Der Tourismus in Westfalen-Lippe hat in vielen Bereichen sehr unter den Lockdowns gelitten. Hier das Freilichtmuseum Detmold. - Foto: Frank Möller/Press Medien
Der Tourismus in Westfalen-Lippe hat in vielen Bereichen sehr unter den Lockdowns gelitten. Hier das Freilichtmuseum Detmold. - Foto: Frank Möller/Press Medien

Große Herausforderungen für den Tourismus in Westfalen-Lippe

Die Tourismusbranche in Westfalen-Lippe hat im Jahr 2020 aufgrund der Corona-Pandemie erhebliche Einbußen erlitten: 10,7 Millionen Übernachtungen weniger als im Vorjahr bedeuten ein Minus von 39,8 %. Durch den zweiten Lockdown brachen Nachfrage- und Umsatzzahlen in den ersten fünf Monaten 2021 für die meisten Unternehmen in der Branche dann fast vollständig weg.

Aktuell haben die Betriebe aufgrund sinkender Inzidenzzahlen die Möglichkeit, wie- der zu öffnen und Umsatzverluste aufzuholen: Für die Sommerferien stehen Strand, Natur und Ferienhäuser ganz oben auf der Favoritenliste der Gäste. Aber auch der generelle Trend zu Outdoor-Aktivitäten rund um Wandern, Radfahren und Co. hält an. Das ergab die Auswertung des Sparkassen-Tourismusbarometers 2021 für West- falen-Lippe, das in diesem Jahr zum neunten Mal erscheint. Der Sparkassenverband Westfalen-Lippe präsentierte die Ergebnisse als Livestream. Der Zuspruch war groß – 160 Gäste aus der Tourismusbranche, aus Kommunen und Sparkassen nahmen an der Veranstaltung via Internet teil.

Alle Regionen von den Corona-Beschränkungen betroffen

Die fünf Tourismusregionen in Westfalen-Lippe litten unter den Pandemie- Beschränkung unterschiedlich stark – aber für alle waren die Verluste dramatisch: Im Ruhrgebiet war der Rückgang mit einem Minus von 50 % auf 3,6 Millionen Über- nachtungen am stärksten. Das Münsterland verbuchte 40,2 % weniger Übernach- tungen (2,4 Millionen) und die Region Siegen-Wittgenstein kam auf 0,5 Millionen Übernachtungen (-38,1 %). Im Teutoburger Wald ging die Übernachtungszahl um 35,4 % auf 4,5 Millionen zurück, im Sauerland betrug der Rückgang 34,3 % (5,2 Millionen Übernachtungen).

Lockdown trifft Freizeit-Einrichtungen hart

Als einziger Teilbereich der Freizeitwirtschaft konnten die Landschaftsattraktionen in Westfalen-Lippe im vergangenen Jahr ein Besucherplus verbuchen (+6,7 %). Alle übrigen Einrichtungen erlitten trotz einer kurzen Erholungsphase zwischen Juli und Oktober 2020 weiterhin Verluste: Am stärksten betroffen waren die Stadtführungen (-78,6 %). Burgen und Schlösser verzeichneten 69,9 % weniger Besucher – Erlebnis- bäder/Thermen (-58,1 %) und Museen (-55,8 %) hatten mehr als die Hälfte weniger Besucher als im Vorjahr. Bei den Freizeit- und Erlebniseinrichtungen betrug der Rückgang 44,6 %, bei den Zoos und Tierparks 22,6 %. Bis Mai 2021 verschärfte sich die Situation weiter.

Sparkassen unterstützen Unternehmen in der Krise

„Die Sparkassen in Westfalen-Lippe haben Verantwortung für die Region übernom- men und in der Krise schnelle und pragmatische Hilfe angeboten“, erklärte der Vize- präsident des Sparkassenverbandes Westfalen-Lippe, Jürgen Wannhoff. „Die Hilfs- programme von Bund und Ländern waren noch nicht angelaufen, da haben Sparkas- sen schon mit der Ausweitung von Kreditlinien oder Tilgungsaussetzungen gehol- fen.“

Mit der Wiedereröffnung der Betriebe allein sind die Probleme aber nicht gelöst: Bei einer Online-Befragung gaben 92 % der Unternehmerinnen und Unternehmer aus der Tourismusbrache an, dass ihre finanziellen Mittel ohne Unterstützung von außen nicht ausreichen, um die Krise zu überstehen. Sie wünschen sich von der Politik, dass sie langfristige Perspektiven schafft und Fördermittel für Investitionen bereitstellt.

Für die Zukunft machte Wannhoff den Betrieben Mut: „Wenn es gelingt, die durch die schrittweisen Wiedereröffnungen entfachte Aufbruch-Stimmung in Schwung und Innovationskraft umzuwandeln, stehen die Chancen für eine erfolgreiche Zukunft für die Tourismusbranche gut. Denn die Nachfrage nach touristischen Angeboten ist so groß wie nie zuvor. Der Aufholbedarf ist enorm.“

Fachkräftemangel bleibt größte Herausforderung

Schon vor der Pandemie war es für die Tourismus- und Freizeitbranche eine große Aufgabe, dringend benötigte Fachkräfte zu gewinnen und auch langfristig zu halten – Corona hat die Suche nach gut ausgebildeten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nicht einfacher gemacht. 73 % der Betriebe in Nordrhein-Westfalen erwarten einen Mitarbeiterverlust an andere Branchen, 19 % der Ausbildungsplätze sind nicht be- setzt. Für die Zukunft wird es darum gehen, die Widerstandsfähigkeit der Unterneh- men nicht nur in Krisenzeiten zu stärken. Das diesjährige Schwerpunktthema des Tourismusbarometers „Resilienz im Tourismus“ beschäftigt sich darum mit der Fra- ge, wie sich die Unternehmen zukunftssicher und widerstandsfähig aufstellen kön- nen.

Der Jahresbericht 2021 des Sparkassen-Tourismusbarometers Westfalen-Lippe steht ab sofort zum Herunterladen bereit (www.s-tourismusbarometer-wl.eu).

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