Creditreform – Überleben Verlustunternehmen durch billiges Fremdkapital? (Foto: nattanan23/ pixabay)
Creditreform – Überleben Verlustunternehmen durch billiges Fremdkapital? (Foto: nattanan23/ pixabay)

Creditreform: Ertraglose Unternehmen in Deutschland, Sommer 2018

6,8 Prozent der deutschen Unternehmen erwirtschafteten im Zeitraum 2014 bis 2016 Jahr für Jahr Verluste. Trotz der günstigen Konjunkturlage bleibt ein nennenswerter Anteil der Unternehmen ertragsschwach. Dieses Ergebnis einer Untersuchung der Creditreform Wirtschaftsforschung basiert auf einer Längsschnittanalyse von 10.616 (bilanzierungspflichtigen) Unternehmen aus Deutschland.

Kriterium für einen chronischen Verlustbringer war, dass das Unternehmen drei Jahre in Folge ein negatives operatives Ergebnis erzielte.

Die Ergebnisse der Creditreform Analyse lassen vermuten, dass die Politik des billigen Geldes durch die Europäische Zentralbank (EZB) und die günstigen Finanzierungskonditionen Unternehmen das Überleben ermöglicht haben, die unter anderen Umständen aus dem Markt ausgeschieden wären. Darauf deutet hin, dass ertraglose Unternehmen im Verlaufe der Verlustphase ihre Verbindlichkeiten ausgeweitet und somit Fremdkapital aufgenommen haben. Zudem sind die betroffenen Unternehmen zu einem weitaus größeren Maße fremdfinanziert, wie die Creditreform Analyse zeigt.

Dienstleister und Kleinstunternehmen überdurchschnittlich betroffen

Mindestens drei Verlustjahre in Folge waren überdurchschnittlich oft bei Unternehmen aus dem Dienstleistungsgewerbe zu beobachten. So erwirtschaftete jedes zwölfte Dienstleistungsunternehmen (8,4 Prozent) in den Jahren 2014 bis 2016 fortwährend Verluste. Im Verarbeitenden Gewerbe und im Handel war die Quote der Unternehmen, die drei Jahre in Folge ohne Gewinne blieben, niedriger, erhöhte sich zuletzt aber.

Unter den Kleinstunternehmen (Bilanzsumme bis 2,0 Mio. Euro) war jeder Achte (12,8 Prozent) betroffen. Im Zeitablauf zeigt sich, dass vor allem Unternehmen mittlerer Größe (Bilanzsumme: 10 bis 43 Mio. Euro) in jüngster Zeit häufiger chronisch Verluste erwirtschafteten, ohne dass ein Marktaustritt stattfand. Im Zeitraum 2014 bis 2016 lag der Anteil der Verlustunternehmen in dieser Größenklasse bei 7,9 Prozent. Das könnte ein Indiz dafür sein, dass der Marktbereinigungsprozess in irgendeiner Form gestört ist.

Creditreform untersucht Zeitablauf: Mehrere Verlustjahre nicht ohne Folgen

Das Creditreform Unternehmenspanel ermöglicht die Analyse der Unternehmensentwicklung im Zeitablauf. Demnach blieben die Umsätze der zwischen 2008 und 2010 ertraglos gebliebenen Firmen nach Ende dieses Zeitraums deutlich hinter der durchschnittlichen Entwicklung zurück. So nahm der Umsatz dieser Unternehmen bis zum Jahr 2016 nur um 5,5 Prozent zu. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Umsatzentwicklung aller Panelunternehmen betrug plus 22,5 Prozent.

Weitere Folgen einer mehrere Jahre anhaltenden Verlustphase sind erhöhte Anteile an insolventen, aufgelösten und gelöschten Unternehmen. Die Mehrzahl der Unternehmen (84,3 Prozent), die zwischen 2008 und 2010 drei Verlustjahre in Folge aufwiesen, ist aber weiterhin aktiv und überlebte die Durststrecke.

Negativtrends setzen sich oft fort

Wenn Unternehmen bereits zwei Jahre in Folge ein negatives Betriebsergebnis aufweisen, setzen sich die Verlustphasen mit hoher Wahrscheinlichkeit fort. So lassen sich chronische Verlustunternehmen oftmals im Zeitablauf identifizieren. Nur eine Minderheit (28,8 Prozent) schaffte nach zwei fortwährenden Verlustjahren wieder den Turnaround ins Plus. Bei den meisten schloss sich ein weiteres Verlustjahr an. Gleichwohl erzielte die überwiegende Mehrheit aller deutschen Unternehmen Gewinne und blieb während des gesamten Betrachtungszeitraums stets verlustfrei. Im aktuelleren Betrachtungszeitraum von 2014 bis 2016 waren es 75,5 Prozent.

www.creditreform.de

Veröffentlicht von

Sascha Brinkdöpke

Die WIR-Redaktion freut sich auch auf Ihre Pressemitteilungen. Sprechen Sie uns an unter +49 5231 98100 0 oder per mail an redaktion@wirtschaft-regional.net

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich akzeptiere

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.