent) der Befragten. Neuere Technologien am Beispiel eines 3D-Druckers werden derzeit noch selten eingesetzt.

Das Internet ist bereits etablierter Bestandteil geschäftlicher Prozesse. Dabei wird es vorrangig zur Kommunikation mit Geschäftspartnern und Kunden (Münsterland: 88,4 Prozent der Befragten), für das Online-Banking (Münsterland: 95 Prozent) sowie zur öffentlichkeitswirksamen Unternehmenspräsentation (89,4 Prozent) genutzt.

Die Chancen der digitalen Transformation werden vom Mittelstand vergleichsweise stark betont. Fast jeder zweite Befragte im Münsterland (47,2 Prozent) erwartet für sein Unternehmen neue Geschäftsmodelle und die Erschließung neuer Märkte. Auch als Treibstoff und Chance für mehr Kundenfreundlichkeit (46,5 Prozent) und Kosteneinsparungen (44,9 Prozent) sehen viele Mittelständler in unserer Region die Digitalisierung.

www.creditreform-muenster.de

Veröffentlicht von

Sascha Brinkdöpke

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