Stellvertretender VDMA-Hauptgeschäftsführer, Hartmut Rauen. - Foto: VDMA
Stellvertretender VDMA-Hauptgeschäftsführer, Hartmut Rauen. - Foto: VDMA

VDMA: Fachkräftemangel im Maschinenbau verschärft sich wieder

Die Mehrheit der Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus plant, wieder Personal aufzubauen. Für Nachwuchskräfte hat sich die Situation verbessert, denn das Angebot für Ausbildung und duales Studium soll ausgebaut werden. Unternehmen drohen dagegen Personalengpässe, die sich zur Innovationsbremse entwickeln können.

Im Maschinen- und Anlagenbau gewinnt der konjunkturelle Aufschwung deutlich an Fahrt. Doch nun rücken wieder zunehmend Fachkräfteengpässe in den Fokus der Unternehmen. Laut einer aktuellen Umfrage des VDMA unter rund 570 Personalverantwortlichen in Mitgliedsfirmen sieht die Mehrheit der Befragten aktuell bei allen Beschäftigtengruppen – mit Ausnahme der Hilfskräfte – Engpässe. Dies trifft insbesondere auf Expertinnen und Experten (AkademikerInnen wie IngenieurInnen; 78 Prozent) und Fachkräfte (Beschäftigte mit abgeschlossener Ausbildung; 82 Prozent) zu. In den kommenden sechs bis zwölf Monaten ist mit einer weiteren Verschärfung der Lage zu rechnen: Über 40 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass künftig weniger Fachkräfte und Expertinnen und Experten zur Verfügung stehen werden. Auch im Bereich der Spezialistinnen und Spezialisten (i. d. R. MeisterInnen und TechnikerInnen) gehen 34 Prozent von weniger verfügbaren Arbeitskräften aus. Lediglich etwa jeder zehnte Befragte erwartet hingegen, dass in den genannten Gruppen mehr Arbeitskräfte verfügbar sein werden.

„Zur Lösung der großen Aufgaben unserer Zeit – die Digitalisierung und die Entwicklung klimafreundlicher Technologien – benötigen die Unternehmen viele gut ausgebildete Menschen,“ betont Hartmut Rauen, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des VDMA. „Der Maschinenbau wird diese sinnstiftenden und hochattraktiven Arbeitsplätze bieten und seine Rolle als beschäftigungsstärkste Industriebranche in die Zukunft führen. Aber es gehen viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Rente und müssen ersetzt werden. Der Personalengpass darf sich nicht zur Fortschrittsbremse entwickeln,“ warnt Rauen. Dabei rechnen drei von vier Befragten bereits bis Ende dieses Jahrs mit einem Beschäftigtenaufbau im eigenen Unternehmen. Die Beschäftigtengruppen, bei denen bereits heute Engpässe herrschen, stehen dabei im Fokus: Im Bereich der Fachkräfte planen 60 Prozent eine geringe bis deutliche Personalaufstockung, bei den Expertinnen und Experten sind es 54 Prozent.

Deutlicher Ausbau des Angebots für Nachwuchskräfte

Zur Sicherung des Fachkräftenachwuchses nahmen die Maschinenbauunternehmen auch in der Corona-Pandemie ihre Verantwortung wahr und setzten weiterhin auf Ausbildung und duales Studium. Dies zeigen die zwei vergangenen Mitgliederbefragungen von Mai und Dezember 2020. Nun planen die Personalverantwortlichen der Unternehmen, die sich in diesen Bereichen engagieren, mit einem Ausbau des Angebots von dualen Studienplätzen in den Ingenieurwissenschaften und der Informatik sowie von gewerblich-technischen Ausbildungsplätzen. 30 Prozent der Personalverantwortlichen wollen künftig mehr duale Studienplätze im technischen Bereich anbieten, vor einem halben Jahr waren dies nur 19 Prozent. 21 Prozent der Befragten plant mit mehr technisch-gewerblichen Ausbildungsplätzen; im Dezember 2020 waren dies nur 9 Prozent.

Auch im Bereich der Praktika für Nachwuchskräfte zeigt sich eine deutliche Entspannung der Lage im Vergleich zu Dezember 2020. Aufgrund der Kontaktbeschränkungen sind Praktika für Schülerinnen und Schüler sowie für Studierende während einer Pandemie nur schwer durchführbar. Nun sollen aber wieder mehr Praktikumsplätze angeboten werden. Während vor einem halben Jahr nur einer von zwanzig Personalverantwortlichen von einer Zunahme der Praktikumsplätze ausging, erwartet dies nun jeder fünfte.

