An der Fachhochschule Bielefeld lässt es sich in den Pausen auch draußen gut arbeiten. (Foto: Patrick Pollmeier/FH Bielefeld)
An der Fachhochschule Bielefeld lässt es sich in den Pausen auch draußen gut arbeiten. (Foto: Patrick Pollmeier/FH Bielefeld)

Berufsbegleitend zum Bachelor
– das funktioniert gut an der FH
Bielefeld

Vanessa Bartz studiert berufsbegleitend Betriebswirtschaft und arbeitet gleichzeitig als Disponentin bei Wingenroth Logistik.
Nach ihrer Ausbildung zur Industriekauffrau war für Vanessa Bartz schnell klar: „Ich will mich weiterentwickeln und studieren.“ Da war sie bereits ins Berufsleben eingetaucht und arbeitete als Teamleiterin in der Lademittelverwaltung eines Transportunternehmens. Ihr Entschluss stand fest: „Ich will beides: Studium und Beruf.“ Mit dem berufsbegleitenden Bachelorstudiengang Betriebswirtschaft an der Fachhochschule (FH) Bielefeld hat Vanessa Bartz genau das richtige Angebot gefunden. Und als Mitarbeiterin der Wingenroth Logistik hat sie erfahren, wie gut sich Studium und Beruf ergänzen können

70 Prozent Selbststudium – Durchhaltevermögen ist gefragt

„Man braucht schon Durchhaltevermögen und muss wissen, was man will“, sagt Vanessa Bartz und lacht. Auf neun Semester Regelstudienzeit ist der berufsbegleitende Bachelorstudiengang Betriebswirtschaft an der FH Bielefeld angelegt.
Das sind viereinhalb Jahre mit Präsenzveranstaltungen Samstagen, Selbstlernzeiten, Projektarbeiten, Prüfungen. Und das alles neben dem Vollzeitjob. Aber genau das wollte Vanessa Bartz, ein normales Vollzeitstudium kam für sie nicht in Frage. „Mir war es wichtig, finanziell unabhängig zu sein und vor allem nicht aus dem Beruf aussteigen zu müssen, sondern weiter praktische Erfahrungen zu sammeln“, erzählt die 28-Jährige. Die zeitliche Flexibilität des berufsbegleitenden Studiums kam ihr dabei entgegen. Es besteht zu etwa 30 Prozent aus Präsenzveranstaltungen, die während des Semesters im zweiwöchentlichen Rhythmus samstags abgehalten werden. Den überwiegenden Teil machen mit gut 70 Prozent die Selbststudienphasen aus, die mit Hilfe von didaktisch aufbereiteten Studienbriefen absolviert werden. Wegen der Verbindung von Studium und Beruf, von Selbststudium und Präsenzstudium wird das berufsbegleitende Studium auch ‚Verbundstudium‘ genannt.


Vorteil der flexiblen Zeiteinteilung im berufsbegleitenden Studium
„Weil ich mir den größten Teil des Studiums zeitlich frei einteilen kann, lässt
sich das hervorragend organisieren“, findet Vanessa Bartz, die mittlerweile im 8. Semester ist. Zwei- bis dreimal in der Woche setzt sie sich nach ihrem Arbeitstag zu Hause noch an den Schreibtisch, darüber hinaus lernt sie sonntags und in Prüfungsphasen noch öfter. Inhaltlich fällt der Industriekauffrau das Lernen leicht: „Ich konnte super an meine Ausbildung anknüpfen und das dort Gelernte vertiefen.“ Als besonders förderlich hat sich auch der ausgesprochene Praxisbezug des Studiums erwiesen. „Immer wieder werden theoretische Studieninhalte mit der konkreten Praxis verknüpft, vor allem mit der eigenen Berufserfahrung. Dadurch ist es für mich einfacher, praxisnahe Beispiele zu finden, die Theorie nachzuvollziehen und zu verstehen. Andersherum kann ich auch im Studium entwickelte Lösungsansätze direkt in meine berufliche Praxis einbringen“, beschreibt Vanessa Bartz die Synergieeffekte.


