Regionencheck OWL. (Bild: Creditreform)
Regionencheck OWL. (Bild: Creditreform)

Creditreform Regionencheck OWL 2018

Bielefeld. Der vorliegende Creditreform Regionencheck dient als Instrument zur Darstellung der Risikostruktur einer Region und zeigt Gefährdungspotenziale nach verschiedenen Strukturmerkmalen auf. So wird die Struktur einer Region aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet, um die spezifische Wirtschaftssituation darzustellen und daraus Rückschlüsse zu ziehen.

Auf diese Weise kann herausgearbeitet werden, in welchen Branchen die untersuchte Region besonders insolvenzgefährdet ist und welche Rechtsformen oder Umsatzklassen mit einer hohen Ausfallrate behaftet sind.

Datengrundlage für die vorliegende Analyse ist die Creditreform Wirtschaftsdatenbank mit über 4,2 Mio. Unternehmensdatensätzen. Durch eine stichtagsbezogene Selektion werden die Anzahl der Unternehmen sowie die Anzahl der ausgefallenen Firmen je Region ausgewiesen. Grundlage und Orientierungsgröße des Analyseverfahrens ist der Creditreform-RisikoIndikator (CRI) in %, der die Ausfallwahrscheinlichkeit angibt. Das Vorliegen eines Ausfalls wird durch folgende Negativmerkmale angezeigt:

• Unternehmerisches Insolvenzverfahren
• Verbraucherinsolvenzverfahren von unternehmerisch tätigen Personen
• Sonstige Insolvenzverfahren
• Nichtabgabe der Vermögensauskunft (ab 01.01.2013) (zuvor Haftanordnung zur Abgabe der Eidesstattlichen Versicherung)
• Gläubigerbefriedigung ausgeschlossen (ab 01.01.2013) (zuvor Abgabe der Eidesstattlichen Versicherung)
• Gläubigerbefriedigung nach einem Monat nicht nachgewiesen (ab 01.01.2013) (zuvor Abgabe der Eidesstattlichen Versicherung)

Auf Basis der über den Creditreform-RisikoIndikator ermittelten Ausfallquoten erfolgt eine Einteilung nach sechs Risikoklassen, ähnlich dem Schulnotenprinzip. Je höher der Creditreform-Risiko-Indikator, desto höher ist die Insolvenzgefahr (von roter Ampelschaltung = sehr hohes Ausfallrisiko bis grüner Ampelschaltung = sehr geringes Ausfallrisiko).

Die Risikoanalyse für OWL

Die Tabelle 1 zeigt die einzelnen Ausfallrisiken der Kreise in Ostwestfalen-Lippe und in Bielefeld. Auf der Basis von 1.398 zu verzeichnenden Ausfällen und einem leicht gesunkenen Gesamtbestand von 94.236 (Vorjahr = 94.759) Unternehmen in Ostwestfalen-Lippe errechnet sich der CRI für OWL mit 1,48% (Vorjahr 1,46%). Die Anzahl der Ausfälle ist gegenüber dem Vorjahr (1.382) leicht um 16 Ausfälle bzw. 1,15% gestiegen. Mit diesem weiterhin erfreulichen Wert können wir für OWL insgesamt zum zweiten Mal ein „sehr geringes Ausfallrisiko“ konstatieren.

Beziehen wir nun den OWL-Wert auf die gesamtdeutschen Zahlen. Der bundesweite Durchschnittswert hat sich im Jahr 2018 von 1,43% auf 1,40% verbessert. Mit dem Wert von 1,48% liegt OWL leicht schlechter. Hervorzuheben ist aber die Ausnahmestellung unserer Wirtschaftsregion im Vergleich zum CRIWert von Nordrhein-Westfalen mit 1,62% (Vorjahr = 1,64%). Die Differenz von 0,14 Prozentpunkten hat eine klare Aussagekraft.

Während im Vorjahr der beste CRI-Wert mit 1,30% im Kreis Minden-Lübbecke gemessen wurde, hat nunmehr der Kreis Höxter seine kurzfristig verlorene Spitzenplatzierung wieder zurückgewonnen. Mit 1,18% ist gleichzeitig ein neuer Bestwert für OWL-Kreise erreicht worden.

Ebenso erfreulich ist die Feststellung, dass für alle Kreise in OWL mindestens die zweitbeste Kategorie „geringes Ausfallrisiko“ erteilt werden konnte.

Die Zeitreihenanalyse für OWL

Die gute Meldung nochmals vorweg: Durch ein für die OWL-Wirtschaft konjunkturell allgemein sehr ordentliches Jahr 2018 hat sich die Risikosituation auf dem sehr geringen Niveau des Vorjahres stabilisiert.

Drei Kreise haben sich verbessert, aber auch 3 Kreise plus Bielefeld melden schlechtere Werte, wodurch die Risikolage insgesamt wieder minimal schlechter erscheint.

Die aktuelle CRI-Prognose für das laufende Jahr 2019 fällt leicht positiv aus. Die CRI-Prognose 2019 ergibt sich aus dem Creditreform Bonitätsindex. Dieser hat einen Prognosehorizont von 12 Monaten. Jedes Unternehmen hat am Jahresanfang einen Bonitätsindex, dem eine Ausfallwahrscheinlichkeit zugeordnet werden kann. Durch die Gesamtbetrachtung aller Unternehmen einer Region ermittelt man den neuen Prognosewert.

