Seit dem 22. Mai 2021 leben Julia Rohde (l.) und Anna Repgen (r.) mit der eigenen boulder factory ihren Traum. Gut, dass sie in der Gründungsphase von ihrem Vorhaben nicht abgesprungen sind. - Foto: Wirtschaftsförderung Münster GmbH/Martin Rühle

boulder factory – auf turbulente Hängepartie folgt Happy End

Münster, 28. September 2021. Damit es beim Bouldern spannend bleibt, bedarf es immer neuer Routen mit steigenden Anforderungen. „Das ungesicherte Klettern in bis zu 4,50 Metern Höhe an Felsblöcken oder künstlichen Formationen sind für den Kopf und Körper enorm herausfordernd“, betonen Anna Repgen (27) und Julia Rohde (28). Sie klettern beide leidenschaftlich und wissen, wovon sie reden. Vermutlich haben die sportlichen und mentalen Fähigkeiten den jungen Frauen auch entscheidend dabei geholfen, eine der schwierigsten Passagen ihres Lebens zu durchstehen: Die Gründung der boulder factory Münster.

Aber: „Die Pandemie hat uns alles abverlangt: Finanziell, kräftemaßig und emotional. Dieses komplexe Vorhaben stand lange auf der Kippe. Wir haben es mit viel Kraft und Energie jedoch gestemmt bekommen“, blicken die Jung­unternehmerinnen auf eine fast anderthalbjährige Hängepartie mit Happy End zurück. Aus unterschiedlichen Gründen konnten sie erst am 22. Mai 2021 mit ihrem 1.200 Quadratmeter großen Kletterzentrum an der Rudolf-Diesel-Straße starten. Seitdem leben sie ihren Traum der Jungunternehmerinnen, der eigenen Chefinnen und Arbeitgeberinnen von sieben Beschäftigten auf 450-Euro-Basis.

„Es ist beachtlich, was diese beiden jungen Frauen in den vergangenen zwei Jahren durchlebt und geschafft haben“, zollt die Gründungsberaterin Elisabeth Remmersmann von der Wirtschaftsförderung Münster GmbH (WFM) dem Duo größten Respekt. Remmersmann begleitet das Projekt boulder factory nunmehr seit zirka zwei Jahren. Im September 2019 präsentierten Anna Repgen und Julia Rohde der WFM ihren Businessplan. Dann nahm das Vorhaben seinen turbulenten Verlauf. Remmersmann rückblickend: „Das war eines der schwierigsten Gründungsvorhaben, das ich jemals begleitet habe.“

Los ging es für Anna Repgen und Julia Rohde mit der Suche einer entsprechenden Location, die zu einem Boulder-Zentrum umgebaut werden konnte. „Kaum hatten wir diese Halle gefunden, begann auch schon die Anmietung. Sonst hätte uns ein anderes Unternehmen dieses Objekt vor der Nase weggeschnappt.“ Das war schon Ende 2019. Dann kam die erste Corona-Welle im März 2020, die Zeit der großen Verunsicherung sowie die Beantragung der Nutzungsänderung und der Umbau bis in den Herbst hinein. Doch aus der Eröffnung wurde wieder nichts.

Die nächste Coronaschutz-Verordnung machte Anna Repgen und Julia Rohde im November 2020 erneut einen Strich durch die Rechnung und in der Not erfinderisch: Die ausgebildete Sporttherapeutin Repgen und Physiotherapeutin Rohde boten in der boulder factory eine individuelle Bewegungstherapie mit dem Schwerpunkt Bouldern an. „Zwar durften wir wegen der Auflagen immer nur zwei Kunden empfangen. Doch damit trugen wir immerhin 80 Prozent der Fixkosten. Für alle weiteren Zahlungen griffen wir auf unser Erspartes und auf die Bank zurück“, erinnern sich die Frauen.

Immerhin: Der Vermieter, mit dem die Jungunternehmerinnen ein sehr gutes Verhältnis pflegen, nahm in der Lockdownphase mit Mietstundungen den Druck aus dem Kessel. „Unter normalen Mietbedingungen hätten wir die boulder factory schließen müssen, bevor sie überhaupt geöffnet war.“ Doch die Gründerinnen stellten unter Beweis, was mit Idealismus, Durchhaltevermögen und Zielstrebigkeit zu erreichen ist, insbesondere dann, wenn „frau“ einige Dinge selbst vorantreibt: „Wir haben in der boulder factory auch viel selbst Hand angelegt, weil wir die Dinge mitgestalten wollen. Das hat den Glauben an das Machbare und die Identifikation mit unserem Projekt nochmals gestärkt.“ Jetzt sind sie an ihrem Ziel angekommen. „Das ist Gründung par excellence“, betont Remmersmann.

Inzwischen erfreut sich das Angebot in der Community einer wachsenden Beliebtheit. Das umfangreiche Angebot spricht Anfänger und auch Fortgeschrittene an, selbst ein Kletterbereich für Kinder ist vorhanden. Im Café- und Loungebereich lässt sich Entspannen, gemütlich die Gemeinschaft pflegen oder anderen beim Klettern zuschauen. „Letztens sagte ein Kind: Die boulder factory ist für mich und meine Eltern zum zweiten Wohnzimmer geworden“, so Anna Repgen. Das spricht für einen Ort mit Wohlfühl-Atmosphäre.

Das A und O der boulder factory ist die regelmäßige Umgestaltung der Routen für jedes Niveau. So werden die Griffe Donnerstagnacht entfernt, gereinigt und freitags durch einen international erfahrenen Hauptroutenschrauber neu montiert, damit sich die Boulderer einer nächsten Herausforderung stellen dürfen. „30 Prozent unserer Gäste kommen genau deswegen. Sie schätzen die wöchentlich veränderte Routenführung mit unterschiedlichsten Schwierigkeitsgraden.“ In Anbetracht der wachsenden Community hat sich der Herzschlag der beiden Frauen beruhigt. „Wir schauen voraus und haben noch viel vor.“

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