Unternehmensnachfolgen sind komplex und sollten rechtzeitig geregelt werden (Foto: geralt@pixabay)

Unternehmensnachfolgen in OWL

München/ Ostwestfalen-Lippe. In der Region Ostwestfalen-Lippe (OWL) werden Unternehmensnachfolgen, getrieben durch die demografische Entwicklung, ein immer bedeutenderes Thema. Denn erfolgreiche Unternehmensübergaben sind nicht nur für Übergeber, Nachfolger und das betroffene Unternehmen wichtig, sondern auch für die zukünftige Wirtschaftskraft der Region. Laut Regionalstatistik stehen allein in OWL bis 2025 rund 3.800 Unternehmen zur Übernahme an (Quelle: Statistische Ämter des Bundes und der Länder, www.regionalstatistik.de). „Wir beobachten eine zunehmende Nachfrage an individuellen Nachfolgelösungen über alle Branchen hinweg“, sagt Volker Korn, Leiter des Firmenkundengeschäfts der HypoVereinsbank in Ostwestfalen-Lippe. „Besonders wichtig ist dabei eine aktive Begleitung und Koordinierung des Nachfolgeprozesses durch Spezialisten, sowie eine langfristige Sicherung des Vermögens.“

Unternehmensnachfolgen im Mittelstand

In Deutschland spielen mittelständische Firmen eine wesentliche Rolle. Diese befinden sich zu mehr als 90 Prozent im Familienbesitz oder sind familiengeführt. Laut Hochrechnung des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) in Bonn befinden sich von 2014 bis 2018 rund 135.000 Familienunternehmen in Deutschland in der Übergabe (Quelle: IfM Bonn: „Unternehmensnachfolgen in Deutschland 14-18“ – Dezember 2013). Die Anzahl der damit verbundenen Arbeitsplätze liegt laut Studie des IfM bei rund zwei Millionen – bundesweit. Der großen Anzahl von Unternehmen steht allerdings eine viel kleinere Menge an möglichen Nachfolgern gegenüber. Denn das Durchschnittsalter deutscher Unternehmer liegt bei über 50 Jahren, 40 Prozent sind sogar älter als 55. Mit dem demografischen Wandel hat sich das Verhältnis von übergabereifen Unternehmen und potenziellen Nachfolgern laut DIHK-Report des Deutschen Industrie- und Handelskammertags aus dem Jahr 2016 nahezu umgekehrt. Viele Unternehmen haben daher Probleme, einen passenden Nachfolger zu finden. Die Nachfolgeplanung wird dadurch zu einer zentralen Herausforderung. Eine ungeklärte Nachfolgesituation, die zudem häufig auf die lange Bank geschoben wird, kann sich negativ auswirken: Es droht ein Investitionsstau bis hin zum Substanzverlust des Unternehmens und im schlimmsten Fall die Schließung – verbunden mit negativen Konsequenzen für Mitarbeiter, Kapitalgeber sowie Städte und Kommunen. Allein in OWL sind von bevorstehenden Unternehmensnachfolgen nach Quelle IFM rund 57.000 Arbeitsplätze betroffen. Betrachtet man die Regionalstatistik, wären es nach HVB Schätzung sogar rund 200.000 Arbeitsplätze.

 Rechtzeitige Planung von Unternehmensnachfolgen

Umso wichtiger ist es, die Planung von Unternehmensnachfolgen frühzeitig in Angriff zu nehmen. Für eine Nachfolge sollte ein mehrjähriger Vorlauf eingeplant werden, auch dann, wenn Unternehmen in der Familie übergeben werden – was bei rund 50 Prozent der Fall ist. Weitere Möglichkeiten sind die Übergabe an einen Mitgesellschafter, Mitarbeiter oder ein anderes Unternehmen. Oft zeigen sich Probleme erst nach einer Übergabe, beispielsweise wenn der Nachfolger den Investitions- oder gar Restrukturierungsbedarf unterschätzt. Deshalb sollte der Übergabeprozess gemeinsam mit der begleitenden Bank strategisch geplant werden. Wichtig hierbei ist eine ganzheitliche Betrachtung: Von der Finanzierung der Übernahme bzw. Nachfolge, über eine M&A Beratung bis hin zur Investition des Verkaufserlöses.

