Kein Problem als Rollstuhlfahrer im Team der Arbeitsagentur zu arbeiten. - Foto Copyright: Bundesagentur für Arbeit
Kein Problem als Rollstuhlfahrer im Team der Arbeitsagentur zu arbeiten. - Foto Copyright: Bundesagentur für Arbeit

Mit gutem Beispiel voran: Arbeitsagenturen in OWL leben Inklusion

Dezember ist der Tag der Menschen mit Behinderung. Weltweit gibt es circa eine Milliarde Menschen, die eine Behinderung haben. In Deutschland sind es 7,8 Millionen Menschen mit Schwerbehinderung, also knapp jeder zehnte Einwohner. Inklusion ist auch deshalb ein gesamtgesellschaftliches Thema, weil es so viele betrifft. Ein Thema, dem sich auch Deutschlands größte Behörde, die Bundesagentur für Arbeit, annimmt. Und das auch, wenn es um die eigenen Mitarbeiter geht.

Die Agenturen für Arbeit bundesweit kümmern sich mit einem besonderen Team um Schwerbehinderte Menschen, die arbeitslos geworden sind. „Dabei appellieren wir auch immer wieder an Unternehmen, auch Menschen mit Behinderung eine Chance zu geben. Gerade deshalb ist es uns besonders wichtig, als Arbeitgeberin auf diesem Weg voran- und mitzugehen“, so Helmut Jäppelt, Personalleiter bei den Agenturen für Arbeit in Ostwestfalen-Lippe sowie dem Hochsauerlandkreis und Kreis Soest.

Bundesweit beschäftigt die Agentur für Arbeit 11.000 Menschen mit Schwerbehinderung, das sind circa 10 Prozent aller Beschäftigten der Agentur. Im Bezirk von Helmut Jäppelt sind es circa 11 Prozent der Mitarbeitenden, das sind ungefähr 230 Personen. Zwei von ihnen sind Pascal Krahn und Petra-Ivana Ouali.

Petra-Ivana Ouali arbeitet als Reha-Beraterin im Reha-Schwerbehinderten-Team der Agentur für Arbeit Bielefeld und kümmert sich damit auch um Kundinnen und Kunden mit Schwerbehinderung. Aufgrund der Glasknochenkrankheit sitzt sie im Rollstuhl, manchmal nutzt sie auch andere Gehhilfen. Bei der Agentur für Arbeit ist sie seit 2012, als ehemalig Selbstständige ist sie als Quereinsteigerin bei der Bundesagentur eingestiegen. „Das war für mich wie ein Sechser im Lotto – im Vergleich zur Selbstständigkeit gab es geregelte Arbeitszeiten, ein pünktliches Einkommen, eine sichere Stelle“, berichtet sie. Nach zweieinhalb Jahren befristeter Beschäftigung wurde sie entfristet. Auch entwickelt hat sie sich bereits in der Organisation: Gestartet ist sie im Service Center, später als Arbeitsvermittlerin. Seit Frühjahr 2020 arbeitet sie nun im Reha-Schwerbehinderten-Team.

Die Inklusion in der Agentur bewertet sie insgesamt positiv: „Es ist eindeutig, dass man als Mensch mit Schwerbehinderung die gleichen Chancen hat, wie jemand ohne Schwerbehinderung – das ist einzig und allein abhängig von den fachlichen Kompetenzen. Und so sollte es auch sein. Auch mit der Barrierefreiheit gibt es in meiner Erfahrung relativ wenig Probleme.“ Auch im Kollegium würde Inklusion gelebt. Selbstreflektierend fügt sie hinzu: „Dabei kommt es aber auch immer darauf an, wie man selbst mit seiner Behinderung umgeht. Ich bin da ziemlich offen, wenn man sich aber selbst verschließt, wird auch für andere der Umgang schwerer.“

In Ihrer Tätigkeit arbeitet sie auch regelmäßig mit Kundinnen und Kunden der Agentur und hat deshalb einen aktuellen Einblick in den Arbeitsmarkt. Im Hinblick auf Inklusion am Arbeitsplatz hat sie deshalb folgenden Appell an die Unternehmen: „Inklusion bedeutet nicht nur, Barrierefreiheit herzustellen. Wichtig ist, dass man Vorurteile beseitigt. Dass Schwerbehinderte öfter krank sind beispielsweise, stimmt in der Regel nicht. Geschäftsführer müssen Inklusion in ihrer Haltung leben und dürfen einfach keine Berührungsängste haben.“

