Megafusion auf dem internationalen Buchmarkt

Gütersloh/London (dapd). Auf dem internationalen Buchmarkt entsteht ein neuer Weltmarktführer. Europas größter Medienkonzern Bertelsmann und das britische Verlagshaus Pearson vereinbarten am Montag die Verschmelzung ihrer Verlagstöchter Random House und Penguin zur unangefochtenen neuen Nummer eins im globalen Buchgeschäft. Der neue Verlag Penguin Random House soll mit seinen Romanen und Sachbüchern Kunden in den USA und Großbritannien ebenso erreichen wie Leser in den Schwellenländern China, Indien und Brasilien.

Weltweit soll er auf einen Marktanteil von über 25 Prozent und einen Umsatz von drei Milliarden Euro kommen. Durch die für 2013 geplante Fusion entstehe der erste „wirklich globale Verlag“ der Welt, sagte Bertelsmann-Chef Thomas Rabe. Die unternehmerische Kontrolle über den neuen Medienriesen wird in der Hand von Bertelsmann liegen. Die Gütersloher werden mit 53 Prozent die Mehrheit der Anteile halten und den Verlag in ihrer Bilanz konsolidieren. Sie stellen mit Markus Dohle auch den designierten Konzernchef. Allerdings müssen zuvor noch die Wettbewerbsbehörden der Fusion zustimmen. Rabe sagte, er gehe von einem positiven Abschluss der Prüfungen aus. Doch wurde die Fusion bislang noch nicht bei der EU-Kommission angemeldet. Die Unternehmen erwarten durch den Zusammenschluss nicht nur Synergieeffekte bei Druck, Lagerung und Verwaltung, sondern auch mehr Chancen im schnell wachsenden Geschäft mit E-Books. Außerdem dürfte das neue Verlagshaus über eine stärkere Verhandlungsposition gegenüber großen Buch- und E-Book-Händlern wie Amazon oder Apple verfügen. Deutscher Buchmarkt kaum betroffen Weitgehend unberührt von der Megafusion bleibt der deutsche Buchmarkt. Denn die Deutschland-Tochter von Random House, zu der 45 Buchverlage wie Goldmann, Heyne, Luchterhand und Siedler gehören, ist vom Zusammenschluss ausgenommen und verbleibt im alleinigen Besitz von Bertelsmann. Für den Gütersloher Konzern ist der Zusammenschluss auch deshalb attraktiv, weil Penguin in den Schwellenländern China und Indien über eine deutlich größere Präsenz verfügt als die eigene Buchtochter. Die Erschließung dieser Wachstumsmärkte für Bertelsmann ist ein erklärtes Ziel von Rabe. Aber auch Pearson-Chefin Marjorie Scardino betonte die Vorteile eines Zusammenschlusses. Random House passe „geradezu perfekt“ zu Penguins Kultur. Der Zusammenschluss gebe den Unternehmen mehr Spielraum, um neue Modelle bei der Digitalisierung von Büchern auszuprobieren. Die offizielle Ankündigung des Zusammenschlusses ist auch ein Rückschlag für den Medienmogul Rupert Murdoch, der britischen Medienberichten zufolge bis zuletzt versucht hatte, selbst bei Penguin zum Zuge zu kommen. Angeblich war Murdoch bereit, bis zu einer Milliarde Pfund (1,25 Milliarden Euro) in bar für Penguin zu bieten.

Veröffentlicht von

Peer-Michael Preß

Peer-Michael Preß – Engagement für die Unternehmerinnen und Unternehmer in der Region seit fast 20 Jahren. Als geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens Press Medien GmbH & Co. KG in Detmold ist er in den Geschäftsfeldern Magazin- und Fachbuchverlag, Druckdienstleistungen und Projektagentur tätig. Seine persönlichen Themenschwerpunkte sind B2B-Marketing, Medien und Kommunikationsstrategien.

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