Noch Luft nach oben beim Export

Etwa ein Drittel der Unternehmen in Ostwestfalen und im Münsterland erzielen Umsätze im Ausland.

Die Wirtschaft im Münsterland und im nördlichen Ruhrgebiet ist nach Einschätzung der für diese Regionen zuständigen Industrie- und Handelskammer Nord Westfalen „mit großem Erfolg“ im Ausland aktiv, habe aber „durchaus noch Wachstumspotenzial im internationalen Geschäft“. Vor allem in den Dienstleistungsbranchen sieht IHK-Hauptgeschäftsführer Karl-Friedrich Schulte-Uebbing „noch Luft nach oben“.
Insgesamt sind exakt 9.620 Unternehmen aus dem Münsterland und der Emscher-Lippe-Region auf ausländischen Märkten aktiv. „Also jedes neunte Unternehmen“, hat die IHK mit Sitz in Münster anhand der aktuell verfügbaren Umsatzsteuerstatistik von 2010 errechnet. Insgesamt werden rund zwei Drittel der Exportumsätze in EU-Ländern, ein Drittel im übrigen Ausland erzielt.
Während von den Industrieunternehmen jedes dritte am Auslandsgeschäft beteiligt ist, ist es im Bereich (Groß-)Handel und Verkehr jedes fünfte, bei den unternehmensnahen Dienstleistern nur noch jedes zehnte Unternehmen. Die IHK Nord Westfalen habe deswegen ihr Engagement für den Export von Dienstleistungen verstärkt.

Besonders exportorientiert ist weiterhin die Industrie. Im Durchschnitt erzielen 31,3 Prozent der Unternehmen mit ihren Waren Umsätze im Ausland. Besonders international aufgestellt ist die Papierindustrie: 71,4 Prozent aller Unternehmen sind hier am Export beteiligt. Es folgen die Chemie- (64,4 Prozent) sowie die Gummi- und Kunststoffindustrie (61,8 Prozent). Im Maschinenbau sind zwar „nur“ knapp 56 Prozent der Unternehmen im Exportgeschäft, doch erzielen sie mit fast 1,9 Milliarden den höchsten Auslandsumsatz im Vergleich der Branchen. Bemerkenswert auch: Beinahe 60 Prozent des Exportumsatzes dieser Branche erzielen die Unternehmen außerhalb der EU.
In Nord-Westfalen gibt es 318 Betriebe, die mehr als 50 Millionen Euro Jahresumsatz erreichen. 263 davon exportieren und erzielen fast 70 Prozent des gesamten Auslandsumsatzes der nord-westfälischen Wirtschaft.
Und die Internationalisierung der nord-westfälischen Wirtschaft geht weiter: „Russland, die Türkei, Frankreich, Norwegen und Großbritannien sind für die Betriebe interessant – genauso aber Brasilien, Chile, die Vereinigten Arabischen Emirate, China, Indien und die Zentralasiatischen Staaten“, fasst Schulte-Uebbing die zentralen Ergebnisse der IHK-Umfrage „Going International“ zusammen. 78 Prozent der Unternehmen wollen danach ihre Exportaktivitäten ausbauen. Auch Ostwestfalens Industrie setzt weiter auf Export – so kletterte der Auslandsumsatz im vergangenen Jahr um 14,8 Prozent auf 13 Milliarden Euro.

Erhoben wurden die Daten für das „Exportbarometer Ostwestfalen 2012“ der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld (IHK). An der Umfrage beteiligten sich 344 Unternehmen mit 65.000 Beschäftigten.
„Das Auslandsgeschäft hat in den vergangenen 15 Jahren maßgeblich zum Erfolg unserer Unternehmen beigetragen. Und dieser Prozess ist auch noch nicht abgeschlossen“, sagt Ulrich Wüseke, stellvertretender Vorsitzender des IHK-Außenwirtschaftsausschusses.

