Ideen- und Innovationsmanagement

Viele Unternehmen stehen zunehmend vor dem Problem, neue Ideen und Möglichkeiten zu entwickeln, um dem wachsenden wettbewerblichen Druck und wechselnden Kundenwünschen standhalten zu können. Doch woher sollen diese Ideen kommen, die Wachstum, Produktivität und Wertschöpfung steigern?

Ein wirksames Ideenmanagement kann dabei helfen, neue Ideen und sogar Innovationen zu finden, anschließend zu verbessern und letzten Endes gewinnbringend zu implementieren. Es schafft eine Möglichkeit, leistungsstarke Mitarbeiter zu erkennen, wertzuschätzen und im Unternehmen zu halten. Denn motivierte Mitarbeiter, die aktiv Verbesserungsvorschläge einreichen, welche sorgfältig umgesetzt werden, geben einem Unternehmen einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil.

Was ist Ideenmanagement?
Ideenmanagement ist ein strukturierter Prozess, um Ideen zu sammeln, zu selektieren und an die entsprechenden Stellen weiterzuleiten. Es kann durch entsprechende Richtlinien und Konzepte die Lagerung, Verbesserung, Evaluation und Priorisierung der Vorschläge unterstützen. Es ist für jegliche Formen von Ideen relevant, von kleineren internen Verbesserungen bis zur umfassenden Optimierung des gesamten Unternehmens.

Millionenumsatz dank Baustellenarbeitern
Wie ein Unternehmen von den Ideen seiner Mitarbeiter profitieren kann, zeigt Japan Railways, das Unternehmen, das weltweit die meisten Personen transportiert. Als das Unternehmen einen Tunnel durch den Berg Tanigawa grub, stieß es auf Wasser, was Probleme für die Bauarbeiten bedeutete. Die Ingenieure entwickelten einen Plan, das Wasser aufzusaugen und somit Herr des Problems zu werden. Die Baustellenarbeiter schlugen jedoch vor, das gut schmeckende Wasser abzufüllen und als Premium-Mineralwasser zu verkaufen. Diese Idee wurde umgesetzt und das Wasser wird nun unter dem Markennamen „Oshimizu“ verkauft. Das Bahnunternehmen hat in jedem ihrer Bahnhöfe Münzautomaten aufgestellt und bietet dort das Wasser an. Es ist so beliebt, dass sie auch einen Lieferdienst einführten. So wurde aus der Idee eines einfachen Arbeiters ein völlig neuer und offenkundig lukrativer Geschäftszweig.

Kundenbindung dank Ideenbox
Ein weiteres Beispiel ist Amazon. Die interne Website hat eine virtuelle Ideenbox. Dort kam der Vorschlag auf, dass der kostenlose Versand eingeführt werden sollte. Diese Idee wurde anschließend zu Prime weiterentwickelt. Prime ist ein Kundenbindungssystem, das die kostenlose Lieferung und den Kundenwunsch, Produkte noch schneller zu erhalten, kombiniert.
Das Ergebnis? Analysen haben gezeigt, dass Kunden ihre Einkäufe bei Amazon um 150 % gesteigert haben, nachdem sie eine Prime-Mitgliedschaft erworben hatten, was wiederum in einem deutlichen Umsatzplus für Amazon resultiert.
Prozessverbesserung zahlt sich aus
Selbstverständlich kann es auch lohnend sein, bestehende Prozesse zu verbessern. Bayer stellte ein Team zusammen, das den Entwicklungsprozess von Medikamenten verbessern sollte. Das Team fand dabei eine Möglichkeit, den Prozess um 4,5 Monate zu verkürzen und dabei 2,04 Millionen Dollar zu sparen. Der Umstand, dass das Produkt 4,5 Monate eher auf den Markt gebracht werden konnte, führte dazu, dass in dieser Zeit zusätzlich 94 Millionen Dollar eingenommen werden konnten.

Das eigene Ideenmanagement
Wenn Sie in Ihrem Unternehmen ein eigenes Ideenmanagement einführen möchten, sollten Sie darauf achten, dass Sie dies sorgfältig tun. Der Prozess dahinter sollte strukturiert und transparent sein, denn nur so können Sie das nötige Bewusstsein und die nötige Begeisterung in Ihrem Unternehmen gewährleisten und die Kreativität Ihrer Mitarbeiter nutzen. Folgende Punkte sollten dabei beachtet werden:

1. Machen Sie es zur Chefsache
Kündigen Sie das Programm groß an, lassen Sie Ihre Mitarbeiter wissen, dass das Programm für das Unternehmen von großem Wert ist. Idealerweise sollte der Geschäftsführer bzw. der Vorstand die Einführung des Programms ankündigen. Ob dies nun durch einen Brief an jeden Mitarbeiter, E-Mail oder eine Ansprache geschieht, ist von Unternehmensgröße, Branche und Struktur des Unternehmens abhängig. Die Unternehmensleitung sollte jedem Mitarbeiter auf jeder Karrierestufe zeigen, dass sie auf die Verbesserungsvorschläge angewiesen ist, diese unterstützt und das gesamte Unternehmen davon profitiert.

2. Veröffentlichen Sie
Bringen Sie alle akzeptierten Ideen an ein schwarzes Brett, idealerweise in der Kantine, um kreative Denkprozesse zu fördern und Diskussionen anzustoßen. Stellen Sie sicher, dass den Mitarbeitern die Möglichkeit der Teilnahme bewusst ist und diese von Ihnen belohnt wird. Schaffen Sie Transparenz.

