Das Handwerk guckt bei der Materialbeschaffung zunehmend in die Röhre. - Bild von Free-Photos auf Pixabay
Das Handwerk guckt bei der Materialbeschaffung zunehmend in die Röhre. - Bild von Free-Photos auf Pixabay

HWK-Umfrage: Beschaffungsprobleme im Handwerk nehmen zu

88 Prozent aller Handwerksbetriebe haben mittlerweile Probleme bei der Beschaffung von Material, ein Drittel sogar starke bis sehr starke. Der Effekt der Pandemie auf das Handwerk hat gegenüber dem Vormonat leicht zugenommen. Das zeigt die aktuelle Corona-Blitzumfrage der Handwerkskammer (HWK) Münster. Daran nahmen Anfang Mai 637 Betriebe aus dem Münsterland und der Emscher-Lippe-Region teil.

„Hamsterkäufe, erhöhte internationale Rohstoffnachfrage und gebrochene Lieferketten führen zu Materialengpässen, steigenden Einkaufspreisen und längeren Lieferzeiten“, erklärt HWK-Präsident Hans Hund. Zahlreiche Betriebe könnten trotz voller Auftragsbücher nicht arbeiten und müssten Kurzarbeit beantragen. Die gestiegenen Kosten schlagen sich in höheren Preisen nieder. „Wenn sich das Problem nicht auflöst, sollte über eine vorübergehende Exportbeschränkung knapper Materialien nachgedacht werden“, forderte Hund.

Von Beschaffungsproblemen ist das Ausbaugewerbe am meisten betroffen (96 Prozent der Betriebe). Dazu gehören beispielsweise Maler, Tischler, Elektrotechniker sowie Installateure und Heizungsbauer. Sie haben von allen Gewerken zugleich die beste Auftragslage. Ihre Lieferfähigkeit ist am stärksten eingeschränkt. Noch ist Kurzarbeit nur bei 6 Prozent der Betriebe nötig, aber weitere 29 Prozent gehen davon aus, dass sie davon künftig betroffen sein werden. Im Bauhauptgewerbe (zum Beispiel Maurer, Zimmerer, Dachdecker) ist die Situation nur leicht besser (93 Prozent der Betriebe betroffen). Kurzarbeit spielt allerdings kaum eine Rolle.

Spürbare Beschaffungsprobleme mit Lieferschwierigkeiten hat auch das Kraftfahrzeuggewerbe (98 Prozent der Betriebe betroffen, aber nicht so stark wie der Bau). Das wirkt sich negativ auf den Umsatz aus. Ein Viertel der Betriebe hat Kurzarbeit angemeldet. Weitere 20 Prozent rechnen mit deren Einführung. Schwieriger wird die Lage auch bei den Anbietern für den gewerblichen Bedarf, die hauptsächlich Zulieferbetriebe sind (90 Prozent betroffen).

Die Coronapandemie führt bei 93 Prozent aller Befragten zu einem höheren Organisationsaufwand, etwas mehr als im Vormonat. Kostensteigerungen müssen 40 Prozent verkraften. 79 Prozent verbuchen Umsatzverluste. Darunter leiden die Personenbezogenen Dienstleister am häufigsten. Die Schwierigkeiten bei der Abnahme eigener Leistungen nehmen stark zu. 58 Prozent haben Probleme wegen eines gesunkenen Personalbestandes. In Kurzarbeit befinden sich 15 Prozent der Betriebe.

Der Corona-Effekt-Index der Handwerkskammer Münster, der die starke bis sehr starke Betroffenheit des Handwerks durch die Krise zusammenfasst, nahm seit Anfang April um 1,5 Punkte auf 23,1 Prozentpunkte zu. Der Effekt erhöhte sich in fünf Branchen: um 3,9 Punkte im Ausbaugewerbe, um 2,6 Punkte im Kraftfahrzeuggewerbe, um 0,9 Punkte im Personenbezogenen Dienstleistungsgewerbe, um 0,6 Punkte bei den Anbietern für den gewerblichen Bedarf und um 0,3 Punkte im Bauhauptgewerbe. Einen nachlassenden Effekt merken das Gesundheitsgewerbe (minus 6,9 Punkte) und das Nahrungsmittelgewerbe (minus 6,1 Punkte).

Im Münsterland nahm der Corona-Effekt um 2,1 Punkte auf 22,4 Prozentpunkte zu, in der Emscher-Lippe-Region dagegen um 0,5 Punkte auf 25,0 Prozentpunkte ab.

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