Zölle auf US-Produkte: Hier bekommen die Deutschen die Folgen zu spüren

Seit Antritt seines Präsidentenamtes hat Donald Trump bereits für eine Reihe unbekömmlicher Schlagzeilen gesorgt und auch im Sommer bleiben düstere Nachrichten aus den USA nicht aus. So scheint dem Staatsoberhaupt der Vereinigten Staaten gar nicht zu schmecken, dass Deutschland neuerdings Zölle auf bestimmte amerikanische Import-Produkte einführt. Kenner der Szene munkeln bereits, dass binnen kürzester Zeit ein Strafzoll auf deutsche Auto-Importe in die USA folgen wird – eine trotzige Gegenreaktion. Doch was bedeutet die Einführung der Zölle für die Deutschen konkret? Wo bekommen Verbraucher die zusätzlichen Kosten zu spüren? Dieser Artikel schafft Einblick in diese hochaktuelle Frage.

US-Produkte: Was kommt aus Amerika?

Viele Produkte, die Menschen hierzulande konsumieren, haben ihren Ursprung in den Vereinigten Staaten, ohne dass es den Käufern bewusst wäre. So kann es gut sein, dass die neue Jeans den langen Weg von Übersee zurückgelegt hat, bevor sie in Deutschland über die Ladentheke gewandert ist. Oder der Whiskey zum Aperitif stammt aus einer amerikanischen Brennerei. Ein Produkt, das praktisch Symbolcharakter für die USA hat, ist aber die Erdnussbutter – bei ihr wissen viele intuitiv, dass sie nicht aus Deutschland stammt. Auch in ihrem Preis wird sich die neue EU-Regelung zu den Importzöllen niederschlagen.

Strafzölle auf Stahl und Aluminium: die Wurzel allen Übels

Die EU hat diese Zölle nicht einfach aus Missmut gegenüber den USA eingeführt oder weil sie den Konsumenten die Freude an amerikanischen Produkten verderben will. Vielmehr wurde die Neuerung durch einen ähnlichen Coup von Trump provoziert. Dieser ließ kürzlich Strafzölle auf Produkte aus Stahl und Aluminium verhängen, obwohl eine solche Änderung den Grundsätzen der Welthandelsorganisation (World Trade Organisation WTO) eigentlich widerspricht. In der Folge sah sich die EU gezwungen, die zusätzlichen Ausgaben durch die Strafzölle durch Zölle ihrerseits auszugleichen. Auch deshalb unterstrich die EU-Handelskommissarin unmittelbar nach der Einführung, dass die Maßnahme allein aus strategischen Gründen ergriffen worden sei und man hoffe, sie bald – zusammen mit den Strafzöllen auf Aluminium – wieder abschaffen zu können.  Momentan seien sie aber notwendig: Die EU verspricht sich durch die Zölle Einnahmen in Höhe von 2,8 Milliarden Euro.

Was wird teurer?

Tiefer in die Tasche greifen müssen Verbraucher zukünftig bei Produkten wie Lebensmitteln, Alkohol und Kleidung, wobei die Veränderung im Bereich der Lebensmittel besonders schnell eintreten wird. In der Mode findet die Preissteigerung dagegen leicht versetzt statt: Kollektionen werden weit im Voraus vereinbart, die aktuelle Kleidung verändert ihren Preis daher nicht. Auch die Börse ist sensibel für derlei Veränderungen. Häufig lassen sich wirtschaftliche Neuerungen oder Schlagzeilen direkt an den Kursen ablesen, und das gilt für den Aktien- ebenso wie für den Devisenmarkt. Deshalb schneidern viele Forex-Broker persönliche Angebote für ihre Kunden, um ihnen trotz schwankungsbehafteter Märkte beste Trades zu ermöglichen. Im Einzelhandel gibt es eine ähnliche Bremse, die verhindert, dass erhöhte Preise die Endverbraucher in voller Härte treffen: So sorgt der starke Wettbewerb dafür, dass Anbieter kontinuierlich versuchen, sich zu unterbieten und die Preise für Kunden weiterhin vergleichsweise niedrig bleiben.

Neben Konsumgütern, an denen selbst Normalbürger die Einführung der Zölle ablesen können, wird sich aber auch der Preis für spezielle Güter wie Schiffe und Stahlerzeugnisse verändern. Genau wie auf die Konsumgüter wird auf sie in Zukunft ein Zoll von 25 Prozent erhoben.

Mehr als nur eine Preisfrage

Die Erhebung der Zölle und die in der Folge steigenden Preise sind unnötig und lästig. Doch nicht nur deswegen ist die derzeitige Lage ungemütlich. Der Konflikt sorgt für ein angespanntes Verhältnis der USA zur EU und zu Kanada, das durch weitere Streitigkeiten eskalieren könnte. Zudem ist das Vertrauen der Staatsoberhäupter in Trump erheblich geschädigt. Auch die europäische Wirtschaft insgesamt leidet. So ist die Wachstumsprognose für den IWF seit der Verkündung der Zölle merklich zurückgegangen. Experten gehen nicht davon aus, dass unter den gegebenen Umständen das ursprünglich prognostizierte Maß an Wachstum erreicht werden kann.

Strafzölle für alle: ein weltweites Phänomen

Nicht nur mit der EU hat sich Präsident Trump in Sachen Zölle angelegt. Auch globale Wirtschaftsmächte wie China müssen künftig mehr löhnen, wenn sie ihre Produkte auf dem amerikanischen Markt anbieten wollen. Selbstverständlich lassen diese Großmächte sich das nicht einfach so gefallen. Selbst Russland, dem in letzter Zeit ein enger Verbund zu den USA und Präsident Trump nachgesagt wurde, verkündete kürzlich, es werde Strafzölle auf bestimmte US-amerikanische Produkte erheben. Und nun steigt auch Indien in den Streit mit ein. Besonders landwirtschaftliche Produkte wie Walnüsse oder Kichererbsen werden hier bald mit einem erhöhten Import-Zoll belastet.

Es sind also nicht nur bestimmte Länder, sondern die ganze Weltwirtschaft, die unter den Entwicklungen in den USA leidet. Denn die Auswirkungen der Zölle für China bekommt über mehrere Ecken auch der europäische Markt zu spüren. Es bleibt zu hoffen, dass die Politiker in der Zukunft doch noch zu einem Kompromiss finden. Dadurch könnten die Zölle wieder abgeschafft und eine ernsthafte Eskalation des Konfliktes vermieden werden. Bis dahin muss man abwarten, ob sich Trump doch noch erweichen lässt.

Veröffentlicht von

Peer-Michael Preß

Peer-Michael Preß – Engagement für die Unternehmerinnen und Unternehmer in der Region seit fast 20 Jahren. Als geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens Press Medien GmbH & Co. KG in Detmold ist er in den Geschäftsfeldern Magazin- und Fachbuchverlag, Druckdienstleistungen und Projektagentur tätig. Seine persönlichen Themenschwerpunkte sind B2B-Marketing, Medien und Kommunikationsstrategien.

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