Schlüssel zum Kapitalmarkt

Fokus auf höhere Effizienz bei alternativen Finanzierungsmöglichkeiten für den Mittelstand: Auf dem deutschen Markt für alternative Finanzierungen ist weiterhin eine wachsende Nachfrage zu beobachten, wenngleich die Finanzierungen der kleinen und mittleren Unternehmen von einer hohen Selbstfinanzierung sowie einer überwiegend bankorientierten Fremdfinanzierung geprägt ist.

In 2009 – also gerade mal vor vier Jahren – wurden in Deutschland fast 60 Prozent aller Mittelstandskredite von Sparkassen und Volksbanken vergeben. Diese sind sehr stark von den Neuregelungen in Bezug auf die durch Basel III verschärften Eigenkapitalanforderungen an Banken betroffen. Im Rahmen ihrer strategischen Neuorientierung werden sie zukünftig alle Risiken noch kritischer differenzieren und ihre Kreditkonditionen stärker bewerten. Jedes fünfte Unternehmen erfährt bereits jetzt starke Einschränkungen bei der Kapitalbeschaffung.

Die Johannes Müller Wirtschaftsberatung ist nach wie vor davon überzeugt, dass die Mittelstandsfinanzierung längerfristig einen tiefgreifenden Wandel erfahren wird – beschleunigt nicht zuletzt durch die jüngste Finanzkrise. Dabei das Beratungsunternehmen fest, dass eine effizientere Gestaltung immer mehr an Bedeutung gewinnt. Viele KMU haben zum aktuellen Zeitpunkt nur einen beschränkten Zugang zum Kapitalmarkt. Ein großes Hindernis bei der Nutzung des Kapitalmarktes ist unter anderem ihre mangelnde Bereitschaft, ihre Ergebnisse und Strategien zu kommunizieren. Seit Jahren weist man im Rahmen von Vorträgen, Workshops oder  täglicher Beratungsarbeit auf die Vorteile einer transparenten Finanzkommunikation hin.

Finanzierungsportale und Plattformen können kleinen und mittelständischen Unternehmen den Schlüssel für den Zugang zum Kapitalmarkt geben. Es handelt sich hierbei um wertvolle Ergänzungen für die Beschaffung von Eigen- und Fremdkapital. Und so funktioniert es: Elektronische Märkte können für informationsintensive Produkte als so genannte „Match-Builder“ fungieren, weil sie die Wünsche der Nutzer und die Angebote der Anbieter zusammen bringen können. Und dies zu geringen Transaktionskosten, da hier ein enormes Standardisierungspotenzial gegeben ist.

Crowdinvesting ist zum Beispiel eine neue Art der Finanzierung über elektronische Plattformen. Hier können sich zahlreiche Personen – insbesondere die jungen webaffinen Internetnutzer – oft bereits mit sehr geringen Investments über das Internet an Startups oder auch Bestandsunternehmen beteiligten. Unterstützer investieren in kreative Ideen und Produkte und erhalten als Gegenleistung Beteiligungen am möglichen Gewinn. Das Kapital ist am Markt vorhanden, es sucht nur nach guten Renditen und interessanten Themen, was die Bedeutung einer überzeugenden Investmentstory hervorhebt. Es darf nicht außer Acht gelassen werden, dass das Risiko des Kapitalverlustes wie bei jeder Art der Kapitalbeteiligung auch hier besteht, sofern das Unternehmen erfolglos bleibt. Festzustellen ist eine zunehmende Neigung seitens der Unternehmer, sich im Internet zum Thema Alternative Finanzierungen, dessen Konditionen und Finanzierungsarten zu informieren. Früher war dies bereits im Bereich des privaten Baufinanzierungsgeschäftes zu beobachten. Auch wenn die Nutzung des Internets bei vielen (potenziellen) Nutzergruppen für Finanzierungsangelegenheit immer noch mit etwas Argwohn betrachtet wird und die bisher über ein Crowdinvesting eingeworbenen Finanzierungsbeträge noch relativ gering sind, können hier inzwischen sprunghafte Wachstumsraten aufgewiesen werden.

Zwei Beispiele aus der Praxis
Ein bekannter Fall aus dem Jahr 2009 ist die Finanzierung des Transfers von Lukas Podolski. Die Investitionshöhe betrug 2 Millionen Euro. Insgesamt 100.000 Vereinsmitglieder sowie die Erlöse aus dem Bierkonsum des Rückkehr-Spiels gegen den FC Bayern München haben diesen Transfer ermöglicht. Ein weiteres Beispiel stammt aus dem Jahr 2011: die Finanzierung des Stromberg Kinofilms. In nur einer Woche – angesetzt waren 3 Monate – haben sich 3.000 Supporter an der Finanzierung in Höhe von 1 Million Euro beteiligt. Die Gewinnbeteiligung war an den Verkauf von mindestens 1 Million verkaufter Kino-Tickets geknüpft. Die stillen Beteiligten partizipierten an einer Gewinnbeteiligung von mehr als 50 Euro.

www.mueller-beratung.de

Veröffentlicht von

Peer-Michael Preß

Peer-Michael Preß – Engagement für die Unternehmerinnen und Unternehmer in der Region seit fast 20 Jahren. Als geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens Press Medien GmbH & Co. KG in Detmold ist er in den Geschäftsfeldern Magazin- und Fachbuchverlag, Druckdienstleistungen und Projektagentur tätig. Seine persönlichen Themenschwerpunkte sind B2B-Marketing, Medien und Kommunikationsstrategien. Sie erreichen Peer-Michael Preß unter: m.press@press-medien.de www.press-medien.de

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