Tarifverhandlung Möbelindustrie Westfalen-Lippe gestartet

Am Freitag den 24. November 2017 fand die 1. Tarifverhandlung im Tarifgebiet Westfalen-Lippe statt. Am 14. Dezember 2017 gehen die Verhandlungen weiter.
Tarifgespräche Möbelindustrie Westfalen-Lippe – 1. Runde ergebnislos beendet – 2. Runde für 14. Dezember 2017 vereinbart (Bild: geralt/ pixabay)

Am Freitag den 24. November 2017 fand die 1. Tarifverhandlung im Tarifgebiet Westfalen-Lippe statt. Der achtköpfigen Kommission auf Arbeitgeberseite saßen zehn Verhandlungsmitglieder der IG Metall gegenüber.

Die im wesentlichen emotionslose Verhandlung wurde nach einer Begrüßung durch Dr. Lucas Heumann (VHK Westfalen-Lippe) mit einem Folienvortrag zur wirtschaftlichen Lage global, in Deutschland und der Branche durch Christian Iwanowski (IG Metall) eröffnet.

Wichtige und aktuelle Eckpunkte für die Tarifverhandlung aus Sicht der IG Metall sind:

• globales Wachstum von 3,6 % bzw. 3,7 % (2016 zu 2017),
• erstarkte Wirtschaft (süd-)europäischer Länder – mit Ausnahme von Italien, aber auch Großbritannien,
• gesundes Wachstum in Deutschland (1,9 % bzw. 2,0 % 2016/ 2017),
• privater Konsum als wichtigster Wachstumstreiber (was ein tarifliches Lohnplus bereits für sich alleine erforderlich mache),
• positives Geschäftsklima sowie Anstieg der Beschäftigtenzahl in Deutschland,
• überwiegend positive Entwicklung des Baugewerbes („schwach, aber im Positiven bleibend“),
• Kerninflationsrate (ohne Nahrungsmittel und Energie) mit 1,2 % auf „gutem Niveau und wie immer höher als von Arbeitgeberseite prognostiziert“ bzw. 1,7 % gesamt,
• gesamtwirtschaftliche Produktivität belaufe sich 2017 auf 1,0 % und in 2018 auf 1,2 %.

Diese Daten nahm die IG Metall zum Anlass, unter Zugrundelegung eines Produktivitätsplus von 1,2 %, einer Inflationsrate von 1,8 % sowie einer nicht näher begründeten Umverteilungskomponente von 3 % eine Forderung von insgesamt 6% zu unterbreiten.

Auffällig war der Hinweis, dass diese Forderung vom „guten Geschäft im Caravan-Bau in Baden-Württemberg“ getragen sei – was sich aus Sicht der Arbeitgeberseite als ‚Entschuldigung‘ für die Forderungshöhe interpretieren ließe.

Zusammenfassend stellte die IG Metall fest:

• Die Lage in den Teilbranchen ist gut bis sehr gut.
• Die europäischen Märkte funktionieren wieder.
• Der Auftragseingang im Wohnungsbau ist zufriedenstellend.
• Es gibt Probleme, qualifiziertes Personal zu finden.
• Die Beschäftigtenzahl ist weitgehend stabil.
• Im Übrigen sind wirtschaftliche Probleme einzelner Unternehmen hausgemacht.

Die Erwiderung durch Dr. Heumann brachte auf den Punkt, dass bei den Tarifverhandlung über die tarifliche Entwicklung in Westfalen-Lippe mit einem Schwerpunkt im Bereich der (Küchen-)Möbel zu beraten sei, wo es u.a. durch einen Rückgang der Baugenehmigungen um 7 % zu einem schrumpfenden Markt für Küchenkäufe gekommen ist. Mit -20,8 % sei die Entwicklung der Bautätigkeit im bereits bestehenden Gebäudebereich noch dramatischer, so dass sich hieraus die eingebrochene Nachfrage nach Küchen erklären lässt.

Die Entwicklung der gesamtwirtschaftlichen Lage sei zwar zutreffend beschrieben worden, doch verlaufe diese nicht zugunsten unserer Branche einschließlich ihrer Teilbranchen, wo es zu einer Negativ- Produktivität gekommen sei, so Dr. Heumann. Unerklärlich sei ferner, wie man von einer Inflationsrate von 1,2 % bzw. 1,7 % auf eine 6-prozentige Forderung komme.

Denn über eine Umverteilungskomponente könne maximal dann geredet werden, wenn es etwas zu verteilen gäbe – was evident in dieser Tarifrunde nicht der Fall sei. Eine branchenbezogene und verantwortbare Tarifpolitik zwingt zu einer Berücksichtigung einer einzigen Komponente: Dies sei die Inflationsrate.

In der Diskussion bei der Tarifverhandlung hierzu brachte die IG Metall die von Arbeitgeberseite als tariffremde Kriterien zurückgewiesenen Aspekte der fehlenden Wohnungsbauförderung durch die Bundesregierung, prekäre Beschäftigungsverhältnisse junger Arbeitnehmer sowie die Feststellungen des Armutsberichts der Bundesregierung ein.

Ferner zitierte die IG Metall die von der Hans-Böckler-Stiftung durchgeführte Studie zu den Chancen und Risiken für ein nachhaltiges Wachstum der Deutschen Möbelindustrie und den in der Studie dargelegten Potentialen. Mit einem Verweis auf den nicht-repräsentativen Charakter der Studie und der dort beschriebenen Situation der Möbelindustrie „zwischen Stagnation und Niedergang“ wurde dieser Einwand von der Arbeitgeberseite erledigt.

Die Arbeitgeber haben – nach eigenen, internen Beratungen am 7. Dezember 2017 im Tarifpolitischen Ausschuss – ein Angebot in der 2. Runde am 14. Dezember 2017 in Aussicht gestellt.

www.vhk-herford.de

Veröffentlicht von

Sascha Brinkdöpke

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