Der Arbeitsmarkt im Juni 2015 Sonderthema: Unterbeschäftigung

„Gütersloh steigt, Bielefeld sinkt. U25 steigt, Ü50 sinkt. Der Juni brachte auf den ersten Blick Überraschungen mit sich. Sehen wir uns die Zahlen jedoch genauer an, so sind diese logisch begründbar. Aufgrund der unterschiedlichen Wirtschaftssektoren, in Gütersloh sehr produktionslastig, in der Stadt Bielefeld eher dienstleistungsorientiert, verwundern diese Entwicklungen so kurz vor den Sommerferien nicht.

Der Dienstleistungssektor profitiert in dieser Phase noch von dem guten Wetter und der Sommerzeit, im Bereich Produktion hingegen machen sich bereits die ersten Vorboten der Sommerferien bemerkbar. Bei den jungen Menschen liegt die Antwort ebenfalls auf der Hand, viele melden sich nach der Schule bis zum Eintritt in Studium oder Ausbilung bei uns arbeitslos. Diese Entwicklung gleicht sich nach den Ferien, beziehungsweise zu Schul-, Ausbildungs- und Studienbeginn wieder aus. Bei den älteren Arbeitslosen freuen wir uns über einen leichten Rückgang, der sich in der derzeitigen Nachfrage begründen lässt. Insgesamt sind wir mit der Entwicklung im Juni mit einem Minus von 0,9 Prozent zufrieden. Im vergangenen Jahr verzeichneten wir im Juni noch einen Rückgang von 1,8 Prozent – hier begannen die Sommerferien und die entsprechende Sommerpause jedoch erst zwei Wochen später. Zum Vorjahr sind wir eine von zwei Agenturen in NRW, die im Vergleich zum Vorjahresmonat einen Anstieg des Arbeitslosenbestandes zu verzeichnen haben. Deutlich betroffen sind die Personengruppen der Männer, der über 50-Jährigen und der Ausländer. Der Anstieg ist allein im SGB II, also in den Jobcentern, zu beobachten. Im SGB III gibt es eine gegenteilige Entwicklung“, kommentiert Thomas Richter, Leiter der Agentur für Arbeit Bielefeld, die aktuelle Entwicklung auf dem regionalen Arbeitsmarkt.

Die Arbeitslosigkeit sank im Vergleich zum Vormonat um 0,9 Prozent. Im Vorjahr war die Zahl der Arbeitslosen von Mai auf Juni um 1,8 Prozent gesunken. In der Gruppe der unter 25-Jährigen stieg die Zahl der Arbeitslosen jedoch, hier ist eine Zunahme von Mai auf Juni von 160 oder 6,7 Prozent zu beobachten. Damit kehrt sich die Entwicklung der vergangenen Monate um. Im Juni profitieren die älteren Arbeitslosen (50 Jahre und älter). In dieser Personengruppe sank die Arbeitslosigkeit um 52 Personen oder 0,7 Prozent.

Im Juni wurden insgesamt 1868 neue Stellen gemeldet (396 oder 26,9 Prozent mehr als im Vorjahr). Im Mai waren es 1529 neue Stellen, damit stiegen die Stellenneumeldungen im Juni um 339 Stellen oder 22,2 Prozent. 5052 Angebote gab es aktuell im Juni (im Bestand), 215 Stellen mehr als im Vormonat (plus 4,4 Prozent). Zum Vorjahr bedeutet dies ein Plus von 1129 Stellen oder 28,8 Prozent.

„Auf der Nachfrageseite sehen wir gerade im Vorjahresvergleich eine ausgeprägte Entwicklung. 26,9 Prozent mehr neue Stellen im Juni als in 2014 und im Bestand insgesamt 28,8 Prozent mehr Stellen. Der Markt ist in Bewegung, das zeigt sich auch hier. Die Chancen für Menschen, die nach einer neuen Tätigkeit suchen sind wesentich besser als im Sommer des vergangenen Jahres“, erklärt Richter.

In der Gruppe der Männer sind im Agenturbezirk 256 Männer weniger arbeitslos als im Vormonat (minus 1,8 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahr stieg in dieser Personengruppe die Zahl um 271 oder 2 Prozent. In der Gruppe der Frauen stieg im Vormonatsvergleich die Arbeitslosigkeit marginal. In dieser Gruppe gibt es zum Vormonat 13 Arbeitslose mehr, dies sind 0,1 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahresmonat gibt es 122 Arbeitslose weniger (minus 1 Prozent).

