„Die Krise ist eine Vertrauenskrise“

Kreis Gütersloh. Im Turmzimmer des Schlosses Rheda diskutierten jetzt rund 80 Bürger, Politiker und Unternehmer über die EU-Wirtschafts- und Schuldenkrise. Dazu hatte das Europe Direct Informationszentrum des Kreises Gütersloh eingeladen.

Zunächst zeigte Birgit Ladwig-Tils, Referentin des Teams Europe, die Ursprünge der Krise und ihre Entwicklung auf. Im nächsten Schritt erläuterte sie die kurz-, mittel- und langfristigen Maßnahmen der EU zur Bewältigung der Krise. Dabei stellte sie unter anderem auch die geplante Bankenunion mit einer einheitlichen Bankenaufsicht und Einlagesicherung, sowie die Definition eines Ablaufes zur Bankenabwicklung als wichtige Beschlüsse der EU vor, um der Krise langfristig zu begegnen.

Im Anschluss skizzierte Ralph Brinkhaus, Mitglied des Finanzausschusses des Deutschen Bundestages, die Grundproblematiken bei der Diskussion um die Eurokrise. So erläuterte er, dass Deutschland wirtschaftlich und politisch so vernetzt ist, wie noch nie zuvor. Daher sei auch Deutschland unmittelbar betroffen, wenn es in anderen politischen oder wirtschaftlichen Räumen Probleme und Unsicherheiten gäbe. „Die Krise ist daher vor allem eine Vertrauenskrise“, so Brinkhaus. Die Lösung für die Krise befindet sich seiner Ansicht nach zwischen einer nationalen und einer europäischen Lösung als Kompromiss zwischen Umverteilung und Strukturreformen. „Die Rechnung für diese Lösung tragen wir in jedem Fall, aber wenn wir dadurch ein besseres Europa schaffen können, ist dies eine lohnende Investition“, schloss Brinkhaus seinen Vortrag.

In der abschließenden Diskussionsrunde erläuterten drei Bürger mit Wurzeln im EU-Ausland ihre Erfahrungen mit der EU-Wirtschafts- und Finanzkrise. So warnte Nikolaos Panagiotopoulos, Vorsitzender der griechischen Gemeinde in Gütersloh, ausdrücklich vor nationalistischen Tendenzen in der Krise. Jens Skifter, Regionaldirektor Export Europa bei der CLAAS KGaA, erklärte, dass sein Heimatland Dänemark auch ohne den Euro ähnlichen Problemen gegenübersteht wie die Euroländer. Virginia Rodriguez, Mitarbeiterin des Jobcenters Gütersloh mit spanischen Wurzeln, berichtete über die Lage in Spanien und machte deutlich, welche Perspektivlosigkeit Bürger dort durch Arbeitslosigkeit, starken Lohneinbußen und steigenden Lebenshaltungskosten derzeit erleben. „Wir müssen darauf achten, weiterhin respektvoll miteinander umzugehen“. Nach zahlreichen Fragen und Anmerkungen aus dem Publikum schloss Jens Skifter: „Ich sehe mich als beherzten Europäer. Wir müssen bereit sein, für Europa zu kämpfen“.

Das Europe Direct Kreis Gütersloh hat die wesentlichen Informationen zum Euro und zu den Maßnahmen der EU zur Überwindung der Krise in einem „Factsheet“ zusammengefasst, das kostenlos bestellt werden kann und auch im Internet auf zum Download zur Verfügung steht.

Darüber hinaus weist das Europe Direct Kreis GT darauf hin, dass sich am Freitag, 9. November, ab 16.30 Uhr das lokale Europa-Netzwerk EU.Kreis.GT zu einer öffentlichen Mitgliederversammlung trifft, zu der alle Europa-Interessierten herzlich eingeladen sind. Unter dem Motto „Europa bewegt!“ geht es vor allem um die Möglichkeiten, die vereintes Europa heute den Jugendlichen bietet. Infos und Anmeldung über Tel. 05241/851403 und auf www.europedirect-gt.de.

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Peer-Michael Preß

Peer-Michael Preß – Engagement für die Unternehmerinnen und Unternehmer in der Region seit fast 20 Jahren. Als geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens Press Medien GmbH & Co. KG in Detmold ist er in den Geschäftsfeldern Magazin- und Fachbuchverlag, Druckdienstleistungen und Projektagentur tätig. Seine persönlichen Themenschwerpunkte sind B2B-Marketing, Medien und Kommunikationsstrategien. Sie erreichen Peer-Michael Preß unter: m.press@press-medien.de www.press-medien.de

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