Pascal Krahn ist seit seiner Geburt blind, nutzt einen Blindenstock und seit einem Jahr auch einen Blindenführhund, über den er sich sehr freut. Er lebt in Paderborn. Seit 2018 arbeitet er im Service Center in der Agentur für Arbeit Bielefeld. Hier nimmt er Anrufe aus der bundesweiten Kunden-Hotline der Bundesagentur entgegen. Der gelernte Bürokaufmann hat von einem Freund von der Stelle bei der Agentur erfahren: „Er arbeitete bereits bei der Agentur im Service Center, allerdings nicht in Bielefeld. Ich hatte ihm gesagt, wenn dort eine Stelle in der Nähe meines Wohnorts frei wird, soll er mir auf jeden Fall Bescheid sagen.“ Als dann also eine Stelle im Bielefelder Service Center frei wurde, hat Pascal Krahn sich sofort beworben. „Und dann ging das alles sehr schnell. Eine Woche nach meiner Bewerbung hatte ich mein Vorstellungsgespräch, wenige Wochen später konnte ich den Vertrag unterzeichnen.“

Aufgrund seiner Sehbehinderung nutzt Pascal Krahn besondere Hard- und Software, um den Computer zu bedienen. Für solche Situationen ist die Bundesagentur ausgestattet. Auch im Allgemeinen ist Pascal Krahn begeistert von der Unterstützung, die er am Arbeitsplatz erfährt: „Wenn ich ein Problem habe, wird es gelöst. Für mich war es zum Beispiel auch sehr überraschend, dass wir vor Ort eine Schwerbehindertenvertretung haben, die auch Präsenz zeigt und aktiv fragt, wie sie unterstützen kann. So hat sie zum Beispiel organisiert, dass die Stadt an der Ampel vor der Agentur in Bielefeld einen akustischen Signalton installiert hat, damit ich sicher die Straße überqueren kann. In meiner sechswöchigen Einarbeitung musste ich unter der Woche zu Schulungen in Mettmann. Dafür wurde ich von der Wohnung abgeholt und am Ende der Woche auch wieder zurückgefahren, eine Riesenerleichterung für mich. Auch meinen Blindenführhund darf ich mit ins Büro nehmen – alles kein Problem.“

Im Kollegium erfährt er auch viel Unterstützung: „Das hat schon damals bei der Vertragsunterzeichnung begonnen, als man sich sofort darum gekümmert hat, dass ich den richtigen Raum finde. Aber auch im Alltag sind die Kolleginnen und Kollegen sehr hilfsbereit, füllen zum Beispiel den Wassernapf meines Hundes für mich, weil ich ihn nicht so gut tragen kann, ohne Wasser zu verschütten. Und trotzdem behandeln sie mich dabei ganz normal.“ Aber, wie auch schon Petra-Ivana Ouali, betont Pascal Krahn: „Ich versuche aber auch, auf die Menschen zuzugehen, offen zu sein, mich – soweit es geht – an die Welt der Normalsichtigen anzupassen und die Sichtweise dieser Menschen zu verstehen, Probleme möglichst auch selbst zu lösen. Verschließt man sich vor seinen Mitmenschen, dann macht man es sich als Mensch mit Behinderung nur selbst schwerer. Inklusion funktioniert nur, wenn alle daran arbeiten – inklusive des Menschen mit Behinderung selbst.“

„Geschichten wie die von Frau Ouali oder Herrn Krahn motivieren uns natürlich nur noch mehr, uns für Inklusion einzusetzen – bei uns, und als Dienstleister am Arbeitsmarkt auch außerhalb unserer eigenen Häuser. Denn Inklusion ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, so erklärt Jäppelt. Petra-Ivana Ouali und Pascal Krahn seien zwei Kollegen, die die Bundesagentur für Arbeit sehr bereichern – und ohne Einschränkungen genauso gute Mitarbeiter wie alle anderen. „Ich hoffe, dass immer mehr Unternehmen erkennen, dass ein Mitarbeiter mit Behinderung keine Last ist, sondern eben ein Mitarbeiter. Eine Bereicherung und eine vollwertige Arbeitskraft, wie alle anderen auch“, bilanziert der Personalleiter.

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