Trotz der positiven Exportentwicklung bleibe die Internationalisierung des Mittelstandes in Ostwestfalen ein sehr wichtiges Thema, insbesondere deshalb, da die Exportquote traditionell eher unterdurchschnittlich sei: „Die Schere zwischen Ostwestfalen, Bund und Land konnte bisher nicht weiter geschlossen werden.“ Die Exportquote ostwestfälischer Unternehmen lag wie im Jahr 2010 bei 33,5 Prozent, für die NRW-Unternehmen betrug sie 43,3 Prozent und auf Bundesebene 46,1 Prozent. Als Grund nannte Wüseke den im gleichen Zeitraum stark gestiegenen Inlandsumsatz ostwestfälischer Unternehmen und die im Krisenjahr 2009 stärker eingebrochene Exportquote der heimischen Unternehmen.

Im vergangenen Jahr hat der Kreis Gütersloh mit knapp sechs Milliarden Euro Exportvolumen, einem Plus von 23 Prozent, seinen Vorsprung deutlich ausgebaut und sichert sich damit Platz eins in Ostwestfalen. Auf Platz zwei liegt der Kreis Minden-Lübbecke mit einem Volumen von rund zwei Milliarden Euro.
Als exportstärkste Branche erwies sich erneut der Maschinenbau, in der fast ein Viertel des gesamten ostwestfälischen Exportvolumens erwirtschaftet wurde. Die Ernährungs- und Futtermittelindustrie schaffte es zum ersten Mal auf Platz zwei und hat damit die Anbieter elektrischer Ausrüstungen auf Platz drei verwiesen. Die Möbelindustrie lag wie im Vorjahr auf Rang vier. Insgesamt entfallen auf diese vier Branchen über 60 Prozent der Exportumsätze, heißt es bei der IHK.

„Für 2012 verbreitet das Auslandsgeschäft wieder viel Zuversicht. 61,1 Prozent der Unternehmen erwarten steigende Umsätz“„, berichtet Harald Grefe, stellvertretender IHK-Hauptgeschäftsführer. Besonders positiv schätzen die Unternehmen die erwarteten Geschäftsbeziehungen zu Russland, Indien, der Türkei und den USA ein – zusätzlich zu den traditionell guten Erwartungen gegenüber den direkten EU-Nachbarländern.
Für das laufende Jahr planen 17 Prozent der befragten ostwestfälischen Unternehmen steigende Auslandsinvestitionen. Als Investitionsland steht China an erster Stelle, gefolgt von den „EU-15“-Staaten (die Staaten, die vor der EU-Osterweiterung 2004 die EU bildeten). Platz drei teilen sich Russland, die Ukraine und Südosteuropa inklusive der Türkei.
Als Hauptgrund für ihr Engagement nennen die Firmen den Ausbau von Vertrieb und Kundendienst. Weitere Wachstumsimpulse gehen laut Grefe von Geschäftsbeziehungen zu den „BRIC“-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China) aus. Auch würden Zulieferer ihren deutschen Kunden vermehrt ins Ausland folgen.

Sorgen bereiten hingegen die Zunahme von Handelshemmnissen. Zwar gingen Zölle zurück, gleichzeitig erschwerten protektionistische Maßnahmen wie spezielle Zertifizierungspflichten, Embargo-Bestimmungen oder Visa-Zwang für Geschäftsreisende den Marktzugang. Auch die Tendenz, bilaterale statt multilaterale Handelsabkommen zu schließen, erschwere es für Unternehmen, den Überblick über die vielfältigen Exportbedingungen zu behalten.

Veröffentlicht von

Peer-Michael Preß

Peer-Michael Preß – Engagement für die Unternehmerinnen und Unternehmer in der Region seit fast 20 Jahren. Als geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens Press Medien GmbH & Co. KG in Detmold ist er in den Geschäftsfeldern Magazin- und Fachbuchverlag, Druckdienstleistungen und Projektagentur tätig. Seine persönlichen Themenschwerpunkte sind B2B-Marketing, Medien und Kommunikationsstrategien.

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