Intelligentes Stromnetz der Zukunft im Blick

Osnabrück. Die regionalen Betreiber der Stromverteilnetze stehen im Zuge der Energiewende vor immensen Herausforderungen. Um in Zukunft auf die verschiedensten Netzeinwirkungen vorbereitet zu sein, müssen die Stromnetze intelligent steuerbar sein – neudeutsch zu einem sogenannten „smart grid“ werden. Die Stadtwerke Osnabrück begegnen dieser Zukunftsaufgabe mit einem „smart grid“-Pilotprojekt.

„Im Fokus steht dabei natürlich, die bislang sehr hohe Versorgungssicherheit auch künftig gewährleisten zu können“, sagte Ingo Hannemann, Technischer Leiter der Stadtwerke, bei der Vorstellung des Pilotprojektes. Dass das Stromnetz der Stadtwerke höchsten Ansprüchen genügt, zeige ein aktuelles bundesweites Qualitätsranking der Bundesnetzagentur. Darin belegt das Stadtwerke-Stromnetz im Niederspannungsbereich den fünften Platz, lediglich überflügelt von vier kleineren Netzbetreibern im Süden Deutschlands. Konkret liegt die Ausfallzeit von einer halben Minute pro Kunde und Jahr in Osnabrück deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 4,24 Minuten pro Kunde und Jahr. In ihrer Auswertung hatte die Bundesnetzagentur die Versorgungsqualität von mehr als 200 Netzbetreibern in Deutschland analysiert.

Solaranlagen und E-Autos wirken auf Stromnetz
„Auf diesen Bestnoten ruhen wir uns aber nicht aus“, ergänzte Heinz-Werner Hölscher, Geschäftsführer der SWO Netz GmbH, der seit Jahresbeginn für den Netzbetrieb zuständigen Stadtwerke-Tochtergesellschaft. „Insbesondere die Verteilnetze nehmen eine entscheidende Rolle bei der Umsetzung der Energiewende ein. Deshalb beschäftigen wir uns frühzeitig mit den konkreten Auswirkungen auf unser Netz“, so Hölscher weiter. Die rasante Zunahme von EEG-Anlagen mit einer stark schwankenden Stromeinspeisung, der Zuwachs an kleinen Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen („Keller-Kraftwerken“) oder neue Anwendungen wie das Aufladen von E-Autos: Allein diese Beispiele zeigten, dass die Stromnetze gerade auf Niederspannungsebene künftig ganz anders belastet werden. „Die Frage ist: Wie lassen sich Verbräuche und Einspeisungen besser synchronisieren und sich das Stromnetz künftig besser und intelligent steuern?“, fasst Hölscher zusammen.

Pilotgebiet an der Alfred-Delp-Straße
Genau hier setze das jetzt startende „smart grid“-Pilotprojekt an. „Zunächst haben wir geprüft, welcher Bereich im Stadtgebiet dafür am besten geeignet wäre“, erläuterte Projektleiter Christian Drecksträter. Die Wahl fiel auf ein rund 60.000 m2 großes Kerngebiet rund um die Alfred-Delp-Straße im Stadtteil Wüste. „Hier gibt es eine vergleichsweise hohe Zahl an Fotovoltaikanlagen, zudem bietet sich die vorhandene Netzstruktur dafür an“, so Drecksträter weiter. In mehreren Schritten wird die SWO Netz GmbH die Trafostation und die Kabelverteiler im Pilotnetzgebiet mit entsprechender Messtechnik ausrüsten. Über einen längeren Zeitraum werden dann Bestandsmessungen durchgeführt, verschiedenste Szenarien entwickelt und simuliert und anschließend die Ein- und Auswirkungen auf das Netz gemessen und ausgewertet. Die Ergebnisse fließen dann in die Netzstrategie ein, werden aber auch für ein begleitendes „CityGrid“-Forschungsprojekt der Hochschule Osnabrück genutzt.

Aktive Unterstützung durch Anwohner erwünscht
Netzzugang und Stromversorgung der Anwohner im Pilotgebiet werden von den Maßnahmen nicht beeinflusst. „Ganz im Gegenteil: Wir würden es begrüßen, wenn die Anwohner uns aktiv unterstützen würden“, erläuterte Drecksträter. „Ein konkretes Szenario könnte sein, dass wir einigen Anwohnern E-Autos zur Verfügung stellen, die zu bestimmten Zeiten aufgeladen werden.“ Der SWO Netz-Experte legt im „smart grid“-Projekt deshalb einen besonderen Fokus auf die Kommunikation und den Austausch mit den Anwohnern. „Zum Projektstart werden alle Anwohner in den kommenden Tagen einen Infoflyer mit Antworten auf die zentralen Fragen im Briefkasten finden. Zudem planen wir regelmäßige Infotreffen“, ergänzte Drecksträter. Alle Infos zum Pilotprojekt sind auch auf der Homepage der Stadtwerke bzw. der SWO Netz GmbH unter www.swo-netz.de abrufbar.

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Peer-Michael Preß

Peer-Michael Preß – Engagement für die Unternehmerinnen und Unternehmer in der Region seit fast 20 Jahren. Als geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens Press Medien GmbH & Co. KG in Detmold ist er in den Geschäftsfeldern Magazin- und Fachbuchverlag, Druckdienstleistungen und Projektagentur tätig. Seine persönlichen Themenschwerpunkte sind B2B-Marketing, Medien und Kommunikationsstrategien.

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