Wingenroth Logistik aus Warendorf: termingenaue Materialversorgung für
Handwerksbetriebe

Die Synergieeffekte wirken auch deshalb so gut, weil die 28-Jährige im Unter nehmen aktive Unterstützung bei ihrem Studium findet. Seit 2020 ist sie bei der Wingenroth Logistik GmbH & Co. KG beschäftigt und verantwortlich für die deutschlandweite Disposition der Transportaufträge. Das Warendorfer Unter nehmen organisiert als Dienstleister für das Handwerk die Lieferung des benötigten Materials direkt zu den jeweiligen Baustellen. „Die Handwerksbetriebe müssen sich nicht mehr selbst um den Materialtransport etwa vom Großhandel kümmern. Sie bestellen die Materialien bei den Lieferanten, und Wingenroth Logistik sorgt für die pünktliche Lieferung dorthin, wo das Material gebraucht wird“, erklärt die Industriekauffrau das Konzept. Sie ist zuständig für die gesamte Tourenplanung und Sicherstellung der termingenauen Zustellung, sie beauftragt die Transportdienstleister und koordiniert diese mit Kunden und Lieferanten, sie ist Ansprechpartnerin der Kunden und sorgt für die korrekte Abrechnung. Unternehmen profitiert von den Ideen der Studentin Michael Borkowski, speditioneller Leiter der Wingenroth Logistik, ist es wichtig, dass Vanessa Bartz neben ihren beruflichen Aufgaben auch die Möglichkeit bekommt, Studieninhalte im Unternehmen umzusetzen. Er sucht für sie Aufgaben und Herausforderungen passend zu den theoretischen Ansätzen und Methoden, die sie im Studium gerade lernt, und nimmt sich, wann immer möglich, die Zeit, diese mit seiner studierenden Mitarbeiterin durchzugehen. „Auch wir profitieren enorm davon, wenn Studierende neue Ideen aus der Hochschule einbringen und sie auf ‚echte‘ Aufgabenstellungen anwenden.” Deshalb war Borkowski auch sofort zur Betreuung des Studienprojekts bereit, das Vanessa Bartz mit drei Kommilitoninnen im Unternehmen durchführen wollte.

Studienprojekt über Expansion des Unternehmens

Zusammen mit Prof. Dr. Andreas Stute als Projektbetreuer der FH und den Studentinnen erarbeitete er Thema und Aufgabenstellung des Projekts. „Ziel war es, herauszufinden, ob sich das Geschäftsmodell der Wingenroth Logistik auch auf Österreich übertragen ließe“, beschreibt Borkowski das Erkenntnisinteresse. Vanessa Bartz und ihre Kommilitoninnen analysierten dazu die Ausgangslage und die Bedingungen des Markteintritts, recherchierten mögliche Kunden und Transportdienstleister und berücksichtigten auch die Wettbewerbssituation. „Es hat uns wirklich weitergebracht, gemeinsam eine ganz reale Aufgabenstellung zu bearbeiten und dabei sowohl fachpraktisch als auch fachtheoretisch intensiv unterstützt zu werden“, erzählt Vanessa Bartz. Regelmäßig traf sich das Team per Zoom, auch mit den Betreuern, besprach die Projektfortschritte und klärte Herausforderungen. Michael Borkowski ist begeistert von den Ergebnissen: „Es war zwar eine theoretische Fragestellung, aber die Lösungsansätze sind für uns eine echte Basis, wenn wir EU-weit expandieren wollen.“ Deshalb interessiert sich auch das Unternehmen für die Studienarbeit: Die Studentinnen durften ihre Ergebnisse sogar der Geschäftsleitung präsentieren.


Master im Anschluss nicht ausgeschlossen
Mit dem Rückhalt im Unternehmen plant Vanessa Bartz, auch ihre Bachelorarbeit bei Wingenroth Logistik zu schreiben. Und wieder verbindet sie dabei die theoretischen mit den ganz konkreten Anforderungen aus ihrer Berufspraxis: „Es soll auch um die Optimierung meiner eigenen Arbeitsabläufe gehen“, verrät sie. Mit der Bachelorarbeit ist sie jetzt im 8. Semester sogar früher dran als vorgesehen. „Durch Corona fielen viele Freizeitmöglichkeiten weg, sodass ich mich voll aufs Studium konzentriert habe“, erklärt Vanessa Bartz ihr hohes Tempo. Nach dem Abschluss will sie sich zunächst auf ihren Job fokussieren, durch den Bachelor steigen schließlich auch die Karrierechancen. Ob Vanessa Bartz nach dem Bachelor auch noch den Master machen wird, ist derzeit noch offen. Da trifft es sich gut, dass dem entsprechenden berufsbegleitenden Masterstudium an der FH Bielefeld 18 Monate Berufspraxis unmittelbar vorausgehen müssen.
Denn ganz sicher ist sich Vanessa Bartz über das Ende ihrer akademischen Laufbahn noch nicht: „Vielleicht wird mir zuhause jetzt auch langweilig“, sagt sie mit einem Augenzwinkern. „Und nicht zuletzt waren die Erfahrungen mit dem berufsbegleitenden Bachelor so positiv, da will ich eine Fortsetzung nicht ausschließen.

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WIR Redaktion

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