Risikoindikatoren nach Hauptbranchen

Die 94.236 ostwestfälischen Unternehmen sind in die vom Statistischen Bundesamt vorgegebenen Hauptbranchen aufgeteilt worden. Aufgrund dieser Aufteilung können die CRI- Werte je Branche im Vergleich zu den DeutschlandWerten dargestellt werden.

Für OWL bleibt erneut festzuhalten, dass der Handel die stückzahlmäßig meisten Ausfälle (2018 = 351; 2017 = 359) zu beklagen hat. Allerdings bildet der Handel auch die größte Hauptbranche in OWL mit aktuell 18.425 Unternehmen, so dass der CRI bei 1,91% liegt.

Den höchsten CRI-Wert mit 3,25% verzeichnet die Branche „Gastgewerbe“ gefolgt vom Verkehr und Lagerei mit 3,10%. Damit deckt sich OWL mit den Deutschlandwerten.

Risikoindikatoren nach Rechtsformklassen

Die unterschiedlichen Rechtsformen haben erwartungsgemäß auch unterschiedliche Ausfallwahrscheinlichkeiten, wobei an dieser Stelle wie immer die Gewerbebetriebe ins Auge stechen. Ihr Anteil an den Ausfällen beträgt in OWL rund 73% und das Ausfallrisiko aktuell 2,63%.

Somit sind Gewerbebetriebe aufgrund des überdurchschnittlichen CRI-Wertes mit „erhöhtes Ausfallrisiko“ einzustufen. Alle übrigen Rechtsformen können mit „sehr geringes Ausfallrisiko“ kategorisiert werden.

Risikoindikatoren nach Umsatzklassen

Neben den unterschiedlichen Rechtsformen lassen auch die Umsatzklassen eine Risikounterscheidung zu. Global formuliert könnte man sagen: Je höher der Umsatz desto niedriger das Ausfallrisiko. Meistens ist eben bei wenig Umsatz auch wenig Eigenkapital als Sicherheit vorhanden.

Der strukturell negative Zusammenhang zwischen der Unternehmensgröße und der empirischen Ausfallrate ist unverändert intakt. Während sich die Ausfallrate der Mikrounternehmen in OWL mit einem Jahresumsatz von weniger als 0,5 Mio. Euro im vergangenen Jahr auf 1,60% belief, lag diese schon ab einem Jahresumsatz von mindestens 5 Mio. Euro nur noch bei 0,36%.

An dieser Stelle darf der Hinweis nicht außer Acht bleiben, dass ein Ausfall eines großen umsatzstarken Unternehmens ein überproportional höheres Schadenvolumen produziert, als die Summe vieler kleiner Unternehmenszusammenbrüche.

Fazit von Creditreform

Im vergangenen Jahr verzeichnete die deutsche Wirtschaft zum neunten Mal in Folge ein positives Wachstum, wenn auch etwas verlangsamt. Somit liefert auch unsere jährliche Risikoanalyse für Deutschland und OWL erwartungsgemäß wiederholt sehr erfreuliche Ergebnisse.

Ostwestfalen-Lippe stellt als Wirtschaftsraum insgesamt zum zweiten Mal nach 2017 ein sehr geringeres Ausfallrisiko dar, jedoch leicht über dem Bundesdurchschnitt. Bezogen auf den CRI-Wert des Bundeslandes NordrheinWestfalen bestätigt OWL seine Vorzeigerolle.

Bei der Kreditvergabe in Ostwestfalen-Lippe hat man derzeit statistisch gesehen am Wenigsten zu befürchten, wenn die Gewerbetreibenden im Kreis Höxter ansässig sind. Dem gegenüber ist bei Geschäften in Bielefeld aufgrund des CRIWertes von 1,76% etwas mehr Vorsicht geboten.

Angesichts eines sich eintrübenden makroökonomischen Umfelds und eines schwächeren Wirtschaftswachstums sollte die Ausfallquote deutscher Unternehmen allmählich ihren Boden finden. Gleichwohl deutet derzeit nichts auf eine unmittelbar bevorstehende Rezession hin.

Da nach dem ersten Halbjahr 2019 für Deutschland und OWL weiter stabil niedrige Insolvenzzahlen bzw. keine Steigerung der fundamentalen Zahlungsausfälle ermittelt wurden, gehen wir heute davon aus, dass die Ausfallzahlen in OWL im gesamten Jahr 2019 stabil bleiben oder sogar leicht sinken.

Das Gastgewerbe hat seinen Makel auch 2018 bestätigt – deutschlandweit und in OWL. Hier ist weiterhin mit dem höchsten Ausfallrisiko zu rechnen.

Bezogen auf die Rechtsformen gilt es wie eh und je bei den Gewerbebetrieben besonders Obacht zu geben. Hinzu kommt, dass hier auch oft relativ kleine Jahresumsätze produziert werden, denn gerade bei kleinen Umsätzen ist das Ausfallrisiko auch ganz allgemein höher.

Dennoch sollte man am Ende dieser Risikoanalyse und der Hervorhebung von Gefahren nicht vergessen: Die allermeisten Geschäfte laufen reibungslos und ohne Verluste.

www.creditreform-bielefeld.de

Veröffentlicht von

Sascha Brinkdöpke

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