Datensicherheit ist ein Mittelstandsthema

(v. l.): Michael Kubat (AK Zukunft & Politik), Professor Dr. Patrick Sensburg MbB, Christian Horlitz (Vorsitzender Wirtschaftsjunioren Paderborn + Höxter), Vinzenz Heggen (Stellvertretender Landrat des Kreises Paderborn) und Christian Hake (AK-Leiter Zukunft & Politik). (Foto: Wirtschaftsjunioren Paderborn + Höxter)

Mit interessanten Informationen über die Arbeit des NSA-Untersuchungsausschusses im Bundestag gewährte dessen Vorsitzender Professor Dr. Patrick Sensburg auf Einladung des Arbeitskreises „Zukunft und Politik“ der Wirtschaftsjunioren Paderborn + Höxter einen kleinen aber faszinierenden Einblick in die Welt der internationalen Spionage. Im Airport-Forum am Flughafen Paderborn-Lippstadt wies der CDU- Bundestagsabgeordnete aber auch sehr eindringlich auf die Bedeutung von Datensicherheit in der mittelständischen Wirtschaft hin.

Der 2014 gegründete NSA-Untersuchungsausschuss untersucht das Ausmaß der Ausspähungen durch fremde Geheimdienste und die Rolle des Bundesnachrichtendienstes (BND). Dafür wurden in 132 Sitzungen rund 600 Stunden lang Zeugen vernommen – vom Sachbearbeiter über Abteilungsleiter und Minister bis hin zur Bundeskanzlerin. „Und dabei ist mehr herausgekommen als erwartet“, konstatierte Sensburg. Ein massenhaftes Abhören durch die NSA, wie es 2013 in den Zeitungen stand, habe es nicht gegeben. „Wir sind aber auf schwere Versäumnisse beim BND gestoßen.“ Hier habe es technische und organisatorische Mängel insbesondere in der Abteilung „Technische Aufklärung“ gegeben.

Sensburg erklärte, wie sich die Spionage in der digitalen Welt verändert hat. Neben den persönlichen Beziehungen zu Informanten sind die Geheimdienste heute auch auf ihre sogenannte „Signal Intelligence“ angewiesen, um Informationen aus digitalen Quellen zu gewinnen. „Besonders gut sind hier die Briten, USA, Franzosen und Chinesen“, so Sensburg. „Die USA haben das klar definierte Ziel: Hoheit über das Internet.“ Dafür fische die NSA riesige Datenmengen ab, um sie für die nachträgliche Recherche zu sichern. „In Deutschland dagegen halten wir es für sinnvoller, nur die Daten zu sammeln, die wir tatsächlich brauchen.“ Allerdings habe der BND beim Aufbau der eigenen Kompetenz von den USA Unterstützung in Form von Schulungen, Hardware und Software erhalten.

„Fakt ist aber eben, dass nicht nur die NSA abhört. Wir wissen nicht, wer unsere Daten abgreift“, betonte Sensburg. „Bei der Cyberspionage gibt es viele Akteure. Da tummeln sich nicht nur Staaten, sondern auch die organisierte Kriminalität. Und letztere ist teilweise noch aktiver, als die Geheimdienste. Die Bedrohung kommt heute von vielen Seiten.“ An mehreren Beispielen verdeutlichte Sensburg, wie groß die Gefahr heute besonders für die mittelständische Wirtschaft ist. Diese erlebe immer häufiger gezielte Hackerattacken und das „Abgreifen“ von wertvollem Know-how. Die digitale Datenverarbeitung berge also eine immense Gefahr für Vermögenswerte. „Der deutsche Mittelstand hat in Sachen Datensicherheit einen hohen Nachholbedarf“, erklärte Sensburg. „Wir gehen hier mit wertvollen Daten viel zu sorglos um.“

Wo wertvolle Konstruktionspläne früher im Tresor sicher verwahrt waren, ermögliche heute das Tablet auf der Baustelle einen problemlosen Zugriff auf den Server des Unternehmens. „Wir sind in der digitalen Welt angekommen, jetzt müssen wir uns intensiv damit auseinandersetzen.“ Abschließend wies Sensburg darauf hin, dass deutsche Sicherheits-IT- Startups mit guten Ideen heute regelmäßig von US- Unternehmen aufgekauft werden. „Wir dürfen unsere IT-Sicherheit nicht aus der Hand geben. Das Know-how muss in Europa bleiben.“

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Veröffentlicht von

Sascha Brinkdöpke

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