Wie sieht die Arbeitswelt der Zukunft aus? - Foto: Seventyfour_stock.adobe.com, Montage: it‘s OWL
Wie sieht die Arbeitswelt der Zukunft aus? - Foto: Seventyfour_stock.adobe.com, Montage: it‘s OWL

it‘s OWL Projekt AWARE: Wie sieht die Arbeit der Zukunft aus?

Wird der Job, der heute sicher scheint, morgen von Robotern übernommen? Digitale Sprints, agile Teams – welche Herausforderung bedeutet das für Arbeitnehmer:innen und Führungskräfte? Das Zusammenspiel von Mensch, Technik und Organisation verändert sich durch den digitalen Wandel in vielen Bereichen und auf diversen Ebenen. Seit Ende 2018 wurden im it‘s OWL Projekt AWARE die Folgen der Digitalisierung in der Arbeitswelt aus möglichst vielen Blickwinkeln betrachtet. Dieses Projekt hat nun seinen Abschluss gefunden. Handlungsempfehlungen, Schulungsmateriealien und Workshopkonzepte geben erste Antworten, wie Mensch, Organisation und Technik gelungen in Einklang gebracht werden können.

Die Frage, was technisch möglich ist, stand lange im Fokus vieler Forschungsprojekte rund um Industrie 4.0 – auch im Technologie-Netzwerk Intelligente Technische System OstWestfalenLippe (it‘s OWL). Doch die digitale Transformation bedeutet mehr: Geschäftsmodelle, Mitarbeiter:innenführung, Ausbildung – auch das unterliegt dem rasanten digitalen Wandel. Im Projekt ‚AWARE – Arbeit 4.0 | Bedarfsanalyse und Unterstützungsangeboten für produzierende Unternehmen‘ haben sich unter der Leitung von it‘s OWL vier Hochschulen, zwei Fraunhofer-Institute, sechs Unternehmen und die IG Metall zusammengeschlossen, um die Potenziale der Digitalisierung für die Arbeitswelt zu erschließen und ganzheitlich zu gestalten.

Kooperations- und Themenmatrix des Verbundprojekts AWARE. - Grafik: it‘s OWL
Kooperations- und Themenmatrix des Verbundprojekts AWARE. – Grafik: it‘s OWL

Die Arbeitswelt der Zukunft gestalten

„Für uns als Technologie-Netzwerk ist es enorm wichtig die technologische Weiterentwicklung auf der einen Seite mit der notwendigen Transformation von Organisation und einzelnem Mensch, der arbeitet auf der anderen Seite, zusammenzuführen“, sagt Projektleiter Klaus Jansen von it‘s OWL. Mit der Digitalisierung der Arbeit rücken soziale Aspekte der Arbeitsgestaltung in den Fokus. So gilt es, die Beschäftigten im Wandel zur Digitalisierung aktiv einzubinden, ihre Arbeitsbedingungen und Qualifikationen anzupassen und mit den Gremien der betrieblichen Mitbestimmung Veränderungen der Arbeitswelt gemeinsam umzusetzen. Dabei sind Unternehmensziele und Bedürfnissen der Beschäftigten in Einklang zu bringen. Nur so gelingt nachhaltige und erfolgreiche digitale Transformation im Unternehmen.

Agile Organisation, Diversity, Assistenzsysteme – vielfältige Projektthemen

Die Vielfältigkeit des Themas zeigt sich in der Größe des Projektes. In acht Arbeitspaketen wurden Teilaspekte von Arbeit 4.0 untersucht: Das Spektrum reichte dabei von Führung und agile Organisation über Kompetenzentwicklung und Assistenzsysteme bis zur partizipativen Technologiegestaltung. Genauso wurden die Bereiche Diversity und Arbeitnehmermitgestaltung erforscht.

Mit Führung 4.0 Flexibilität und Effizienz verbessern

„Führungskräfte sind der Schlüssel zur erfolgreichen Umsetzung von Veränderungen in Unternehmen. Es ist essenziell, sie auf diese Aufgabe vorzubereiten und mit den notwendigen Kompetenzen auszustatten, um auch zukünftig erfolgreich zu führen“, sagt Prof. Dr. Günter W. Maier, von der Universität Bielefeld. Maier hat das Teilprojekt ‚Digitale Führung‘ im Rahmen von AWARE geleitet, welches sich mit Fragestellungen beschäftigte wie: Welche Veränderungen von Führungsaufgaben, – kompetenzen und -kultur wird des durch die Digitalisierung geben? Welche Instrumente sind hilfreich, um Führungskräfte bestmöglich auf die Veränderungen vorzubereiten? Und: wie kann ein Kulturwandel in Bezug auf agile Führungsmethoden unterstützt werden?

