Deutsche Unternehmen müssen sich umstellen

Detmold. „Raubbau an der Natur, Landflucht, Mega-Städte, Überalterung: China steht vor gewaltigen Umbrüchen!“ Mit diesen Worten begrüßte Matthias Carl, stellvertretender Geschäftsführer bei der Industrie- und Handelskammer Lippe zu Detmold (IHK Lippe), fast 40 Gäste zu einem China-Workshop in der IHK. Zu der Veranstaltung hatte die Kammer gemeinsam mit dem Detmolder Verein Lipasia e. V. eingeladen. Die Unternehmensvertreter wollten sich über aktuelle Chancen und Risiken im „Land des Lächelns“ informieren.

Für deutsche Unternehmen werden sich die Exportchancen verschlechtern. Davon ist Prof. Dr. Rolf J. Langhammer, ehemaliger Vizepräsident am Kieler Institut für Weltwirtschaft, überzeugt. In China steigen die Löhne, die Marktpreise sinken. „Chinas Geschäftsmodell ändert sich, weg vom Export hin zum Binnenmarkt“, beobachtet Langhammer. Dabei spielten nachhaltiges Wachstum, Effizienztechnologien und auch soziale Reformen eine wesentliche Rolle. Das Bildungs- und Gesundheitswesen werde ausgebaut, Dienstleistungen für chinesische Kunden würden immer wichtiger. „Darauf sind Amerikaner und Briten viel besser vorbereitet als die Deutschen!“ mahnte Langhammer.

Immer schwieriger wird in China die Suche nach Fachkräften. Pro Jahr drängen allein 25.000 neue ausländische Firmen ins Land, die alle gute Arbeitskräfte suchen. „Der Markt ist förmlich abgegrast“, weiß Sabine Dietlmeier, Expertin bei der Deutsch-Chinesischen Auslandshandelskammer. Die Fachfrau erwartet für 2013 Lohnsteigerungen bis 15 Prozent, bei den Mindestlöhnen sogar bis 20 Prozent. Johann Wiebe von Weidmüller Interface in Eisenach bestätigte dies: „Wer wegen niedriger Löhne nach China geht, sollte es gleich sein lassen. China ist kein Billiglohnland!“ Weidmüller sei vor Ort, weil man den Markt beliefern wolle. „Das geht nur, wenn man vor Ort präsent ist“, so Wiebe.

Langjährig engagiert in China ist auch die Firma Isringhausen aus Lemgo. „Wir sind damals unseren Kunden gefolgt“, berichtete Michael Eckardt, Key Account Manager bei dem Sitzhersteller. Der Einstieg in China erfordere viel Zeit, gute Beziehungen und Verständnis für die andere Kultur. Vor allem das deutsche Qualitätsverständnis könne nur mit Geduld umgesetzt werden. „Haben Sie trotzdem keine Angst, begegnen Sie ihren Geschäftspartnern mit Vertrauen“, empfahl Eckardt.

Bei der Rechtssicherheit ist China weit von deutschen Standards entfernt. Vor allem beim Thema „Produktpiraterie“ nahm Dr. York-Gero von Amsberg den Teilnehmern jegliche Illusion. „Etwa eine Million Geheimdienstmitarbeiter betreiben allein für den Staat Wirtschaftsspionage“, brachte der Rechtsanwalt, der für die chinesische Großkanzlei Deheng arbeitet, Fakten. Besonders gefährdet seien Unternehmen mit Produkten im „Zielkorridor des Fünfjahresplanes“. Trotzdem gebe es Chancen, gegen Produktpiraten vorzugehen. Diese lägen auch im außergerichtlichen Bereich – wenn man gute Beziehungen habe.

Veröffentlicht von

Peer-Michael Preß

Die Themenschwerpunkte des Autors sind B2B-Marketing, Medien und Kommunikationsstrategien und deren Umsetzung in der Praxis.

Seitb 20 Jahren ist er geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens Press Medien GmbH & Co. KG mit den Tätigkeitsbereichen Buch- und Zeitschriftenverlag, Druckerei und Medienagentur.

Er absolvierte die Ausbildung zum Verlagskaufmann in der Gundlach Gruppe, Bielefeld, und schloss erfolgreich ein Studium zum Betriebswirt mit Abschlussarbeit im Bereich Marketing zum Thema „E-Commerce in der graphischen Industrie“ ab.

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