Ministerin Christina Schulze Föcking im Gespräch mit Wirtschaftsjunioren

Christina Schulze Föcking im Gespräch mit Wirtschaftsjunioren: „Nur wenn wir die Dinge ohne Polemik und Schaum vor dem Mund betrachten, kommen wir weiter.“
Luden zum Gespräch über Landwirtschaft und Umweltschutz (v.l.): Thomas Sprehe (Vorsitzender Wirtschaftsclub Paderborn + Höxter), Christian Hake (Leiter Arbeitskreis Zukunft & Politik bei den Wirtschaftsjunioren Paderborn +Höxter), Christina Schulze Föcking (Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz) und Karl-Heinz Wange (Ehrenmitglied der Wirtschaftsjunioren Paderborn + Höxter). Foto: WJ / Julika Kleibohm

„Es geht nicht darum, einfach alles rückabzuwickeln, sondern nach vorne zu schauen und gemeinsam Lösungen zu finden“, sagte Christina Schulze Föcking beim politischen Kamingespräch der Wirtschaftsjunioren Paderborn + Höxter im Delbrücker Hotel Waldkrug. Dabei setzt die Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz in der neuen NRW- Landesregierung auf Kommunikation. „Ich spreche mit allen.“ Ganz gleich ob das Bauern, Jäger, Imker, Verbraucherorganisationen oder Naturschützer seien. „Nur wenn wir die Dinge ohne Polemik und Schaum vor dem Mund betrachten, kommen wir weiter.“

Dabei sieht sie unter anderem in den heterogenen Strukturen in NRW eine besondere Herausforderung. „Wir brauchen für unterschiedliche Regionen oft unterschiedliche Antworten.“ So sei zum Beispiel für den ländlichen Raum eine besondere Förderung und die Öffnung des LEP notwendig, damit sich Unternehmen hier weiterentwickeln können. „Das ist natürlich nicht einfach“, so Schulze Föcking. „An den knappen Flächen gibt es viel Interesse und bei der Verteilung stoßen wir oft an Grenzen.“ Statt riesige Flächen als Kompensationsflächen für den Naturschutz auszuweisen, könnten aus ihrer Sicht auch, finanzielle Ausgleiche geschaffen, Industriebrachen genutzt oder bestehende Naturschutzgebiete aufgewertet werden. „Umweltschutz und Industrie sollten hier mehr an einem Strang ziehen.“

Auf die Frage, ob sie im Hinblick auf den drastischen Rückgang von Insekten und Singvögeln die Landwirtschaft mehr in die Pflicht nehmen wolle, verwies die Ministerin auf die bereits bestehenden Auflagen. „Die Landwirte müssen beispielsweise regelmäßig Bodenproben durchführen und dürfen ihre Gülle nur zu bestimmten Zeiten in entsprechender Menge ausbringen.“ Heute werde optimaler gedüngt als früher. Das wirke sich allerdings auf das „Langzeitgedächtnis“ der Gewässer nur verzögert aus. „Deshalb sollte man nicht nur die aktuellen Werte betrachten, sondern auch die Entwicklung“, so Schulze Föcking. „Wir befinden uns hier auf einem guten Weg und die Landwirte sind bereit, mitzuziehen.“ Im Übrigen zeige das Nitrat-Screening die Ausschläge im roten Bereich, nicht nur in Agrarbereichen, sondern häufig auch bei Golf- und Campingplätzen.

Vieles will sie nicht über mehr, sondern eher über weniger Kontrolle erreichen. So hätten beispielsweise die komplizierten Auflagen bei der Anlage von Blühstreifen um Maisäcker dazu geführt, dass es diese nicht mehr gebe. Auch der Strukturwandel werde durch immer mehr Auflagen gefördert. „Kleinere Betriebe können sich das einfach nicht mehr leisten.“ Den Vorschlag, landwirtschaftlichen Lohnunternehmen zum Schutz der Tiere für die Ernte Wildwarner vorzuschreiben, sah sie eher kritisch. „Hier ist der Sache ebenfalls, weniger durch Vorschriften als durch eine Zusammenarbeit mit den Jägern vor Ort gedient.“

„Auch die Wertschätzung von Lebensmitteln ist eine zentrale Frage“, bestätigte Schulze Föcking einen Hinweis aus dem Publikum. Elf Millionen Tonnen Nahrungsmittel würden jährlich in Deutschland weggeworfen. “Für uns ist es ganz selbstverständlich, dass immer von allem genug da ist – weil die Landwirte mit ihrer Arbeit dafür sorgen.“ Erwachsene und Kinder müssten wieder lernen, wo ihre Lebensmittel herkommen. Auch der oft kritisierte Im- und Export von Nahrungsmitteln sei durch das Verbraucherverhalten bedingt. „Weil bei uns niemand Ohren, Pfoten und Schwänze essen will, werden die nach China exportiert. Wir importieren dafür die Edelstücke.“ Sie betrachte die Landwirtschaft als eine Branche mit unterschiedlichen Erzeugungsformen. „Und der Verbraucher entscheidet mit seinem Kauf über die Entwicklung.“

Angesprochen auf das Thema Windenergie räumte Schulze Föcking ein, dass es in manchen Regionen übertrieben worden sei. „Der Zwischenweg ist aber eben nur ein schmaler Grat.“ Deshalb seien Bürgerwindparks eine gute Option. „Je mehr daran beteiligt sind, je größer die Akzeptanz.“ Grundsätzlich sollten aus ihrer Sicht die Anlagen mehr über das Land verteilt werden. Trotz aller juristischen Schwierigkeiten bei der Ausweisung gültiger Flächennutzungspläne müssten jedoch die Kommunen mit ins Boot. „Nur so können wir die Menschen vor Ort mitnehmen und einen möglichst großen Konsens erreichen.“

www.wj-pb-hx.de

Veröffentlicht von

Sascha Brinkdöpke

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