Mehr Stellenangebote für Hochschulabsolventinnen und -absolventen

Für Hochschulabsolventinnen und -absolventen hat sich die Lage weiter verbessert: Während die Mehrheit (65 Prozent) der befragten Unternehmen davon ausgeht, dass die Angebotssituation stabil bleibt, gehen 16 Prozent von einer Zunahme der Stellen aus. Vor einem halben Jahr waren dies nur 11 Prozent. Damals gingen noch 30 Prozent der Befragten davon aus, dass das Stellenangebot abnimmt.

Auszubildende händeringend gesucht

Die Unternehmen haben aktuell Schwierigkeiten, Kontakt zu potenziellen Bewerberinnen und Bewerbern aufzunehmen und Interesse für angebotene Stellen zu wecken. Insgesamt geben 44 Prozent der Befragten an, Schwierigkeiten bei der Rekrutierung aufgrund von Kontaktbeschränkungen zu haben. Dies hat unter anderem gravierende Auswirkungen auf die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber für Ausbildungsplätze: 55 Prozent der Befragten geben an, aufgrund der Corona-Krise weniger Bewerbungen erhalten zu haben.

„Für Bewerberinnen und Bewerber ist die Situation auf dem Ausbildungsmarkt im Maschinen- und Anlagenbau weiterhin sehr gut“, sagt Jörg Friedrich, Leiter VDMA Bildung. „Gleichzeitig wird es für unsere Mitglieder deutlich schwieriger, geeigneten Nachwuchs zu rekrutieren.“ Dies zeigten auch die neuesten Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. Diese hatte für den Mai gemeldet, dass es in den maschinenbaurelevanten Berufen noch über 37.800 unbesetzte Ausbildungsstellen gibt.

Die Ergebnisse der Blitzumfrage im Überblick:

  • Die Mehrheit der Befragten sieht mit Ausnahme der Hilfskräfte aktuell bei allen Beschäftigtengruppen Engpässe, insbesondere bei den Fachkräften und Expertinnen und Experten. Bei den Expertinnen und Experten (i. d. R. Ingenieurinnen und Ingenieure) sehen aktuell 78 Prozent der Befragten leichte bis starke Engpässe; bei den Fachkräften sind es gar 82 Prozent.
  • In den kommenden 6 bis 12 Monaten ist mit einer Verschärfung der Lage zu rechnen: 43 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass weniger Fachkräfte zur Verfügung stehen werden. 40 Prozent rechnen mit weniger Expertinnen und Experten und 34 Prozent mit weniger Spezialistinnen und Spezialisten. Lediglich etwa jeder zehnte Befragte erwartet hingegen, dass in den erwähnten Gruppen mehr Arbeitskräfte verfügbar sein werden.
  • Eine Mehrheit der Unternehmen plant, bis Ende des Jahres Personal aufzustocken. Rund drei von vier Befragten (77 Prozent) rechnet damit, dass es im laufenden Jahr zu einem Beschäftigtenaufbau im eigenen Unternehmen kommen wird. Von diesen Unternehmen gehen 64 Prozent von einer moderaten Personalaufstockung von bis zu 5 Prozent aus.
  • Im Bereich der Nachwuchskräfte hat sich das Angebot von dualen Studienplätzen in den Ingenieurwissenschaften und der Informatik und von gewerblich-technischen Ausbildungsplätzen seit Dezember 2020 deutlich verbessert. 30 Prozent der Personalverantwortlichen wollen künftig mehr technische duale Studienplätze in ihren Unternehmen anbieten, vor einem halben Jahr waren dies nur 19 Prozent. 21 Prozent der Befragten planen mit mehr technisch-gewerblichen Ausbildungsplätzen; im Dezember 2020 waren dies nur 9 Prozent. 
  • Aufgrund der Kontaktbeschränkungen sind Praktika für Schülerinnen und Schüler sowie für Studierende während der Pandemie nur schwer durchführbar. Nichtsdestotrotz zeigt sich auch hier eine deutliche Entspannung der Lage im Vergleich zu Dezember 2020: Während vor einem halben Jahr nur einer von zwanzig Personalverantwortlichen von einer Zunahme der Praktikumsplätze ausging, tut dies jetzt jeder fünfte.
  • Die Unternehmen haben aktuell Schwierigkeiten, Kontakt zu potenziellen Bewerberinnen und Bewerbern aufzunehmen und Interesse für angebotene Stellen zu wecken. 44 Prozent geben an, Schwierigkeiten bei der Rekrutierung durch Kontaktbeschränkungen zu haben. Dies hat unter anderem auch Auswirkungen auf die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber für Ausbildungsplätze: 55 Prozent der Befragten geben an, aufgrund der Corona-Krise weniger Bewerbungen erhalten zu haben. 

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