Im Juni gab es 4390 Zugänge und 4608 Abgänge in und aus Arbeitslosigkeit im Agenturbezirk zu verzeichnen. Im Vormonatsvergleich beendeten 392 Menschen mehr ihre Arbeitslosigkeit (plus 9,3 Prozent). Im Juni gingen im Vergleich zum Vormonat jedoch auch 475 Menschen mehr in die Arbeitslosigkeit. Dies ist eine Zunahme von Mai auf Juni von 12,1 Prozent. 34,7 Prozent der Zugänge sind aus Erwerbstätigkeit (Vormonat 37,3 Prozent).

Unterbeschäftigung

Will man das Defizit an regulärer Beschäftigung abbilden, greift der statistische Begriff der Arbeitslosigkeit zu kurz. Um hier mehr Transparenz zu gewährleisten, wird der Arbeitslosigkeitsbegriff um den Begriff der „Unterbeschäftigung“ erweitert. Dieser ermöglicht einen umfassenderen Blick auf die Situation am Arbeitsmarkt. Mit der Auswertung der Unterbeschäftigung können realwirtschaftlich bedingte Einflüsse besser erkannt werden, da der Einsatz entlastender Arbeitsmarktpolitik zwar die Arbeitslosigkeit, nicht jedoch die Unterbeschäftigung beeinflusst.

Die Auswertung der Unterbeschäftigung ermöglicht eine – von statistischen Effekten unbeeinflusste – Beobachtung des Arbeitsmarktes. Gleichzeitig wird das Gesamtvolumen der Menschen, die im Agenturbezirk mit Hilfe arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen auf Arbeitssuche sind, deutlicher abgebildet. Im Agenturbezirk Bielefeld addieren sich im Juni zu den 26 012 Arbeitslosen zunächst 2090 Personen dazu, die an Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung teilnehmen.

Weitere 3512 Männer und Frauen absolvieren beispielsweise eine berufliche Weiterbildung oder Arbeitsgelegenheit. Zählt man diejenigen dazu, die aufgrund einer Existenzgründung eine Förderung erhalten oder sich für Altersteilzeit entschieden haben, sind insgesamt 32 053 Personen im Agenturbezirk unterbeschäftigt. Das sind 634 oder 1,9 Prozent weniger als im Juni des Vorjahres. Die Unterbeschäftigungsquote liegt im Juni 2015 bei 8,6 Prozent (Vormonat: 8,7 Prozent; Vorjahr: 8,9 Prozent). Weitere Detailinformationen enthalten die beigefügte Arbeitsmarktreport Juni 2015.

Personengruppen und Rechtskreise

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen sank im Vergleich zum Vormonat um 7 (0,1 Prozent). Hier waren 10 692 Menschen länger als ein Jahr ohne Arbeit. Der Anteil der Langzeitarbeitslosen an der gesamten Arbeitslosigkeit liegt bei 41,1 Prozent. Die Zahl der von Arbeitslosigkeit Betroffenen ausländischer Herkunft sank um 73 (0,9 Prozent) auf 7790. Im Vergleich zum Juni 2014 ergibt sich eine Zunahme von 684 oder 9,6 Prozent. Ihre aktuelle Arbeitslosenquote liegt bei 20,5 Prozent (Vorjahr 18,8 Prozent).

Die Zahl von Menschen mit Behinderung (Schwerbehinderte), die von Arbeitslosigkeit betroffen sind, stieg im Vergleich zum Vormonat leicht um 5 (0,4 Prozent). Insgesamt waren 1235 behinderte Menschen ohne Arbeit. Der Anteil an der gesamten Arbeitslosigkeit liegt bei 4,7 Prozent.

Von den 26 012 Arbeitslosen des Agenturbezirks Bielefeld wurden im Juni 7537 durch die Agentur für Arbeit (Rechtskreis Sozialgesetzbuch III) betreut. Die Arbeitslosenzahl im Bereich SGB III sank in den vergangenen Wochen um 45 oder 0,6 Prozent. (Zum Vorjahr: minus 431 oder 5,4 Prozent).

Im Bereich der Grundsicherung (SGB II), also bei den Jobcentern in der Region, sank die Zahl um 1,1 Prozent, ein Rückgang um 198 Arbeitslose, hier waren insgesamt 18 475 Arbeitslose gemeldet. (Zum Vorjahr: plus 580 oder 3,2 Prozent). 71 Prozent der Arbeitslosen entfallen auf den Bereich der Grundsicherung.

Bestand an offenen Stellen

Mit 1868 neuen Stellenangeboten steigt die Arbeitskräftenachfrage im Vergleich zum Vorjahr kräftig, im Juni 2014 waren es 1472 neue Stellenangebote, das bedeutet eine Zunahme von 26,9 Prozent im Laufe des letzten Jahres. Im Vergleich zum Vormonat stieg die Zahl der neuen Stellen (plus 339 oder 22,2 Prozent). 80,9 Prozent der neu gemeldeten Stellen sind unbefristet.

