Gauck beim Papst – als Mensch und Christ

Gauck beim Papst - als Mensch und Christ Rom (dapd). Sie haben über Europa gesprochen, aber auch über Gott, wie es sich für Christenmenschen gehört. Papst Benedikt XVI. hat am Donnerstag im Vatikan Bundespräsident Joachim Gauck zu einer Privataudienz empfangen. Bei der „herzlichen“ Begegnung habe er ein „hellwaches“ Oberhaupt der katholischen Kirche erlebt, schilderte Gauck nach dem Treffen seine Eindrücke. Um kurz nach 11.00 Uhr begrüßte der Papst seinen Gast in der Sala del Tronetto mit den Worten: „Herzlich Willkommen, Herr Bundespräsident.“ Gauck entgegnete sichtlich bewegt: „Heiliger Vater, es ist mir eine große Freude. Ich komme als Bundespräsident, der seinen Landsmann grüßt, vor allem aber als Mensch und Christ.“ Gauck überreichte als Geschenk unter anderem einen Wanderstock, mit dem sich der Papst auf seinen Spaziergängen in der Sommerresidenz Castel Gandolfo abstützen könne. „Der ist aber groß“, freute sich Benedikt XVI. – und überreichte seinerseits eine Zeichnung der Bauhütte des Petersdoms aus dem 16. Jahrhundert. In der Privatbibliothek des Papstes saßen sich die beiden Staatsoberhäupter schließlich am dunklen Schreibtisch des Kirchenoberhaupts gegenüber. Gauck schwärmte zunächst von seinem privaten Besuch in der eben renovierten Sixtinischen Kapelle in den 90er Jahren. Dann schlossen sich die Türen. Das Treffen dauerte mit 45 Minuten eine Viertelstunde länger als geplant. Kenner des Vatikan bezeichneten dies als ungewöhnlich. So etwas komme „nur sehr selten vor“. Gauck berichtete anschließend von einem „herzlichen Einverständnis“ über die Wichtigkeit der europäischen Idee. Er habe dem Papst versichert, dass Deutschland trotz der seit Jahren schwelenden Euro-Finanzkrise dem europäischen Gedanken treu bleibe. „Wenn zwei Christenmenschen sich treffen, dann sprechen sie auch über Gott“, fügte der Bundespräsident hinzu. Er und der Papst seien sich einig gewesen, „dass die Welt etwas verliert, wenn sie Gott verliert“. Dass der ehemalige Pastor aus Rostock und der katholische Kirchenvater aus dem oberbayerische Marktl die Sorge teilen, dass der hedonistische Zeitgeist im wohlhabenden Westen den Blick auf die existenziellen Fragen des Lebens verstellt, lässt sich unschwer vermuten. Zwar sind der Prunk und die Scholastik der katholischen Kirche dem protestantischen Gemüt Gaucks fremd, dennoch begegnete der Bundespräsident den unbeugsamen Glaubensbrüdern in Rom mit ausdrücklichem Respekt, auch vor ihrer spirituellen Kraft. Der Besuch bei Papst Benedikt XVI. darf auch als Signal an die deutschen Katholiken gewertet werden. Deutschland wird derzeit protestantisch regiert – Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist ebenfalls evangelisch. Dieser Bundespräsident aber wünscht sich einen wiedererwachenden politischen Katholizismus. Zu Beginn seines Besuchs im Vatikan unternahm Gauck einen Rundgang durch den Petersdom. An Hunderten von fotografierenden Touristen – meist asiatischer Herkunft – vorbei ging er zum Grab des polnischen Papstes Johannes Paul II. Diese Geste war dem Bundespräsidenten und ehemaligen DDR-Bürgerrechtler ein Anliegen. Gauck hielt inne und senkte den Kopf. Von Johannes Paul und seiner „gewinnenden Menschlichkeit“ sei etwas Besonderes ausgegangen. Der polnische Papst sei ein Konservativer gewesen, habe aber die Gabe besessen, „einen direkten Draht zu unterschiedlichen Menschen zu gewinnen“. Gauck ließ sich im riesigen Petersdom auch den mit einer roten Marmorplatte markierten Ort zeigen, an dem Karl der Große einst vor rund 1.200 Jahren zum Kaiser gekrönt wurde. „Das ist doch ein guter Platz für einen Präsidenten“, meinte ein Mitarbeiter des Vatikan. „Ich bin ein Bürgerpräsident“, winkte Gauck ab. Hier war sie wieder, die Nüchternheit des Protestanten. © 2012 AP. All rights reserved (Politik/Politik)

Veröffentlicht von

Peer-Michael Preß

Peer-Michael Preß – Engagement für die Unternehmerinnen und Unternehmer in der Region seit fast 20 Jahren. Als geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens Press Medien GmbH & Co. KG in Detmold ist er in den Geschäftsfeldern Magazin- und Fachbuchverlag, Druckdienstleistungen und Projektagentur tätig. Seine persönlichen Themenschwerpunkte sind B2B-Marketing, Medien und Kommunikationsstrategien.

Sie erreichen Peer-Michael Preß unter:

m.press@press-medien.de
www.press-medien.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.