In einem ersten Pilotprojekt der Universität Bielefeld in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Hettich wurde ein allgemeines Kompetenzmodell für digitale Führung entwickelt. Fazit: strategische Planung, Kommunikation, Arbeitsgestaltung und Strategieorientierung werden als Führungskompetenzen zunehmend wichtiger als Fachwissen und Biografie. Eine zweite Pilotanwendung der TH OWL und der Firma Lenze hat die Ansprüche an digitale Führung konkret am Anwendungsbeispiel Shop Floor Management untersucht. Dabei wurde beispielsweise eine Schulung zur Digitalisierung von Prozessen durch Beschäftigte mittels Low-Code-Programmierung entwickelt und ausprobiert. Mit dieser Art der Programmierung ist es möglich, Softwareanwendungen ohne erweiterte Programmierkenntnisse über eine grafische Benutzeroberfläche zu erstellen.

„Diese Projekt hat gezeigt, dass es für Führungskräfte kein one-fits-all Vorgehen gibt. Daher haben wir vielfältige Maßnahmen entwickelt, die auf die Bedarfe verschiedener Führungsebenen abgestimmt sind. So können Kompetenzen zielgerichtet gefördert und individuelle Bedürfnisse berücksichtigt werden“, resümiert Maier das Teilprojekt ‚Digitale Führung‘.

Digitalisierungsgestaltung mit mehr Vielfalt

„Innovationen entstehen nicht mehr nur in FuE-Abteilungen, sie entstehen im gesamten Unternehmen. Mit einer vielfältigen Belegschaft, also mit Mitarbeitenden, die unterschiedliches Wissen und Sichtweisen, Hintergründe und Kompetenzen mitbringen, kann eine Innovationskultur geschaffen werden, die Diversität als integralen Bestandteil sieht. Hiervon kann das Unternehmen auch auf dem Weg zur digitalen Transformation profitieren. Sei es bei der Entwicklung neuer Geschäftsmodell und digitaler Produkte oder bei der Analyse und Digitalisierung von Prozessen“, erläutert Prof. Dr. Swetlana Franken von der FH Bielefeld ein weiteres Teilprojekt von AWARE.

Franken und ihre Forschungsgruppe untersuchten den Aspekt ‚Digitalisierung und Diversity in OWL‘. Ziel war es, die Rolle von Vielfalt für die Gestaltung der Digitalisierung sowie die Erschließungsmöglichkeiten von Potenzialen einzelner Beschäftigungsgruppen herauszustellen. Mithilfe von Literaturrecherche und Experti:inneninterviews wurde untersucht, inwiefern Vielfalt und Digitalisierung bereits zusammengedacht werden. In Workshops, Veranstaltungen und in Form eines digitalen Makeathons wurden die ersten Ergebnisse in die Breite getragen, diskutiert, evaluiert und angepasst. Ergebnis des Projektes ist ein ‚Vielfalt-Check‘. Der Check ist ein digitales Instrument zur Selbstüberprüfung, Sensibilisierung und Impulsgeber für mittelständische Unternehmen. Sie können so eine erste Selbsteinschätzung vornehmen, aber auch Handlungsempfehlungen bekommen.

Der ‚Vielfalt-Check‘ sowie alle weiteren Projektergebnisse von AWARE im Detail sind nun online unter www.its-owl.de/aware und in einer Kurzpublikation (Download hier) erschienen. Dort gibt es einen Überblick über Handlungsempfehlungen und die Erfahrungen in den Pilotprojekten sowie Leitfäden, Workshopkonzepte und Schulungsmaterialien zum Download.

Wie geht es weiter? – BMBF-Kompetenzzentrum Arbeitswelt.Plus

Mit dem Projekt AWARE wurde wichtige Pionierarbeit für die die Arbeitswelt der Zukunft geleistet. Und mit dem rund 13 Millionen Euro geförderten BMBF-Kompetenzzentrum ‚KI in der Arbeitswelt des industriellen Mittelstandes in OstWestfalenLippe‘, kurz ‚Arbeitswelt.Plus‘, geht’s bis 2025 spannend weiter.

Im Kompetenzzentrum werden Erkenntnisse der Arbeitsforschung im Kontext von KI-Anwendungen zusammengeführt und passgenaue Lösungen für mittelständische Unternehmen entwickelt. KI-bezogene Forschungsergebnisse werden in Anwendungen bei größeren Mittelständlern (Leuchtturmprojekte) und KMU (Transferprojekte) erprobt. Dabei geht es zum Beispiel um Kompetenzmanagement, KI-Anwendungsszenarien, Technologieakzeptanz und Mitarbeiterbeteiligung. Ein Leistungsangebot an Informations- und Qualifizierungsmaßnahmen sichert den Transfer in die Region und darüber hinaus.

Projektpartner AWARE

Benteler                                   IG Metall                      TH OWL

Bosch Rexroth                          Hettich                         Universität Bielefeld

FH Bielefeld                              it‘s OWL                       Universität Paderborn

Fraunhofer IOSB-INA             Lenze                          Weidmüller

Fraunhofer IEM                       Miele

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