Gut ein Drittel der Unternehmen spüren Auswirkungen der Krim-Krise

Bielefeld. Bei 39,1 Prozent der Unternehmen in NRW, die Wirtschaftsbeziehungen mit Russland haben, machen sich die Folgen des Konflikts zwischen Russland und der Ukraine in ihrem Tagesgeschäft aktuell bereits bemerkbar.

Der Außenwirtschaftsausschuss der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld (IHK) stellte in seiner jüngsten Sitzung eine Kurzumfrage dazu vor. Die IHKs in NRW hatten die Unternehmen nach ihrer Betroffenheit befragt. 200 Betriebe nahmen daran teil. „Wir blicken besorgt auf die Krim und hoffen, dass sich die Sanktionsspirale nicht in Gang setzt“, erläuterte Harald Grefe, stellvertretender IHK-Hauptgeschäftsführer.

37,3 Prozent der befragten Firmen gehen davon aus, dass sich die zukünftige Entwicklung ihrer Geschäftsbeziehungen verschlechtern wird, 53,9 Prozent gehen von gleichbleibenden und 8,8 Prozent sogar von verbesserten Beziehungen aus. Als konkrete Auswirkungen rechnen 54,3 Prozent der Befragten mit weniger Exportumsatz, 37,5 Prozent mit Finanzierungsschwierigkeiten und 28,8 Prozent mit Reiseeinschränkungen. Lieferengpässe bei Importen spielen mit 6,7 Prozent Nennungen bislang eher eine untergeordnete Rolle.

Eine der größten Sorgen der Unternehmen sei darüber hinaus, dass die russische Währung, der Rubel, infolge der Ereignisse weiter abgewertet werde. Grefe: „Dadurch werden deutschen Waren in Russland einerseits teurer, andererseits steigt die Gefahr, dass die russischen Kunden ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen können.“

Der IHK-Außenwirtschaftsausschuss verabschiedete in seiner Sitzung auch eine Resolution, in dem er die Initiative der EU-Kommission und der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika zum Abschluss eines Transatlantischen Freihandelsabkommens („Transatlantic Trade and Investment Partnership“, TTIP) ausdrücklich unterstützt. „Die auf Einzelaspekte verengte öffentliche Diskussion wird dem möglichen wirtschaftlichen Nutzen von TTIP nicht gerecht“, zitierte Grefe eine der Kernaussagen der Erklärung.

Von herausragender Bedeutung sei neben dem Abbau von Zöllen die Harmonisierung beziehungsweise gegenseitige Anerkennung von Normen, Standards und Zertifizierungen. „Dabei geht es ausdrücklich nicht um die Absenkung der hohen europäischen Verbraucherschutz-, Umwelt- oder Sozialstandards“, heißt es in der Resolution. Wünschenswert seien zudem Erleichterungen bei Geschäftsreisen und der Entsendung von Mitarbeitern in die USA. Zudem wird in der Erklärung von der EU-Kommission gefordert, durch ein Höchstmaß an Transparenz eine fundierte Meinungsbildung zu ermöglichen, wie aktuell auch vom Bundeswirtschaftsministerium verlangt. Des Weiteren sollten angesichts des überaus komplexen Verhandlungsgegenstandes Einigungen in wichtigen Einzelfragen bereits in Kraft gesetzt und nicht bis zum Abschluss des Gesamtabkommens aufgeschoben werden. Außerdem müsste eine parallele Vereinbarung zum Datenschutz, die das aktuell gestörte Vertrauen wiederherstellt, ergänzend zu einem TTIP-Abkommen abgeschlossen werden.

Veröffentlicht von

Peer-Michael Preß

Peer-Michael Preß – Engagement für die Unternehmerinnen und Unternehmer in der Region seit fast 20 Jahren. Als geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens Press Medien GmbH & Co. KG in Detmold ist er in den Geschäftsfeldern Magazin- und Fachbuchverlag, Druckdienstleistungen und Projektagentur tätig. Seine persönlichen Themenschwerpunkte sind B2B-Marketing, Medien und Kommunikationsstrategien.

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