Unter dem Motto "Geschäfte im Ausland" lädt die IHK Ostwestfalen Unternehmen wie die Follmann Chemie Gruppe zu einem Erfahrungsaustausch ein. (Bild: geralt/ pixabay)
Unter dem Motto "Geschäfte im Ausland" lädt die IHK Ostwestfalen Unternehmen wie die Follmann Chemie Gruppe zu einem Erfahrungsaustausch ein. (Bild: geralt/ pixabay)

IHK-Erfahrungsaustausch bei der Follmann Chemie Gruppe

Minden. „Trotz Brexit und Androhung von Importzöllen in die USA: Deutsche Firmen, ganz unabhängig von ihrer Branche, setzen auf Export – und sind erfolgreich. So natürlich auch in Ostwestfalen“. Unter dem Motto „Geschäfte im Ausland – Praxis.Wissen.International“ begrüßte der stellvertretende IHK-Hauptgeschäftsführer Harald Grefe die Gäste der IHK-Veranstaltung in der Mindener Follmann Chemie Gruppe als Gastgeber des Nachmittags. Nach einer Betriebsbesichtigung folgten aufschlussreiche Vorträge, in denen unter anderem Geschäftsführer Dr. Henrik Follmann über die Chancen und Risiken der Internationalisierung referierte.

55 ist für die Follmann Chemie Gruppe eine magische Zahl: Knapp mehr als die Hälfte ihres Umsatzes, nämlich 55 Prozent, erzielt sie aktuell im Ausland, Tendenz steigend. Zudem beschäftigt die Gruppe Mitarbeiter aus 55 Nationen. Naheliegend, dass das Unternehmen gern das Tagungsumfeld des IHK-Erfahrungsaustauschs stellte. In diesem Rahmen informierte nicht nur Mathias Dubbert vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) aus Brüssel über den Brexit und die zu erwartenden Auswirkungen auf deutsche Unternehmen, auch international erfolgreich aufgestellte Unternehmen erzählten aus ihrem Erfahrungsschatz. So wie Robert Falch, geschäftsführender Gesellschafter der örtlichen MINDA Industrieanlagen GmbH, sprach auch Gastgeber Dr. Henrik Follmann, Geschäftsführer der Follmann Chemie Gruppe, über die Kenntnisse, die er in vielen Jahren internationaler Geschäftstätigkeit erworben hat.

Follmann und Triflex – In der Region, für die Region

Die Tochterunternehmen der Gruppe, Follmann und Triflex, sind in Sachen Auslandsgeschäft beide dezentral aufgestellt. „Die Kundenbetreuung findet direkt beim Kunden statt“, erläuterte Henrik Follmann. Das heißt: Die Serviceleistungen werden regional erbracht, Entscheidungen etwa des Vertriebs oder der Anwendungstechnik vor Ort getroffen. Für Dienstleistungen wie die Personalabwicklung, die Logistik oder den IT-Support beauftragt Follmann lokale Firmen. „Damit ein solch großes Maß an Autonomie funktionieren kann, sind eine klare Aufgabenverteilung, ein gemeinsames Verständnis über die Marktbearbeitung und ein einheitlicher Abstimmungsprozess auf allen Ebenen wichtig“, so Henrik Follmann weiter.

Auch wenn die Leistungen für den Kunden inländisch erbracht werden, werden die Produkte kundenindividuell in Minden entwickelt und erstellt. Dann ist es ganz egal, wo auf der Welt die Produkte eingesetzt werden, die Qualität ist stets dieselbe. Dafür investierte die Unternehmensgruppe in den vergangenen zehn Jahren insgesamt über 100 Millionen Euro in den Firmenhauptsitz, baute unter anderem eine neue Produktion, neue Laborarbeitsplätze und in die Nachhaltigkeit der Unternehmensgruppe in verschiedene Projekte. Die Heimatregion profitiert wesentlich von einem ertragreichen Auslandsgeschäft.

Appell an ein wirtschaftlich geeintes Europa

Damit Außenwirtschaft funktioniert, ist nicht nur ein durchdachtes Konzept vonnöten. Auch die Rahmenbedingungen – Wechselkurse, Handelsregulationen etc. – müssen stimmen. Der bevorstehende EU-Austritt Großbritanniens schafft diesbezüglich große Unsicherheit, schließlich ist es für Deutschland das drittgrößte Exportland und für die Follmann Chemie Gruppe unter den top drei Auslandmärkten. Auch 400 weitere ostwestfälische Unternehmen unterhalten wichtige Handelsbeziehungen dorthin, davon 60 mit einer eigenen Niederlassung oder Produktionsstätte.

So war der Brexit selbstredend ebenfalls Thema des IHK-Erfahrungsaustausches. Auch abseits des Vortrags von Mathias Dubbert, Referatsleiter Europapolitik des Deutschen Industrie-und Handelskammertages (DIHK), Brüssel, adressierte Gastgeber Dr. Henrik Follmann die Problematik, schließlich tätigt seine Unternehmensgruppe ihr Kerngeschäft in Europa. „Ein Ende der EU hätte für die Follmann Chemie Gruppe schwerwiegende Folgen, z. B. den Verlust von Absatzmärkten, das Wegbrechen des freien Handels und das Fehlen einer transparenten Preispolitik im europäischen Binnenmarkt“, betonte Henrik Follmann.

„Gäbe es die EU nicht mehr, könnten die Früchte der sehr gut vernetzten Wirtschaftspolitik der Mitgliedsstaaten nicht mehr geerntet werden.“ Letztlich gelte es, sich in wirtschaftlich guten Zeiten auf mögliche schlechte Zeiten vorzubereiten. Für die Follmann Chemie Gruppe bedeutet dies, den Aufbau weiterer Funktionen im Ausland sowie den Eintritt in weitere Märkte zu prüfen.

Das Leistungsportfolio der IHK präsentierte IHK-Referentin Martina Wiebusch: Das Auslandsgeschäft sei seit mehr als 25 Jahren die entscheidende Kraft für das Umsatzwachstum der ostwestfälischen Industrie. Im selben Zeitraum hätten die Inlandsumsätze dagegen nur um knapp 30 Prozent. „Von den 112.000 IHK-Mitgliedsunternehmen sind derzeit aber nur rund 5.000 regelmäßig international aktiv, davon etwa 2.500 mit einer eigenen Niederlassung oder Produktionsstätte im Ausland“, so Wiebusch weiter. Hier komme die IHK ins Spiel, die ihren Mitgliedsunternehmen, die erstmals im Ausland Fuß fassen oder ihre Aktivitäten ausbauen wollten, mit größtenteils kostenlosen Beratungen und Dienstleistungen unterstützend zur Seite stehe. Häufig werde hierfür neben der individuellen Beratung auch das Veranstaltungsangebot der IHK genutzt, um Input u.a. im Zoll- und Rechtsbereich, zu Marketing und Markteinstieg zu bekommen.

www.ostwestfalen.ihk.de

Veröffentlicht von

Sascha Brinkdöpke

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