3. Zerstreuen Sie Ängste von
Vorgesetzten
Immer wieder gibt es das Problem, dass Vorgesetzte ihre guten Arbeitskräfte fürchten und deren Ideen entweder unbeachtet lassen oder als ihre eigenen verkaufen. Nutzen Sie das Ideenmanagement, um mehr Ideen zu sammeln, Konflikte zu verhindern und einen gesunden Wettbewerb im Unternehmen zu etablieren. Belohnen Sie Vorgesetzte, die das Einreichen von Ideen aktiv bewerben und somit das Unternehmen unterstützen, auch, wenn es ihnen selbst an Ideen mangelt. Eliminieren Sie die Angst der Vorgesetzten und belohnen Sie diejenigen, die eine positive Atmosphäre schaffen.

4. Führen Sie Ideenmanager ein
Bauen Sie ein interdisziplinäres Ideenmanagement-Team auf, das mehrere Unternehmensbereiche repräsentiert, um den Wert der Vorschläge zu evaluieren. Wechseln Sie die Mitglieder regelmäßig, aber tauschen Sie nicht alle auf einmal aus. Neue Köpfe bringen frischen Wind, die alten Kräfte können als Mentoren zur Seite stehen.
5. Belohnungen
Belohnen Sie Ihre Mitarbeiter mit 10-20 % der Einsparungen, die ihre Idee im ersten Jahr nach der Umsetzung bringt. Sollte sich der Nutzen nicht klar beziffern lassen, könnten Sie zum Beispiel Pauschalbeiträge als Gehaltszuschlag zahlen, abhängig von der Größe und Bedeutung der Verbesserung. Zusätzlich wissen Mitarbeiter Anerkennung zu schätzen: Ein gemeinsames Mittagessen mit dem Geschäftsführer oder Vorstand befriedigt auch dieses Bedürfnis. Dadurch werden außerdem die anderen Mitarbeiter motiviert, an dem Programm teilzunehmen. Auch hier hilft das bereits erwähnte schwarze Brett, auf welchem Mitarbeiter und ihre umgesetzte Idee vorgestellt werden. Das zeigt auch Ihren Kunden und Geschäftspartnern, dass in Ihrem Unternehmen ein kreatives und florierendes Betriebsklima herrscht.

6. Fördern Sie zusätzliche, nicht alltägliche Arbeit
Hier ist Vorsicht geboten. Achten Sie darauf, dass eingereichte Ideen nicht die eigentliche Arbeit des Mitarbeiters darstellen. Belohnt werden sollen eingereichte Ideen, die außerhalb der Stellenbeschreibung des Mitarbeiters stehen. Für die Arbeit, die in seinem Aufgabenbereich liegt, wird der Mitarbeiter bereits durch sein Gehalt entlohnt.

7. Geben Sie Feedback
Geben Sie regelmäßig und zügig Feedback. Die Mitarbeiter wollen wissen, ob ihr Vorschlag positiv aufgenommen wurde. Darüber hinaus entsteht die Möglichkeit, die Vorschläge zu spezifizieren oder weiterzuentwickeln.

8. Ermöglichen Sie Anonymität
Geben Sie Ihren Mitarbeitern die Möglichkeit, den Vorschlag auch anonym einzureichen. Benennen Sie eine Vertrauensperson, die zur Verschwiegenheit verpflichtet ist und als einzige Person weiß, wer diesen Vorschlag eingereicht hat. Mit dieser Option verhindern Sie, dass Mitarbeiter aus falscher Verlegenheit eine gute Idee nicht einreichen oder gute Ideen aufgrund persönlicher Konflikte unbeachtet bleiben.

9. Lassen Sie alle mitmachen
Ob Produktentwickler, Controller oder Reinigungskraft: Öffnen Sie das Programm für jeden Mitarbeiter. Wie das Beispiel von Japan Railways zeigt, kann jeder Mitarbeiter voller Überraschungen stecken. Unterschätzen Sie niemanden!

Fazit
Auch, wenn einige wichtige Punkte bei der Einführung und Umsetzung eines Ideenmanagements zu beachten sind, wird sich diese Investition lohnen. Sie schaffen eine stärkere Identifikation der Mitarbeiter mit dem Unternehmen, fördern leistungsstarke Mitarbeiter, die Sie vielleicht gar nicht als solche wahrgenommen haben und können darüber hinaus Ihr Unternehmen optimieren. Und das ist nur ein Auszug der Vorteile. Das Beste daran: Das Potenzial befindet sich bereits in Ihrem Unternehmen. Nutzen Sie es! Sollten Sie Fragen zur Implementierung eines neuen oder der Verbesserung Ihres bestehenden Ideenmanagements haben, dann wenden Sie sich an STUNT e.V., die studentische Unternehmensberatung aus Bielefeld. Wir leben als Verein seit jeher von den kreativen und innovativen Ideen unserer Mitglieder und fördern diesen Prozess durch ein strukturiertes Ideenmanagement. Gerne helfen wir auch Ihnen, Ihr Unternehmen zu optimieren.

 

Zum Autor: Michael R. Kissler, 25 Jahre alt, Student der Rechtswissenschaft an der Universität Bielefeld, studentischer Berater bei STUNT e.V.

www.stunt-bielefeld.de

 

Veröffentlicht von

Peer-Michael Preß

Peer-Michael Preß – Engagement für die Unternehmerinnen und Unternehmer in der Region seit fast 20 Jahren. Als geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens Press Medien GmbH & Co. KG in Detmold ist er in den Geschäftsfeldern Magazin- und Fachbuchverlag, Druckdienstleistungen und Projektagentur tätig. Seine persönlichen Themenschwerpunkte sind B2B-Marketing, Medien und Kommunikationsstrategien.

Sie erreichen Peer-Michael Preß unter:

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