Ford hofft auf Rückendeckung aus den USA

Ford hofft auf Rückendeckung aus den USA Stuttgart (dapd). Ford Deutschland setzt in der westeuropäischen Absatzkrise auf die Rückendeckung durch den US-amerikanischen Mutterkonzern und bewährte Kriseninstrumente. „Es ist nicht so, dass wir in Europa rudern und die anderen gucken zu“, sagte Ford-Deutschland-Chef Bernhard Mattes vor Journalisten in Stuttgart. „Das ist ein Team“, sagte der Manager. Dennoch sieht Mattes noch mindestens ein weiteres schweres Jahr auf die Industrie in Europa zukommen. Er forderte deswegen die erneute Verlängerung des Kurzarbeitergeldes in Deutschland. Ford rechnet im Europageschäft im laufenden Jahr mit einem Verlust von mehr als einer Milliarde US-Dollar und will zunächst über eine freiwillige Regelung Stellen abbauen. Im Konzern läuft seit Mitte September ein Abfindungsprogramm für die Mitarbeiter in Deutschland und Europa. Ziel ist es, sich auf diese Weise von mehreren Hundert Mitarbeitern zu trennen. Laut Mattes ist es noch zu früh, um zu sagen, wie viele Mitarbeiter das Angebot annehmen. Die Krise im Europageschäft hat Mattes zufolge mehrere Ursachen. So sei der Absatz insgesamt zurückgegangen. Wurden 2007 noch 18 Millionen Fahrzeuge in Westeuropa verkauft, seien es im letzten Jahr 15,3 Millionen gewesen. In diesem Jahr würden 14 Millionen Fahrzeuge erwartet. „Wir gehen davon aus, dass wir im nächsten Jahr in Europa kein Wachstum haben werden“, sagte Mattes. Hinzu komme: „Ein noch intensiverer Wettbewerb drückt auf die Margen.“ Neben die etablierten Hersteller seien Anbieter wie Dacia oder Hyundai getreten. Schwere Verluste machen deswegen auch andere vom europäischen Markt abhängige Hersteller wie Opel, Fiat oder Peugeot. Bei Ford komme speziell hinzu, dass der Konzern massiv investiere, sagte Mattes. Viele der Neuentwicklungen im Konzern kämen aus Europa, deswegen würden die Entwicklungskosten zunächst hier negativ zu Buche schlagen. Mattes will reagieren, indem er die Produktion ständig der Nachfrage anpasst. Instrumente könnten eine Anpassung der Bandgeschwindigkeiten, Freischichten, die Vier-Tage-Woche oder Kurzarbeit sein. Zudem setzt er Hoffnung auf zahlreiche neue Modelle. In den kommenden fünf Jahren will der Konzern 15 davon vorstellen. „Das ist das breiteste Angebot, das wir je hatten“, sagte Mattes. Zudem solle ein Ford auch in jeder Weltregion gleich aussehen. „Das sind globale Produkte, die wir global absetzen“, sagte Mattes. Sechs der Fahrzeuge basieren auf einer gemeinsamen Plattform. Das führt zu geringeren Kosten, weil der Konzern auf mehr gleiche Teile zurückgreifen kann. Hier zeigt sich beispielsweise ein Unterschied zu Konkurrent Opel, der von der Mutter General Motors bei der Produktion relativ alleine gelassen wird. Experten fordern als ein Instrument zur Rettung der Rüsselsheimer unter anderem, die Werke auch mit Chevrolet-Modellen auszulasten. In Deutschland wolle sich Ford im Kampf um Marktanteile aber nicht auf jedes Instrument einlassen. „In Märkten, die stabil sind wie Deutschland, haben wir uns entschieden, bestimmte Dinge nicht zu tun, nur um Volumen und Marktanteile zu erhalten“, sagte er. So liege der Anteil der tageszugelassenen Fahrzeuge am Verkauf bei 25 bis 27 Prozent. Manche Hersteller gingen darüber hinaus. Für Ford komme das nicht infrage. Er sprach sich zudem für die Verlängerung des Kurzarbeitergelds aus. „Das kann in dieser Krise wieder hilfreich sein“, sagte Mattes. Sowohl Arbeitgeber als auch Gewerkschaften hätten sich gegenüber den zuständigen Behörden schon dafür ausgesprochen. Der Bezug von Kurzarbeitergeld wurde in der Krise 2008/09 zunächst auf 24 Monate ausgeweitet. Viele Unternehmen nutzten das, um ihre Stammbelegschaft zu halten. In der Folge wurde die Bezugsdauer immer weiter reduziert. Derzeit zahlt die Bundesagentur für Arbeit für sechs Monate Kurzarbeitergeld. Mattes wünscht sich, dass das Bundesarbeitsministerium per Verordnung wieder 24 Monate ermöglicht. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)

Veröffentlicht von

Peer-Michael Preß

Die Themenschwerpunkte des Autors sind B2B-Marketing, Medien und Kommunikationsstrategien und deren Umsetzung in der Praxis.

Seitb 20 Jahren ist er geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens Press Medien GmbH & Co. KG mit den Tätigkeitsbereichen Buch- und Zeitschriftenverlag, Druckerei und Medienagentur.

Er absolvierte die Ausbildung zum Verlagskaufmann in der Gundlach Gruppe, Bielefeld, und schloss erfolgreich ein Studium zum Betriebswirt mit Abschlussarbeit im Bereich Marketing zum Thema „E-Commerce in der graphischen Industrie“ ab.

Sie erreichen Peer-Michael Preß unter:

m.press@press-medien.de
www.press-medien.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.