Zurzeit sind bei der Arbeitsagentur in Bielefeld und Gütersloh 5052 unbesetzte Stellen registriert, 1129 oder 28,8 Prozent mehr als vor einem Jahr. (Vormonat: plus 215 oder 4,4 Prozent). 84,1 Prozent der im Bestand gemeldeten Stellen sind unbefristet.

Regionaldaten

Stadt Bielefeld

In der Stadt Bielefeld sank die Zahl der Arbeitslosen gegenüber Mai. Insgesamt waren 15 588 Personen in Bielefeld und damit 276 oder 1,7 Prozent weniger Menschen arbeitslos.

Davon entfallen auf die Agentur für Arbeit 3570 (minus 85 oder 2,3 Prozent) und auf das Jobcenter Bielefeld 12 018 (minus 191 oder 1,6 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahr waren im Bereich der Agentur für Arbeit 333 Menschen weniger arbeitslos (minus 8,5 Prozent). Im Bereich des Jobcenters Arbeitplus stiegen die Zahlen im Laufe des vergangen Jahres um 243 Personen oder 2,1 Prozent.

Im Vergleich zum Juni 2014 sank die Zahl der Arbeitslosen in der Stadt Bielefeld (minus 90 Person oder 0,6 Prozent). Die Arbeitslosenquote liegt bei 9,2 Prozent, nach 9,3 Prozent im Vormonat und 9,4 Prozent im Juni 2014.

Kreis Gütersloh

Im Kreis Gütersloh stieg die Zahl der Arbeitslosen gegenüber dem Vormonat, es gab hier 33 (0,3 Prozent) mehr Arbeitslose als noch im Mai. Im Vorjahresvergleich stieg die Arbeitslosigkeit ebenfalls, im Vergleich zum Juni 2014 verzeichnete der Kreis eine Zunahme von 239 Personen oder 2,3 Prozent. Insgesamt sind im Kreis Gütersloh 10 424 Menschen arbeitslos gemeldet.

Davon entfallen auf die Agentur für Arbeit 3967 (plus 40 oder 1 Prozent) und auf das Jobcenter Kreis Gütersloh 6457 (minus 7 oder 0,1 Prozent). Im Vorjahresvergleich sind im Versicherungsbereich (SGB III) 98 Arbeitslose weniger (2,4 Prozent), im Bereich der Grundsicherung gibt es aktuell 337 Arbeitslose mehr (5,5 Prozent) als vor Jahresfrist. Die Arbeitslosenquote liegt wie im Vormonat bei 5,3 Prozent (Vorjahr 5,2 Prozent).

Der Arbeitsmarkt in Ostwestfalen-Lippe

Bei den Arbeitsagenturen in Ostwestfalen-Lippe waren im Juni 2015 insgesamt 69 026 Menschen arbeitslos gemeldet, 467 oder 0,7 Prozent weniger als im Mai. Im Vergleich zum Vorjahr wurde die Arbeitslosigkeit jetzt um 1913 oder 2,7 Prozent unterschritten.

Die Arbeitslosenquote in OWL stagnierte auf Vormonatsniveau bei 6,4 Prozent. Im Juni 2014 waren es 6,6 Prozent. In allen vier OWL-Arbeitsagenturen sank die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vormonat. In der Agentur Bielefeld ist ein Rückgang um 0,9 Prozent zu beobachten, in Herford um 0,7 Prozent, Detmold folgt mit einem Rückgang um 0,5 Prozent und Paderborn mit 0,3 Prozent.

Gegenüber Juni 2014 lagen ebenfalls drei von vier OWL-Agenturen unter dem Vorjahreswert. Nur in Bielefeld stieg die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahr um 0,6 Prozent. Paderborn verzeichnete ein Minus von 3,1 Prozent, Detmold minus 4 Prozent und Herford minus 6,1 Prozent.

Die günstigste Arbeitslosenquote auf Basis aller zivilen Erwerbspersonen wiesen im Juni der Agenturbezirke Paderborn und Herford mit 5,6 Prozent auf. Es folgen Bielefeld und Lippe mit 7,1 Prozent.

Den Arbeitsagenturen in Ostwestfalen-Lippe wurden im Juni insgesamt 5382 Stellen neu gemeldet (Vorjahr 4685). Bei insgesamt 14 422 offenen Stellen laufen die Vermittlungstätigkeiten in den Arbeitsagenturen und Jobcentern bereits (Vorjahr: 11 797). Diese Stellen gelten derzeit als unbesetzt.

www.arbeitsagentur.de

Veröffentlicht von

Sascha Brinkdöpke

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