Eine Frage der Finanzierung

Ob der Übernehmer aus der Familie kommt, aus dem Unternehmen selbst oder von außerhalb – in der Regel müssen die Nachfolger den Übernahmepreis für ihr neues Unternehmen finanzieren. In den seltensten Fällen ist dies allein aus Eigenmitteln möglich. Gängig ist eine Kombination aus Eigenmitteln des Nachfolgers, Darlehen des bisherigen Unternehmers (Verkäuferdarlehen) und einer Bankfinanzierung kombiniert mit Förderkrediten. Da das Thema Unternehmensnachfolge auch auf politischer Ebene eine hohe Bedeutung hat, stehen für diesen Bereich vielfältige öffentliche Fördermittel zur Verfügung. „Wichtig ist, dass erfahrene Fördermittelexperten jede Übernahmefinanzierung daraufhin prüfen, ob Förderprogramme mit den jeweiligen Konditions- und Zuschussvorteilen eingesetzt werden können. Aus den verschiedenen Programmen stellen die Experten eine auf den Kunden zugeschnittene Förderstruktur zusammen“, Volker Korn. Insbesondere bei größeren mittelständischen Unternehmen werden gemeinsam mit der begleitenden Bank zudem komplexere Akquisitionsfinanzierungen wie beispielsweise Management Buy Out- oder Buy-In-Lösungen entwickelt. Auch anspruchsvolle strukturierte Finanzierungslösungen auf Käuferseite oder Financial Sponsor Solutions, zum Beispiel über private Eigenkapitalgeber kommen zum Tragen. Neben der Finanzierung einer Unternehmensübergabe oder -nachfolge nehmen die Firmenkundenspezialisten der begleitenden Bank sowohl bei der Unternehmensbewertung als auch bei der Suche nach dem geeigneten Investor oder Nachfolger, sowie bei der Vermittlung von möglichen Eigenkapitallösungen eine aktive Rolle ein.

Vermögensnachfolge zur Sicherung des Lebenswerks

Wurde ein Unternehmen erfolgreich übergeben oder verkauft, stellt sich für die abgebende Partei letztlich auch die Frage der Mittelverwendung aus etwaigen Verkaufserlösen und somit auch die Strategie zur privaten Vermögensnachfolge. Zwischen 2015 bis 2024 wird in Deutschland laut dem Deutschen Institut für Altersvorsorge voraussichtlich ein Vermögen von rund 3,1 Billionen Euro vererbt (Quelle: Deutsches Institut für Altersvorsorge: „Erben in Deutschland 2015 – 2024“  September 2015).  Aber nur rund drei Prozent aller Erbfälle sind einwandfrei geregelt. Für Unternehmer hat dabei gerade die Vermögensnachfolge der privaten Vermögen eine hohe Bedeutung, denn für sie spielt die langfristige Sicherung des eigenen Lebenswerks eine zentrale Rolle: „Viele Kunden möchten mit ihrem Privatvermögen auch gesellschaftliche Verantwortung übernehmen – zum Beispiel durch die Gründung einer Stiftung oder durch Zustiftung zu einer bestehenden Stiftung. Bereits in rund sechs Prozent aller Erbfälle ist der potenzielle Erbe eine gemeinnützige Organisation“, so Michael König, Leiter der Region Nord/West im Private Banking der HypoVereinsbank. Die Stiftungsgründer benötigen über kompetente Beratung und kontinuierlichen Austausch zur täglichen Stiftungsarbeit hinaus Partner, die sie und ihre künftigen Erben von der ersten Gründungsidee an begleiten. Kernaufgabe der Zusammenarbeit ist es, für eine langfristig wirtschaftlich gesunde Basis von Stiftungen zu sorgen, immer mit dem Ziel, den Stiftungszweck kontinuierlich zu verwirklichen und in der Regel auch das Kapital langfristig zu erhalten. Mit ihrem Stiftungsmanagement zählt die HypoVereinsbank im deutschen Private Banking zu den führenden Anbietern. Sie betreut über alle Geschäftsbereiche hinweg in Deutschland mehr als 2.000 selbstständige Stiftungen als Kunden.  Tipps und weiterführende Informationen zu Unternehmensnachfolgen gibt unter anderem die HypoVereinsbank.

Veröffentlicht von

Katherina Ibeling

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