Industrie 4.0: Prozessoptimierung durch selbstlernende Diagnose

Lemgo. Abweichungen von der Norm und mögliche Fehlerquellen erkennen – vor allem in Produktionsanlagen hat die Minimierung von Ausfallzeiten höchste Priorität. Das Institut Industrial IT (inIT) der Hochschule Ostwestfalen-Lippe hat nun eine neue adaptive Diagnosemethode entwickelt, die genau diese Anforderungen erfüllt.

„Der besondere Vorteil der neuen Diagnosemethode ist, dass für die Anwendung beim Nutzer kein Expertenwissen nötig ist“, erklärt Prof. Dr. Oliver Niggemann vom inIT. „Abweichungen vom normalen Produktionsprozess erkennt der Algorithmus automatisch. So detektiert er selbst Fehlermuster, die ihm vorher nicht bekannt waren.“

Der neue Algorithmus arbeitet dabei nach dem menschlichen Vorbild: Bedient eine Person eine Maschine über einen längeren Zeitraum, so erzeugt ihr Gehirn eine Art Modell des zugrundeliegenden Prozesses. Jede Abweichung von diesem Normalverhalten erkennt das menschliche Gehirn intuitiv als Anomalie. Auch der vom inIT entwickelte Algorithmus arbeitet mit einem Modell des Anlagen-Normalverhaltens, das er mithilfe von Prozessdaten der vorhandenen Feldbussysteme erstellt. Im laufenden Betrieb vergleicht der Algorithmus sein Modell permanent mit den aktuellen Ist-Daten des Systems. Sobald er Abweichungen feststellt, erzeugt er eine Fehlermeldung.

Der Algorithmus kann dabei jederzeit „dazulernen“: Handelt es sich bei einer festgestellten Abweichung nicht um einen Fehler, kann der Nutzer die betreffende Aktion zum Modell des Normalverhaltens hinzufügen.

Erstmals vorgestellt wurde die neue adaptive Diagnosemethode auf der internationalen IEEE-Konferenz ICIT (International Conference on Industrial Technology), die vom 25. bis zum 27. Februar 2013 in Kapstadt, Südafrika, stattfand.

Über das inIT
Das Institut für industrielle Informationstechnik (inIT) der Hochschule OWL in Lemgo ist eine der führenden Forschungseinrichtungen auf dem Gebiet der Prozessinformatik und beschäftigt derzeit mehr als 60 Mitarbeiter in den Kompetenzfeldern industrielle Echtzeitkommunikation, industrielle Bildverarbeitung und verteilte Echtzeit-Software. Das inIT ist eine der Forschungseinrichtungen in dem BMBF-Spitzencluster „Intelligente technische Systeme OstwestfalenLippe it’s OWL“. Beheimatet ist das Institut im CENTRUM INDUSTRIAL IT (CIIT), eines im Jahr 2010 auf Basis einer Public Private Partnership gegründeten Forschungs- und Entwicklungszentrums für die Automation.

Veröffentlicht von

Peer-Michael Preß

Die Themenschwerpunkte des Autors sind B2B-Marketing, Medien und Kommunikationsstrategien und deren Umsetzung in der Praxis.

Seitb 20 Jahren ist er geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens Press Medien GmbH & Co. KG mit den Tätigkeitsbereichen Buch- und Zeitschriftenverlag, Druckerei und Medienagentur.

Er absolvierte die Ausbildung zum Verlagskaufmann in der Gundlach Gruppe, Bielefeld, und schloss erfolgreich ein Studium zum Betriebswirt mit Abschlussarbeit im Bereich Marketing zum Thema „E-Commerce in der graphischen Industrie“ ab.

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