Praktische Hilfe für mittelständische Unternehmensentwicklung

Detmold. Jedes Unternehmen muss konsequent an seiner Entwicklung arbeiten, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Für den Mittelstand sind komplizierte Strategien und umfangreiche Konzepte im Tagesgeschäft jedoch oftmals schwer umsetzbar. Friedrichs & Rath aus Extertal hat einen alltagstauglichen Weg gefunden, ihren Betriebsablauf zu verbessern.

Unterstützt hat sie dabei das Landesförderprogramm Potentialberatung, das unbürokratische und schnelle Hilfe speziell für kleine und mittlere Unternehmen anbietet.

Friedrichs & Rath entwickelt und produziert Kunststoffteile im Spritzgussverfahren für Automobile, Elektro-, Verpackungs- und Haushaltsgeräte und liefert diese in die ganze Welt. Die Unternehmensgruppe produziert mit rund 950 Mitarbeitern an mehreren Standorten weltweit. Das Stammhaus des lippischen Global Players befindet sich seit der Gründung 1965 nach wie vor im Extertal. „Wir sind ein typisches mittelständisches Unternehmen, pragmatisch und mit flachen Strukturen“ erzählt Geschäftsführer Thomas Degelau.

Die Idee, eine Potentialberatung durchzuführen, entstand im Rahmen einer Veranstaltung mit der Sparkasse Lemgo-Bad Salzuflen. Mark Reuber vom IWT-Institut in Lemgo wies dort auf das Förderinstrument hin. Friedrich & Rath engagierte den Unternehmensberater und entschied sich für die Optimierung des gesamten Produktionsprozesses von der Auftragsannahme bis zum Versand. Um die Produktionsprozesse im Detail verbessern zu können, mussten erst die Störfelder analysiert werden. Reuber begab sich daher als erstes im betrieblichen Alltag auf Fehlersuche. „Er war schnell ein Teil der Firma und störte den alltäglichen Ablauf überhaupt nicht“, erzählt Degelau.

So stellte sich der Unternehmensberater einen halben Tag in die Werkshalle und befragte jeden Mitarbeiter, der an ihm vorbeilief, nach dem Ziel und Zweck des Weges. Das Ergebnis: Rund ein Fünftel aller Antworten deuteten auf einen eigentlich unnötigen Laufweg hin. Der Grund: ein hoher Abstimmungsbedarf der Mitarbeiter, resultierend aus (zu) komplizierten Strukturen, unklaren Abläufen, und (zu) viele Schnittstellen.

Weitere Störstellen waren z.B. Kapazitätsengpässe bei bestimmten Maschinen und in der Reparaturabteilung. Im Auftragszentrum und in der Arbeitsvorbereitung war die EDV-Nutzung nicht optimal. Ein anderen Problem, das häufig die ganze Produktionskette durcheinanderbrachte, waren kurzfristige Änderungen in der Bestellung.

Neben den Störstellen brachte die Potentialberatung auch viel Positives ans Licht. Die Voraussetzungen für eine effiziente reibungslose Produktionskette stimmen bereits an den meisten Stellen. Die Fertigung und das Lagersystem sind gut durchdacht, es gibt klare Materialflussstrukturen und eine optimale Flächennutzung, resümierte der Unternehmensberater.

Auch die Maßnahmen, die das Unternehmen gemeinsam mit dem Berater entwickelt hat, sind einfach und praxisnah. Beispielsweise müssen die Bestellmengen nun 24 Stunden vor der Lieferung feststehen, um unnötigen Arbeitsaufwand durch sehr kurzfristige Änderungen zu vermeiden. Ein besserer Einsatz der EDV soll die Arbeitsabläufe im Auftragszentrum und in der Arbeitsvorbereitung vereinfachen. Die Reparaturabteilung wird entsprechend den Anforderungen räumlich und technisch ausgestattet, um zukünftig fristgerecht arbeiten zu können. Für eine bessere Kommunikation im Betrieb wird die Belegschaft regelmäßig über die wirtschaftlichen Ergebnisse und besondere, für das Verständnis der Gesamtsituation wichtige Ereignisse informiert.

Die beiden Geschäftsführer Thomas Degelau und Stefan Dux sind mit den Ergebnissen der Potentialberatung sehr zufrieden:„In den 15 Beratertagen haben wir systematisch viele Themenfelder bearbeitet“. Neben den Verbesserungen im Produktionsprozess hat sich auch die Kommunikation im Betrieb verändert. Wesentlich für den Erfolg der Potentialberatung ist, dass Mitarbeiter und Betriebsrat von Anfang an eingebunden sind. Genauso wichtig ist die richtige Wahl des Unternehmensberaters.

Das Förderprogramm kann Degelau weiterempfehlen: „Die Potentialberatung bot uns praxisnahe und pragmatische Hilfe, und das bei bemerkenswert geringem bürokratischem Aufwand“. Bei der Antragstellung wurde die Firma von Uwe Gotzeina von der Regionalagentur OWL , ansässig bei der Wirtschaftsförderung des Kreises Lippe unterstützt. Der Regionalagent berät lippische Unternehmen kostenlos zur Potentialberatung und weiteren Förderprogrammen. „Die Potentialberatung, aber auch das Förderangebot ‚Bildungsscheck‘ sind wirklich gute, schnell zugängliche und bewährte Instrumente und leisten konkrete Hilfe für mittelständische Unternehmen“ erklärt Gotzeina.

Potentialberatung & Bildungsscheck – Förderprogramme für den Mittelstand auf einen Blick
Die Potentialberatung unterstützt Unternehmen dabei, Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung zukunftsorientiert und sicher auszubauen. Mit Hilfe externer Beratung werden die Stärken und Schwächen ermittelt und betriebsspezifische Lösungen erarbeitet. Nordrhein-westfälische Unternehmen, die älter als fünf Jahre sind und weniger als 250 Beschäftigte haben, erhalten eine finanzielle Unterstützung für Beratungsleistungen bis zu 7.500 Euro. Mit dem Beratungsscheck werden 50Prozent der Kosten für bis zu 15 Beratertage und bis zu 500 Euro pro Beratertag bezuschusst. Die Unternehmensberatung wählt der Betrieb selbst aus.

Mit dem Bildungsscheck erhalten kleine und mittlere Unternehmen sowie Beschäftigte einen Zuschuss von 50Prozent, maximal 2.000 Euro zu den Weiterbildungskosten. Gefördert werden Weiterbildungen, die der beruflichen Qualifizierung dienen und fachliche Kompetenzen oder Schlüsselqualifikationen vermitteln. Beschäftigte ohne Berufsabschluss und zugewanderte Beschäftigte können den Bildungsscheck für das Nachholen des Berufsabschlusses bzw. eine Nachqualifizierung nutzen.

Beide Landesprogramme werden aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds gefördert.

Veröffentlicht von

Peer-Michael Preß

Peer-Michael Preß – Engagement für die Unternehmerinnen und Unternehmer in der Region seit fast 20 Jahren. Als geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens Press Medien GmbH & Co. KG in Detmold ist er in den Geschäftsfeldern Magazin- und Fachbuchverlag, Druckdienstleistungen und Projektagentur tätig. Seine persönlichen Themenschwerpunkte sind B2B-Marketing, Medien und Kommunikationsstrategien.

Sie erreichen Peer-Michael Preß unter:

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