Bild von Gerd Altmann auf Pixabay
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Praktikumsplätze Handwerk: Kosten der Betriebe steigen durch Corona

Jeder dritte Handwerksbetrieb trägt steigende Kosten durch die Coronapandemie. Die Unternehmen haben zunehmende Beschaffungsprobleme. Auch die eigene Lieferfähigkeit ist wieder öfter eingeschränkt. Das zeigt die Blitzumfrage der Handwerkskammer (HWK) Münster Anfang April, an der sich 762 Unternehmen aus dem Kammerbezirk beteiligt haben. Anfang März merkte nur jeder Fünfte Kostensteigerungen. Die Auswirkungen durch das Virus bleiben im Monatsvergleich unverändert hoch.

Die Hälfte der Befragten bot trotz der Pandemie und den erschwerten Kontaktmöglichkeiten zu Schulen Praktika an, um Berufsnachwuchs zu gewinnen. Davon gelang aber nur einem Drittel die Stellenbesetzung mit Schülerinnen und Schülern. HWK-Präsident Hans Hund geht davon aus, dass zahlreiche weitere Betriebe angesichts der unsicheren Situation auf die Bewerbung ihres üblichen Praktikumsangebotes verzichtet hätten, um zugunsten des Infektionsschutzes Begegnungen im Beruf zu meiden. „Praktika im Handwerk können nicht digital im Homeoffice absolviert werden. Viele Betriebe ermöglichen interessierten Schülerinnen und Schülern auch weiterhin eine breite Auswahl an praktischen Erfahrungen“, betont Hund. Gleichermaßen engagiert stelle das Handwerk nach wie vor Lehrstellen bereit, um dem Fachkräftemangel vorausschauend zu begegnen.

Der „Corona-Effekt-Index“ der HWK liegt gegenüber dem Vormonat bei unveränderten 22,1 Prozentpunkten. Der Index misst monatlich, in welchem Ausmaß Betriebe des heimischen Handwerks stark bis sehr stark durch das Virus beeinträchtigt sind. Bei den unterschiedlichen Auswirkungen der Pandemie gibt es jedoch Verschiebungen.

Nach wie vor halten drei Viertel aller befragten Handwerksbetriebe einen Beschäftigungsabbau infolge der Coronakrise für unwahrscheinlich; 7 Prozent mussten aber Personal abbauen. Von Kurzarbeit sind 16 Prozent der Unternehmen betroffen – 6 Prozent weniger als im März. Die Liquiditätsengpässe (13 Prozent) wurden etwas weniger. Ein erhöhter Kreditbedarf ist immer noch bei jedem Zehnten gegeben.

Von Umsatzausfällen sind 78 Prozent der Betriebe betroffen (plus 3 Prozentpunkte). Der Rückgang der Kundennachfrage blieb gegenüber dem Vormonat unverändert. Die Lieferfähigkeit eigener Leistungen und Produkte verschlechterte sich deutlich; waren hiervon im März 67 Prozent betroffen, sind es im April bereits 78 Prozent. 86 Prozent verzeichnen Beschaffungsprobleme (7 Prozent mehr als im März). Corona beeinträchtigt den Personalbestand wieder etwas mehr. 91 Prozent der Betriebe sind durch einen erhöhten Organisationsaufwand belastet. Mittlerweile haben vier Fünftel ihr Angebot an die Situation angepasst.

Am meisten leiden unter der Pandemie nach wie vor die personenbezogenen Dienstleistungsgewerbe im Handwerk wie Friseure, Kosmetiker und Fotografen, die auf direkten Endkundenkontakt angewiesen sind (Corona-Effekt-Index 31,6 Prozentpunkte). Es folgen das Kraftfahrzeuggewerbe und die Anbieter für den gewerblichen Bedarf (beide 23,1), die Nahrungsmittelgewerbe (21,9), die Gesundheitsgewerbe (21,1), und mit der geringsten Beeinträchtigung das Ausbaugewerbe (15,0) und das Bauhauptgewerbe (15,1). 

Erneut ist das Münsterland mit einem Corona-Effekt-Index von 20,3 Prozentpunkten weniger belastet als die Emscher-Lippe-Region mit 25,5 Prozentpunkten. Der Blick auf die Kreise und kreisfreien Städte im Detail: Kreis Borken (20,5), Kreis Coesfeld (20,5), Kreis Steinfurt (18,5), Kreis Warendorf (21,2), Kreis Recklinghausen (25,1), Bottrop (26,5), Gelsenkirchen (23,5), Münster (19,4). 

Je kleiner die Betriebe sind, desto stärker wirkt sich die Coronakrise aus. Die meisten Probleme haben Soloselbstständige und Handwerksunternehmen mit bis zu neun tätigen Personen. Am besten kommen Betriebe ab 50 Beschäftigten mit der Situation zurecht.

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