Erstmalig ist wieder ein Rückgang der Krankschreibungen wegen psychischer Erkrankungen zu verzeichnen. Allerdings stieg die Krankheitsdauer wegen psychischer Erkrankungen bei den AOK-Mitgliedern im Kreis Lippe sprunghaft an. Foto: AOK/hfr.
Erstmalig ist wieder ein Rückgang der Krankschreibungen wegen psychischer Erkrankungen zu verzeichnen. Allerdings stieg die Krankheitsdauer wegen psychischer Erkrankungen bei den AOK-Mitgliedern im Kreis Lippe sprunghaft an. Foto: AOK/hfr.

AOK Lippe: Erhebliche Schwankungen bei Ausfalltagen während Pandemie

Der Krankenstand bei den rund 51.000 versicherten Arbeitnehmern der AOK NordWest im Kreis Lippe lag in den ersten acht Monaten dieses Jahres bei 5,6 Prozent, knapp unter dem Vorjahreszeitraum mit 5,7 Prozent. Doch aufgrund der Corona-Pandemie gab es in den einzelnen Monaten erhebliche Schwankungen. Das zeigt eine aktuelle Auswertung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) für die Monate Januar bis August 2020. Vor allem zu Beginn des Lockdowns im März stieg der Krankenstand rasant an, flachte aber dann wieder deutlich ab. Auffällig ist auch, dass nach einem Anstieg der Krankschreibungen wegen psychischer Erkrankungen in den letzten Jahren wieder ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen ist. „Es ist zu vermuten, dass viele psychisch erkrankte Beschäftigte in der Lockdown-Phase aus Angst vor Ansteckung auf einen Arztbesuch verzichtet haben“, sagt AOK-Serviceregionsleiter Matthias Wehmhöner.

Allerdings zeige sich parallel zur Abnahme der Fallzahlen von psychisch bedingten Krankschreibungen eine sprunghafte Zunahme deren Länge. So stieg die Dauer eines durchschnittlichen psychisch bedingten Arbeitsunfähigkeitsfalls bei den AOK-Mitgliedern im Kreis Lippe im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 2,1 Tage von 24,0 Tagen auf 26,1. Damit bekam der Trend der letzten Jahre zu immer längeren Krankschreibungen wegen psychischer Erkrankungen im Pandemie-Jahr 2020 einen weiteren Schub.

Erhebliche Schwankungen

Die Covid-19-Pandemie hat die bisherige AU-Statistik des Jahres 2020 stark beeinflusst und zu teilweise erheblichen Schwankungen geführt. Zunächst gab es zu Beginn der Pandemie im März einen deutlichen Anstieg des Krankenstandes von 6,9Prozent im Februar auf 7,7Prozent. Zum Vergleich: Im März 2019 betrug der Krankenstand 6,6 Prozent. „Die Möglichkeit zur telefonischen Krankschreibung wegen Atemwegserkrankungen, die ab Anfang März galt, könnte einen Einfluss auf den erhöhten Krankenstand haben“, so Wehmhöner. Gleichzeitig sprächen die Daten dafür, dass Ärzteschaft und Beschäftigte mit dieser temporären Regelung verantwortungsvoll umgegangen seien. Denn in den Monaten April (5,1 Prozent), Mai (4,5 Prozent) und Juni (4,6 Prozent) haben Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer hingegen deutlich seltener krankheitsbedingt in ihren Betrieben gefehlt als im Vorjahr. Dieser Trend setzte sich auch im Juli (4,7 Prozent) und August (4,8 Prozent) fort. „Mehr Homeoffice, weniger Mobilität und die Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln dürften zum Rückgang des Krankenstandes beigetragen haben“, so Wehmhöner. Außerdem haben vermutlich viele Beschäftigte aus Angst vor einer Infektion den Gang zum Arzt vermieden. Angesichts der aktuell steigenden Infektionszahlen sind diese Zahlen für Wehmhöner jedoch kein Anlass zur Entwarnung: „Es bleibt abzuwarten, wie sich die steigenden Covid-19-Infektionszahlen im Herbst und Winter bei den Krankenständen bemerkbar machen werden.“ 

Krankschreibungen wegen Covid-19 im April 2020 auf dem Höhepunkt

Eine Auswertung der Krankschreibungen wegen einer Covid-19-Erkankung zeigt: Insgesamt sind im Kreis Lippe bis Ende August 2020 320 Beschäftigte, die bei der AOK versichert sind, wegen einer nachgewiesenen Covid-19-Infektion krank geschrieben worden. Die meisten AU-Meldungen wurden in den Monaten März 2020 (101 Erkrankte) und April 2020 (112 Erkrankte) gemeldet. Insbesondere Beschäftigte in Gesundheitsberufen waren betroffen.

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