Nur für das Foto kommen sich Cynthia Greenfield (links) und Birgit Meierrieks (rechts) etwas näher. Ansonsten halten sie sowohl bei der Arbeit als auch beim Gespräch mit "WIR Wirtschaft Regional" reichlich Abstand. - Foto: Frank Möller
Nur für das Foto kommen sich Cynthia Greenfield (links) und Birgit Meierrieks (rechts) etwas näher. Ansonsten halten sie sowohl bei der Arbeit als auch beim Gespräch mit "WIR Wirtschaft Regional" reichlich Abstand. - Foto: Frank Möller

„Dann ist es durch“ – Lippische Messebauerinnen und Covid 19

Seit 25 Jahren führen die Innenarchitektinnen Cynthia Greenfield und Birgit Meierrieks erfolgreich das Messebauunternehmen „circulus design gmbh“. Europaweit konnten sie bisher mit ihrem „Rundum-sorglos“-Geschäftsmodell die Kunden zufriedenstellen, bei dem das Design „nur“ der kreative Teil der Arbeit war. Denn vom ersten Kontakt bis zur Standübergabe sollten sich die Auftraggeber gut aufgehoben fühlen. Sowohl die Anmeldungen und messeseitigen technischen Dienstleistungen als auch das Einreichen der Standbaugenehmigungen gehörten zu ihrer vielseitigen Arbeit. „Starten Sie pünktlich, entspannt und gut gelaunt in die Messe“, ist das Motto der Firma für ihre Kunden.

Aber kurz vor der Jubiläumsfeier wird das Unternehmen von der Covid-19-Krise eingeholt, die das ganze Messewesen hart trifft. Und fast über Nacht steht nicht nur das Designer-Duo vor dem Abgrund, sondern auch ein Partnerunternehmen mit fünf fest angestellten Messebauern, das bisher ebenfalls von den Aufträgen abhängig war, die Greenfield und Meierrieks akquirierten.

Nach vier Monaten Lockdown, Stornierungen und keinen neuen Messen in Sicht stellt sich die bange Frage nach den Perspektiven. Was, wenn es auch in zwei Jahren noch keine Messen gibt? „Dann ist es durch“, sagen beide. Man merkt ihnen im Gespräch den Druck der gegenwärtigen Belastungen an. Es ist nicht nur die Schreckensvision, dass sich das „Lebenswerk“ so plötzlich und unvorbereitet in Luft auflösen könnte. Es gibt einfach keine Aufträge mehr, keine Messen und keine Arbeit. „Wir wollen arbeiten“, sagen beide mit Nachdruck – und ihre Vielseitigkeit, Professionalität und Erfahrung geben Hoffnung. Doch alternative Geschäftsfelder liegen nicht auf der Hand, sondern müssen mit Kreativität erarbeitet und erdacht werden. „Wir verschulden uns gerade ordentlich. Wir haben aber auch nicht wirklich eine Alternative, und dazu kommt, dass wir ein so tolles Team und so tolle Kunden haben, dass wir zurzeit keinen anderen Weg für uns sehen.“ Gelegentlich gibt es kleine Aufträge, wie z. B. die Erstellung von Keynote-Präsentationen und dergleichen. Doch die reichen nicht annähernd aus, um das Defizit auszugleichen.

Die reale physische Begegnung von Menschen bei Messen sei langfristig nicht ersetzbar, sind sich die beiden einig. Zwar experimentieren verschiedene Firmen mit virtuellen Messen, Web-Seminaren und dergleichen, doch die Kosten sind exorbitant. Sollte man sich also doch intensive Gedanken machen, wie man eine Messe und einen Messestand möglichst hygienisch konzipiert? Aber was hilft das wiederum, wenn nicht einmal die Anreise mit dem Flugzeug möglich ist? Viele Messen in Deutschland lebten vor allem auch von den Besuchern aus Übersee. Immerhin sind die europäischen Grenzen wieder offen … Doch die Unsicherheit bleibt.

Derweil läuft die Suche nach alternativen Geschäftsmodellen bei der „circulus design gmbh“ auf Hochtouren, und natürlich ist die Vielseitigkeit und Kreativität der bisherigen Arbeit und die Erfahrung als Geschäftsführerinnen eines kleinen Unternehmens ein Bonus, der das Team mit einer gewissen Resilienz ausstattet. Doch auch einfache Jobs anzunehmen sind sich die Geschäftsführerinnen nicht zu schade, obgleich sie natürlich bemüht sind, ihre besten Talente eingesetzt zu sehen. „Als Innenarchitektinnen können wir Büros, Eingangsbereiche, Ladenbau, Thekenanlagen und Einrichtungen im privaten Bereich planen, Sondermöbel bauen und vieles mehr“, sagt Birgit Meierrieks. „Wir haben in vielen Töpfen gerührt, aber leider hat sich da noch nichts ergeben“, sekundiert Cynthia Greenfield mit Blick auf die Versuche der Neuorientierung in den letzten Monaten. So schnell ist ein Neustart nicht gemacht. Es entwickelt sich ein Gespräch über Hygiene als Teil der Gestaltungsüberlegungen, und es wird klar, dass die Kunden vorerst nicht davon ausgehen, dass alles wieder so wird wie vor Covid-19.

Doch die Pandemie ist eine Katastrophe mit Ansage, denn seit Jahrzehnten warnen die Wissenschaftler vor weltumspannenden Seuchen. Mit Covid-19 sei die Menschheit allerdings noch einmal glimpflich davongekommen, sagen die. Man stelle sich nur ein Virus vor, das so ansteckend ist wie Covid-19 und so tödlich wie Ebola. Was wie ein Horrorfilmszenario klingt, ist keineswegs abwegig und wird auch von namhaften Wissenschaftlerinnen wie Jane Goodall zu bedenken gegeben. Wenn die Einsicht wächst, dass der Schutz vor Seuchen Teil unseres Alltags wird, dann werden auch die Messebetreiber Hygienemaßnahmen dauerhaft in ihre Konzepte aufnehmen müssen, wenn sie weiterexistieren wollen. Wenn nicht, dann stirbt möglicherweise einer der bedeutendsten Industriezweige in Deutschland mit dem gesamten Netz der von ihm abhängenden Gewerke inklusive der Messebauerinnen von „circulus design gmbh“.

www.circulus-design.de

Ein Gedanke zu „„Dann ist es durch“ – Lippische Messebauerinnen und Covid 19“

  1. Ein leider etwas vergessener Zweig in dem insgesamt umfangreichen Hilfspaket der Bundesregierung. Es wäre wirklich toll, wenn sich Aufträge für die talentierten und motivierten Innenarchitektinnen ergeben und die Firma im 25. Jubiläumsjahr gerettet wird.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.