Technik statt Kochen: Syrer startet in die Ausbildung

Mohammad Asaad (2. v. r.) hat seinen beruflichen Weg bei den Amazonen-Werken in Hasbergen gefunden. Mit ihm freuen sich (v.l.) Simone Guzdiol und Sabine Ostendorf, MaßArbeit, und Personalreferent Hauke Jürgens. (Foto: MaßArbeit / Kimberly Lübbersmann)
Mohammad Asaad (2. v. l.) hat seinen beruflichen Weg bei den Amazonen-Werken in Hasbergen gefunden. Mit ihm freuen sich (v.l.) Simone Guzdiol und Sabine Ostendorf, MaßArbeit, und Personalreferent Hauke Jürgens. (Foto: MaßArbeit / Kimberly Lübbersmann)

Hasbergen. Mohammad Asaad ist beruflich angekommen: Der technikbegeisterte junge Syrer hat am 1. August eine Ausbildung zur Fachkraft für Metalltechnik bei den Amazonen-Werken in Hasbergen begonnen und ist mit viel Begeisterung bei der Sache. Dass diese Vermittlung geklappt hat, ist vielen zu verdanken: Einem engen Netzwerk von Institutionen, darunter die MaßArbeit, dem erklärten Willen des Unternehmens, sich für Flüchtlinge einzusetzen und vor allem dem riesigen Engagement und Ehrgeiz von Mohammad Asaad.

Der 17-Jährige ist im Frühjahr 2015 mit seiner Familie aus Syrien geflohen. Dort hatte er die 10. Klasse des Gymnasiums besucht und wollte nach dem Abitur ein Ingenieursstudium aufnehmen. Der Bürgerkrieg machte diese Pläne zunichte. Gemeinsam mit seiner Familie fand der junge Syrer ein neues Zuhause in Belm. Hier gab es knapp einen Monat nach seiner Ankunft den ersten Kontakt zum Übergangsmanagement der MaßArbeit, das sich um die Begleitung junger Menschen auf dem Weg in den Beruf kümmert. „Erstmal ging es darum, Mohammad zu ermöglichen, schnell deutsch zu lernen: Denn berufliche Integration hängt ganz stark von den Sprachkenntnissen ab“, so Simone Guzdiol von der MaßArbeit. Durch einen Antrag auf Ruhen der Schulpflicht bei der Landesschulbehörde wurden deshalb die Weichen dafür gestellt, dass Mohammad einen Integrationskurs an der Volkshochschule besuchen konnte.

Im September startete er dann in einer Sprachförderklasse am Berufsschulzentrum am Westerberg. Eine schöne Zeit mit vielen Gesprächen und Beratung in Sachen Berufsweg und dem Abschluss der Sprachprüfung B1 für den Auszubildenden. Doch als Schwerpunktklasse Ernährung stand neben der Sprachvermittlung auch Kochen auf dem Programm: Definitiv nicht die Passion des jungen Syrers. Als bei einem Beratungsgespräch die Caritas eine Betriebsbesichtiung des Landtechnik-Herstellers Amazone anbot, war er gleich Feuer und Flamme: „Ich hab nur gefragt: Geht es da um Technik? Dann bin ich dabei“, grinst er.

Auch Hauke Jürgens hat den ersten Besuch gut in Erinnerung: „Viele der 15 Flüchtlinge konnten sich unter Landtechnik nichts vorstellen“, so der Personalreferent. Um möglichst viel Praxisbezug zu schaffen, bezog er auch die Amazone-Azubis in den Besuch mit ein. Sie machten die jungen Flüchtlinge in der Lehrwerkstatt mit Werkzeugen und leichten Arbeiten vertraut. Amazone hatte sich zu diesem Zeitpunkt schon seit Monaten bemüht, Flüchtlinge einzustellen.

„Wir wollten uns engagieren, hatten aber unterschätzt, wie schwierig das sein kann“, schildert Jürgens. Auch hier war die MaßArbeit beratend tätig: „Wir haben Amazone, aber auch anderen Unternehmen Mut gemacht, einen langen Atem zu haben und keine Wunder zu erwarten“, skizziert Vorstand Sabine Ostendorf. Es brauche Zeit, bis die Flüchtlinge nach Klärung des Aufenthaltsstatus und erstem Spracherwerb überhaupt bereit für den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt seien. „Eigentlich können wir erst jetzt so langsam in die große Vermittlungsphase starten“.

Mohammad Asaad dagegen hat seinen Platz schon gefunden: Nach der Betriebsbesichtigung schickte er eine Bewerbung an Hauke Jürgens und erhielt nach einem Betriebspraktikum die Zusage für die Ausbildungsstelle. Und so steht er nun morgens um vier Uhr auf, um um sechs in Hasbergen zu sein und besucht nachmittags noch vier Stunden lang einen Integrationskurs. „Wenn ich um 19 Uhr nach Hause komme, bin ich total kaputt“, erklärt der Azubi. Doch die Zeit, seinen Eltern beim Deutschlernen zu helfen, nimmt er sich abends dennoch. „Dafür kocht meine Mutter für mich“, sagt er augenzwinkernd.

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Veröffentlicht von

Sascha Brinkdöpke

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