Rügen wird Standort für die Kartoffelzucht

Rügen wird Standort für die Kartoffelzucht Groß Lüsewitz/Lankensburg (dapd-lmv). Behutsam greift sich Heike Ahrens eine winzige Pflanze, um sie in ein Reagenzglas zu stecken. Ahrens sitzt hinter einer dicken Glasscheibe, die nur ein Loch von wenigen Zentimetern Durchmesser zum Durchfassen hat. „Sterilität ist bei uns oberstes Gebot“, sagt die langjährige Mitarbeiterin der Nordring-Kartoffelzucht- und Vermehrungs-GmbH (Norika). „Immer wieder muss ich mir zwischendurch die Finger waschen und mit speziellen Mitteln desinfizieren, damit alle Pflanzen gesund bleiben“. Im Sekundentakt setzt Ahrens die Keimlinge in die nächstgrößeren Pflanzgefäße. Kartoffelzucht ist ein zeit- und arbeitsaufwendiger Vorgang. Zwölf Jahre dauert es von der Kreuzung erfolgreicher bekannter Sorten bis zur Anerkennung einer neuen. Aus anfänglichen Gewebekulturen entstehen später kleine Pflanzen. Anfangs sind es Zigtausende, am Ende bleiben nur einige wenige Auserwählte übrig. Die sorgen dann für die ersten Knollen. Und auf deren Basis wird Jahr für Jahr weiter selektiert. „Nach zwölf Jahren haben wir endlich einen neuen sogenannten Kartoffelstamm“, sagt Norika-Geschäftsführer Wolfgang Walter. „Das letzte Wort, ob der letztlich auch als neue Sorte anerkannt wird, hat dann das Bundessortenamt.“ Kartoffeln namens Kolibri, Albatros und Soraya „Es gibt ja bereits Hunderte Kartoffelsorten. Und nur, wenn unser Ergebnis die Qualität der vorhandenen übertrifft, wird sie auch als neue Sorte zugelassen“, sagt Walter. Das Unternehmen in Groß Lüsewitz gehört zu den erfolgreichsten Züchterhäusern. Abnehmer der vor den Toren Rostocks erzeugten Knollen finden sich weltweit. Dabei unterscheidet der Experte zwischen klassischen Speisekartoffeln und solchen, die sich ausschließlich für die Chips- oder Stärkeproduktion eignen. Für die neuen Sorten lassen sich die Norika-Mitarbeiter klangvolle Namen einfallen: Für die Chips- und Stärkesorten wählen sie Namen von Vögeln wie Kolibri, Pirol oder Albatros. Die qualitativ hochwertigeren Speisekartoffeln nennen sie Soraya, Exquisa, Cascada oder Gala. Deren Nachfrage allerdings sinkt seit Jahren. Farbige Kartoffeln sind gefragt Die Kartoffelsorten aus Mecklenburg-Vorpommern hätten überregional einen guten Ruf, sagt die Geschäftsführerin des Vereins „Ländlichfein“, Nicole Knapstein. „Ich kenne viele Urlauber, die sich Kartoffeln von hier mit nach Hause nehmen, weil sie die Sorten schätzen gelernt haben.“ Anliegen des Vereins ist es, das Profil Mecklenburg-Vorpommerns als kulinarisches Genussland zu schärfen. Auch Sternekoch Tillmann Hahn greift gern auf einheimische Sorten zurück. „Schön, dass es auch immer mehr farbige Angebote gibt. Eine tiefrote oder auch fast schwarze Kartoffel ist neben einem frisch zubereiteten hellen Fischfilet ein echter Hingucker“, lobt der Küchenchef der Jachthafen-Residenz Hohe Düne in Warnemünde. Guido Zöllick, Direktor des Hotels Neptun und Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands in Mecklenburg-Vorpommern, unterstützt solche Initiativen. „Wenn wir als Urlaubsland weiter punkten wollen, müssen wir zuallererst auch auf solche Dinge setzen, die uns von anderen Regionen abheben“, sagt Zöllick. Besonders gern genommen werden derzeit offenbar kleinere und außergewöhnliche Kartoffeln. Die von der Firma Norika gezüchtete rote, kleine Sorte Merlot wurde gerade offiziell anerkannt. Den Geschäftsführer des Saatzuchtverbands in Mecklenburg-Vorpommern, Dieter Ewald, freut das. „Kaum jemand lagert zu Hause noch über den Winter Kartoffeln ein. Die Verbraucher bevorzugen jetzt kleine Packungen und damit auch kleinere Kartoffeln als in der Vergangenheit“, sagt Ewald. Derzeit errichtet Norika eine neue Zuchtanlage auf der Halbinsel Wittow. In Lankensburg, an der Nordspitze von Rügen, herrschten ideale Umweltbedingungen, sagt Norika-Chef Walter. „Was wir gar nicht gebrauchen können, sind Blattläuse, die Viruserkrankungen übertragen. Weil hier nahezu ständig Wind herrscht, können die Insekten kaum landen“, schwärmt er vom neuen Standort – und hofft auf weitere Zuchterfolge. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)

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Peer-Michael Preß

Peer-Michael Preß – Engagement für die Unternehmerinnen und Unternehmer in der Region seit fast 20 Jahren. Als geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens Press Medien GmbH & Co. KG in Detmold ist er in den Geschäftsfeldern Magazin- und Fachbuchverlag, Druckdienstleistungen und Projektagentur tätig. Seine persönlichen Themenschwerpunkte sind B2B-Marketing, Medien und Kommunikationsstrategien.

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