Jobcenter zieht Bilanz des ersten Halbjahres

Kreis Lippe. Die Konjunktur in Lippe stagniert – wie es auch von den Experten prognostiziert wurde. Welche Konsequenzen dies für die Arbeitslosengeld-II-Empfänger im Kreis hat, erklärt Landrat Friedel Heuwinkel: „Momentan beobachten wir, dass in den Betrieben Personal lediglich ausgetauscht wird, aber kaum neue Stellen in Industrie und Handwerk geschaffen werden.“

Selbst Zeitarbeitsunternehmen stellen derzeit wenig ein. Ein Trend, der sich besonders negativ bei den ungelernten und gering qualifizierten Arbeitsnehmer auswirkt – und damit überproportional Arbeitslosengeld-II-Empfänger betrifft. Deswegen hat sich das Jobcenter Lippe für 2013 das Motto „Potentiale erkennen, erschließen und entwickeln“ auf die Fahne geschrieben.

„Wer gut qualifiziert ist, findet nicht nur leichter eine Arbeitsstelle, er verdient auch mehr und muss den Lebensunterhalt der Familie nicht beim Jobcenter aufstocken“, erklärt Andrea Berger, Vorstandsvorsitzende des Jobcenters Lippe. Die Potentiale der Jobcenter-Kunden zu erkennen und diese durch Qualifizierungen, wie Erwerb eines Schulabschlusses oder einer Ausbildung, zu erschließen und zu entwickeln, sei daher die Herausforderung des Jobcenters. Vier Zielgruppen hat das Jobcenter dabei besonders im Blick: Jugendliche und junge Erwachsene unter 25 Jahre, Personen mit Migrationshintergrund, Alleinerziehende und Langzeitleistungsbeziehende.

Besonders bei den Jugendlichen arbeitet das Jobcenter Lippe erfolgreich. Im ersten Halbjahr 2013 wurde eine Integrationsquote von 6,6 Prozent erreicht – im Vorjahr betrug diese 6,1 Prozent. Auch bei der Integration in Ausbildung wird ein ähnlich gutes Ergebnis wie im letzten Jahr erwartet. 2012 wurden 617 Jugendliche in Ausbildung integriert, nur 36 Ausbildungssuchende blieben unversorgt.

Bei Personen mit Migrationshintergrund sind gute Deutschkenntnisse der Schlüssel zum Arbeitsmarkt. Daher wertet es das Jobcenter Lippe als guten Erfolg, dass es bei den berufsspezifischen Sprachkursen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge die Quote um 160 Prozent übererfüllt. „Zudem hat Lippe mit der Netzwerk Lippe gGmbH eine von nur fünf Beratungsstellen in NRW für die Anerkennung von im Ausland erworbenen Berufsabschlüssen“, erläutert Michael Rosentreter, Zweiter Vorstand des Jobcenters. 34 Personen wurden dort bereits im ersten Halbjahr beraten.

Nahezu die Hälfte aller Alleinerziehenden in Lippe bezieht Arbeitslosengeld II. Um diese Frauen zu unterstützen, arbeitet das Jobcenter ebenfalls mit der Netzwerk Lippe gGmbH beim Projekt „Ulla plus“ zusammen. 220 Alleinerziehende wurden in den ersten Monaten hier beraten und 70 absolvieren momentan eine Qualifizierung. Die vierte Zielgruppe der Langzeitleistungsbeziehenden – Personen, die während der letzten zwei Jahre mindestens in 21 Monaten Leistungen des Jobcenters erhalten haben – ist die Gruppe, deren Zugang zum Arbeitsmarkt sich am schwierigsten gestaltet. Hier konnte das Jobcenter im ersten Halbjahr eine Aktivierungsquote von 6,1 Prozent erreichen, geplant war ein Zielwert von 6,3 Prozent. „Hier müssen wir unsere Anstrengungen, die betroffenen Personen an den Arbeitsmarkt heranzuführen, noch weiter intensivieren“, sagt Rosentreter.

Während die Integrationsquote bei den Leistungsbeziehern unter 25 Jahren das gute Ergebnis des Vorjahres noch übertrifft, ist die Gesamt-Integrationsquote gesunken auf 7,8 Prozent im Vergleich zu 8,2 Prozent im Vorjahr. „Schlechter werdende Rahmenbedingungen auf dem Arbeitsmarkt wirken sich immer direkt auf die Ausgabenhöhe bei den Geldleistungen aus“, erklärt Berger.

„Natürlich kämpfen wir, wie alle Jobcenter bundesweit und besonders im ländlichen Raum, mit der schlechten Arbeitsmarktsituation“, so Landrat Heuwinkel. „Trotzdem kann ich im zweiten Jahr als kommunales Jobcenter mit voller Überzeugung sagen: Die Übernahme der Aufgabe in alleiniger Verantwortung war der richtige Schritt.“ So nennt er als Beispiel den Aufbau einer eigenen Vergabestelle beim Jobcenter. Vorher wurde Lippe zentral aus Düsseldorf die Aktivierungs- und Vermittlungsmaßnahmen vorgegeben. So konnte das Jobcenter immer nur eine Maßnahme für alle Jugendliche anbieten. Die Maßnahme war vor allem für Jugendliche gedacht, die sehr arbeitsmarktnah waren und nur wenig Unterstützung brauchten. „Heute kann das Jobcenter drei verschiedene Programme anbieten und dabei gerade die Jugendlichen auffangen, die wenig Halt im Leben haben und im besonderen Maße Unterstützung brauchen.“

Veröffentlicht von

Peer-Michael Preß

Die Themenschwerpunkte des Autors sind B2B-Marketing, Medien und Kommunikationsstrategien und deren Umsetzung in der Praxis.

Seitb 20 Jahren ist er geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens Press Medien GmbH & Co. KG mit den Tätigkeitsbereichen Buch- und Zeitschriftenverlag, Druckerei und Medienagentur.

Er absolvierte die Ausbildung zum Verlagskaufmann in der Gundlach Gruppe, Bielefeld, und schloss erfolgreich ein Studium zum Betriebswirt mit Abschlussarbeit im Bereich Marketing zum Thema „E-Commerce in der graphischen Industrie“ ab.

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