Wirtschaftsclub sieht Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Gefahr

Vorsitzender des Wirtschaftsclub Paderborn + Höxter Thomas Sprehe (Foto: Wirtschaftsclub Paderborn + Höxter)
Vorsitzender des Wirtschaftsclub Paderborn + Höxter Thomas Sprehe (Foto: Wirtschaftsclub Paderborn + Höxter)

Paderborn/Höxter. Die Nachricht, Unternehmen müssen nun abschließbare Kleiderschränke für jeden Mitarbeiter bereitstellen, die Telearbeitsplätze auf ergonomische Tauglichkeit kontrollieren und die Arbeitsstunden der Mitarbeiter akribisch dokumentieren, hat auch in heimischen Unternehmen zu einer Empörung geführt.

Thomas Sprehe, Vorstandsvorsitzender des Wirtschaftsclub Paderborn + Höxter nahm dies geplante Änderung der Verordnung zur Arbeitsstättenverordnung der Bundesministerin Andrea Nahles zum Anlass und führte bei den Mitgliedern eine Blitzumfrage durch. An der Umfrage beteiligten sich 45 von 190 Mitgliedern. Sie alle vertreten kleine und mittelständische Unternehmen in der Region Hochstift.

Zum Thema der Telearbeitsplätze (also Heimarbeitsplätze) „schütteln 50 Prozent mit dem Kopf und fragen sich, was als Nächstes kommt“. Bereits 20 Prozent der Befragten haben sich entschlossen, diese Möglichkeit nicht mehr anzubieten, da Ihnen der Arbeitsaufwand zu hoch ist und sie mögliche Kosten scheuen, hier zusätzliches Mobiliar – vom Bürostuhl über den flimmerfreien Monitor bis zur Beleuchtung – bezahlen zu müssen.

„Gerade zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie, für die sich die Wirtschaftsjunioren und der Wirtschafclub stark machen, ist es enorm wichtig, dass Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen auch von zu Hause arbeiten können,“ so Sprehe. Er sieht die große Gefahr, dass es hier nicht nur für Arbeitnehmer, sondern auch für Arbeitgeber zu Engpässen kommen kann.

Er stimmt dem Vorsitzenden der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU Carsten Linnemann zu, der in der Rheinischen Post zitiert wurde: „Wenn wir den Mittelstand nicht überfordern wollen, dann müssen wir dafür sorgen, dass sich Beschäftigte und Unternehmer wieder auf ihre Arbeit konzentrieren können und nicht darauf, ob die Betriebstoilette nun ein, zwei oder gar kein Fenster hat.“ Nach den abschließbaren Kleiderschränken gefragt, antworteten 82 Prozent der Befragten, dass diese in ihrem Unternehmen nicht vorhanden sind. Davon sagen fast 100 Prozent, das es bisher auch nie eine Forderung der Mitarbeiter in diese Richtung gab. „

Der Club nutzte die Gelegenheit der Umfrage auch, um die Meinung der Mitglieder zum Thema Mindestlohn einzuholen. Die Frage „Wurden in Ihrem Unternehmen schon Konsequenzen aus der Einführung des Mindestlohns gezogen?“ beantworteten 57 Prozent der Befragten mit „Ja“. Davon bemängeln 62 Prozent den erhöhten Verwaltungsaufwand durch Kontrolle und Dokumentation.

Neben den bürokratischen Aufgaben, die diese Änderung mit sich bringt, sind Konsequenzen bereits der Abbau von Mini-Jobs und auch Praktika werden nur noch bedingt angeboten. Ein Unternehmen ging sogar soweit, dass ein bestehender Jahrespraktikumsplatz gekündigt wurde. Eine Gefahr sieht ein Unternehmer unter anderem darin, das der Lohnabstand nicht mehr gewahrt ist, wenn Aushilfen durch Feiertagsarbeit Zuschläge erhalten. Der Stundenlohn beliefe sich dann schnell auf 17 Euro und zwar brutto für netto. Das würde sozialen Unfrieden bei der Belegschaft schaffen.

www.wj-pb-hx.de

Veröffentlicht von

Sascha Brinkdöpke

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