Profiteure in Zeiten der Finanzkrise

Profiteure in Zeiten der Finanzkrise Weidhausen/Coburg (dapd-bay). Thomas Welsch hat keinen Grund zu klagen. Im Gegenteil, so gut wie derzeit ging es dem Geschäftsführer der Polstermöbelfabrik Ponsel mit 220 Angestellten im oberfränkischen Weidhausen lange nicht mehr. „Die Nachfrage nach unseren Sofas wächst stetig. Vor allem die Modelle im romantischen Naturdesign sind sehr gefragt“, sagt der 42-Jährige. Rund 100 Modelle hat Ponsel im Angebot, bevorzugt werden von den Kunden Naturstoffe. „Wir nennen das unsere Chalet-Linie – mit viel Leder, Holz und Blumenmotiven“, sagt Welsch. Bei ihren Produkten setzt die Firma auf Nachhaltigkeit. „Mit der Atomkatastrophe in Fukushima haben wir unsere Standards radikal geändert und auf Nachhaltigkeit gesetzt“, sagt Welsch. Bis vor wenigen Jahren noch verarbeitete giftige Stoffe wie Quecksilber oder Cadmium fänden sich in keinem Möbelstück mehr. Bayerische Wohnmöbelindustrie mit Umsatzplus Die Geschäftslage der Firma Ponsel ist kein Einzelfall. Das erste Halbjahr 2012 lief für die gesamte bayerische Wohnmöbelindustrie hervorragend. So kletterte der Umsatz von Januar bis Juni im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um fünf Prozent auf 1,54 Milliarden Euro, wie Verbandsgeschäftsführer Christian Dahm sagt. Davon erlösten allein die oberfränkischen Polstermöbelbauer 600 Millionen Euro. „Die Menschen investieren in unsicheren Zeiten in langlebige Dinge in ihrem Lebensumfeld. Und dazu gehört das Wohnzimmer als ganz wichtiger Bereich“, sagt Dahm. Und weil Beständigkeit auch etwas kosten darf, müssten sich die Polsterer nicht wie so manch andere Branche in Rabattschlachten mit der Konkurrenz zermürben. „Wir müssen nichts verramschen und punkten dafür mit Sonderkollektionen und neuen Trends“, berichtet Dahm. Das allein ist allerdings nicht der Grund, weshalb die Branche in Oberfranken unlängst auf 6.000 Beschäftigte gewachsen und damit zum größten Arbeitgeber der Region avanciert ist. Ein großer Vorteil gegenüber den Billiganbietern aus Osteuropa und China ist vor allem die lokale Konzentration der Branche auf wenige Quadratkilometer bei Coburg. Einst die Heimat der Korbflechter verteilen sich in der Region am Main rund 300 Polstereien und deren Zulieferer auf wenige Dörfer. „Für uns ist das wirtschaftlich ideal. Alle Zulieferer liegen quasi um die Ecke, und wenn ich morgens etwas bestelle, habe ich es am Mittag“, sagt Welsch. Jugend meidet den Beruf Gänzlich sorgenfrei ist die oberfränkische Polstermöbelindustrie dennoch nicht. Vor allem fehlt es an Nachwuchs. Jugendliche verschmähten das Handwerk wegen seines Rufs als Knochenjob, sagt Welsch. „Viele verbinden mit dem Handwerk immer noch schwere, körperliche Arbeit, die man nicht lange durchhält.“ Um das zu ändern, haben die meisten Hersteller in den vergangenen Jahren viel Geld in Hilfsmittel investiert, um das industrielle Polstern im Akkord zu erleichtern. „Es gibt längst Hebevorrichtungen, und es wird in Teams gearbeitet. Niemand muss heute noch ein Sofa alleine heben“, sagt Welsch. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)

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Peer-Michael Preß

Peer-Michael Preß – Engagement für die Unternehmerinnen und Unternehmer in der Region seit fast 20 Jahren. Als geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens Press Medien GmbH & Co. KG in Detmold ist er in den Geschäftsfeldern Magazin- und Fachbuchverlag, Druckdienstleistungen und Projektagentur tätig. Seine persönlichen Themenschwerpunkte sind B2B-Marketing, Medien und Kommunikationsstrategien.

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