Ausbildung im Berufsbildungswerk hat hohe Qualität

Lingen. Die Inklusionsbemühungen im Christophorus-Werk schreiten voran. Im Gespräch mit Bundestagsmitglied Hans-Michael Goldmann samt Parteikollegen und Vertretern des Christophorus-Werk (CWL) herrschte Einigkeit: Bei beruflichen Reha-Maßnahmen im Bereich der Ausbildung muss Qualität entscheiden.

CWL Geschäftsführer Georg Kruse zeigte an verschiedenen Beispielen auf, welchen Stellenwert Inklusion in allen Einrichtungen des CWL hat: „Der Heilpädagogische Kindergarten kooperiert mit Regelkindergärten in Lingen und Spelle und ist auch räumlich dort angegliedert.“ Die ersten bis vierten Klassen der Tagesbildungsstätte würden bereits seit über zehn Jahren in Regelschulen unterrichtet, wo es gemeinsame Projekte und teils gemeinsamen Unterricht gebe. Das BBW bildet derzeit 300 junge Menschen mit speziellen Förderbedarfen in 30 verschiedenen Berufen aus, kooperiert mit etwa 600 Betrieben und vermittelt 70 Prozent der Absolventen nachhaltig in den Arbeitsmarkt. Dieser Wert gilt einer Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft zufolge für alle 52 BBW in Deutschland. Auch 15 Jahre nach Ausbildungsabschluss befänden sich 70 Prozent der BBW-Absolventen in Beschäftigung. Die volkswirtschaftliche Rendite liege nach zehn Jahren bei 11,7 Prozent.

„Inzwischen wurden die Förderkategorien neu geregelt“, so Georg Kruse. Dadurch bekämen immer weniger die Chance auf einen Ausbildungsplatz im BBW. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) schreibe zunehmend Maßnahmen aus. Bei der Vergabe kämen die Anbieter mit den günstigsten Preisen zum Zuge. „Die Jugendlichen kommen aber nicht nur mit Lernschwächen in eine Maßnahme bzw. ins BBW, sondern auch mit psychischen Problemen, autistischen Störungen oder sozial-emotionalen Verhaltensauffälligkeiten“, so Klaus van Kampen, Leiter des BBW. „Die Infrastruktur der BBW mit qualifizierten und interdisziplinär arbeitenden Teams gewährleisten, dass jeder die Unterstützung bekommt, die er benötigt.“

Um diese Qualität dauerhaft zu sichern und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiterhin nach Tarif zu entlohnen, bedürfe es, laut Georg Kruse, einer gesicherten Finanzgrundlage. „Die anderen Anbieter sind unterm Strich nicht billiger, denn bezahlt wird pro Teilnehmer. Ganz gleich, wie viele Abbrecher es gibt.“ Beim BBW hingegen würden nur tatsächlich besetzte Plätze von der BA finanziert. Somit seien Ausschreibungen auch nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht sinnvoll – „ganz zu schweigen von der Qualität. Wir werden am Erfolg gemessen, die anderen nicht“, kritisierte Georg Kruse die gängige Praxis.“ Michael Goldmann zeigte sich überrascht und versprach, sich bei der BA nach dem Erfolg der ausgeschriebenen Maßnahmen zu erkundigen. „Wir wollen, dass Qualität entscheidet. Natürlich muss sie finanzierbar sein, aber der Markt darf nicht die Qualität zerstören“, so der Bundestagsabgeordnete. „Man darf nicht nur die volkswirtschaftliche Komponente sehen, wichtig sind stabile soziale Strukturen.“

Angesichts des Teilnehmerrückgangs im BBW sprach Georg Kruse von einem „ruinösen Wettbewerb“. Er befürchte einen schleichenden Prozess. „Will man diese Kompetenzzentren erhalten oder nicht?“, fragte er. Schließlich gebe es in Deutschland 1,5 Millionen junge Menschen ohne Ausbildung.

„Manche Firmen kommen auf uns zu, weil sie wissen, dass unsere Jugendlichen etwas können und dass sie zuverlässig sind“, berichtete Klaus van Kampen und nannte ein Beispiel: „Ob Kücheaufbau oder Fenstereinbau, unsere Tischler machen gute Arbeit.“ Ausdauer und Soft Skills würden ebenfalls im BBW trainiert. Georg Kruse verwies in dem Zusammenhang auf das Projekt „Arbeit nach Maß“, das als Mittler zwischen Menschen mit Beeinträchtigungen und Betrieben fungiere. „Wenn Betriebe bereit sind, Jugendliche mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen einzustellen, so bietet unser Fachdienst Beratung und Unterstützung an.“ Angesichts der fehlenden Fachkräfte in den Betrieben sei das ein Zukunftsmodell.

Abschließend machte Georg Kruse deutlich, dass er sich „einen gemeinsamen Aktionsplan Inklusion für die Stadt Lingen“ wünscht, den Menschen mit Behinderung mitentwickeln. Dabei müssten erreichbare Ziele gesteckt werden und er nennt bereits ein Beispiel: „Wir planen anlässlich unseres 50jährigen Jubiläums im Jahr 2015 ein inklusives Fest auf dem Lingener Marktplatz.“

Veröffentlicht von

Peer-Michael Preß

Peer-Michael Preß – Engagement für die Unternehmerinnen und Unternehmer in der Region seit fast 20 Jahren. Als geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens Press Medien GmbH & Co. KG in Detmold ist er in den Geschäftsfeldern Magazin- und Fachbuchverlag, Druckdienstleistungen und Projektagentur tätig. Seine persönlichen Themenschwerpunkte sind B2B-Marketing, Medien und Kommunikationsstrategien.

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