Manchmal kommen sie wieder

Beckum. Mit der Zunahme des Online-Handels steigt zwangsläufig auch die Zahl der Retouren. Das bezieht sich nicht nur auf Kleidung und Schuhe, sondern beispielsweise auch auf Elektronikartikel. Für viele Versandhändler sind Retouren ein notwendiges Übel, das mit erheblichen Kosten verbunden ist. Entsprechend groß ist die Bedeutung, die dem professionellen Umgang mit zurückgegebener Ware zukommt.

Mit einfach zu integrierenden, vielseitig einsetzbaren Quergurtsortern sorgt die BEUMER Group bei Versandhändlern oder -dienstleistern für ein effizientes, durchgängiges Retouren-Handling und eine rationelle Bearbeitung der Waren.

Das Kaufverhalten hat sich in der Bevölkerung geändert. Der gedruckte Katalog ist zwar immer noch sehr beliebt, doch die meisten Kunden suchen hier nur Informationen, gekauft wird online. Technologien wie Smartphones und Tablets treiben diesen Trend noch weiter voran. Doch nach Schätzungen von Marktforschern gehen bis zu 30 Prozent der bestellten Artikel wieder zurück zu den Händlern. Vor der Fußballweltmeisterschaft bestellten Kunden zum Beispiel Fernseher und schickten sie direkt danach zurück. Häufig werden auch Kleidungsstücke in drei bis vier Größen und Farben bestellt. Das kundenfreundliche deutsche Fernabsatzgesetz unterstützt dieses Verhalten, denn es ermöglicht ohne Angabe von Gründen eine kostenfreie Rücksendung innerhalb von 14 Tagen. Ausprobieren ist erlaubt, Artikel dürfen dem „bestimmungsgemäßen Gebrauch“ nach geprüft, Fernseher angeschlossen, Kleider anprobiert und Elektronikartikel getestet werden.

Die Händler kostet jede Rückgabe jedoch sehr viel Geld, weil sie nicht nur für die Rücksendekosten und bei einer Komplettrücksendung auch noch für die Versandkosten aufkommen müssen. Zusätzlich müssen sie die betroffenen Waren auspacken, prüfen, ob sie verschmutzt oder beschädigt sind, und diese gegebenenfalls wieder neu verpacken und in die Regale zurück sortieren. Ein gezieltes Retourenmanagement kann hierbei einen wesentlichen Erfolgsfaktor für das eigene Unternehmen darstellen.

Dem Mengenwachstum gerecht werden
Um eine schnelle Wiederverfügbarkeit des Bestands zu ermöglichen, optimierte ein großes Versandhandelsunternehmen seine Retourenabwicklung und setzt auf die Sorter des Intralogistikspezialisten BEUMER. Davor erfolgte diese streng nach tayloristischen Prinzipien – die Arbeit wurde unter den Mitarbeitern in sehr kleine Einheiten aufgeteilt. Das ließ jedoch keine weiteren Produktivitätssteigerungen zu, die für zukünftige Mengenabwicklungen erforderlich gewesen wären. Und gerade auf saisonale Schwankungen wollte der Händler reagieren können. Außerdem war die Tätigkeit für die Mitarbeiter sehr monoton. Gefordert waren somit leistungsfähige und zudem flexible Anlagen mit wenig Wartungsaufwand und einem kurzen Return on Investment.

Als Systemintegrator sieht die BEUMER Group ihre Stärke in der Technologie und steht ihren Kunden von der Planung bis zur Inbetriebnahme zur Verfügung. Die BEUMER Group führt mit dem Geschäftsfeld Logistiksysteme die Kompetenzen von BEUMER und Crisplant zusammen mit dem Ziel, in der Technologie und in den Prozessen die besten Lösungen beider Unternehmen zu nutzen und weiterzuentwickeln. Zur Produktbasis gehören modulare Hochleistungssortieranlagen, die eine schnelle, sichere und zielgenaue Sortierung, Verteilung und Kontrolle von höchst unterschiedlichen Waren wie Paketen, Tütenware und Sperrgut in hohen Stückzahlen ermöglichen.

Bis zu 90.000 Warenstücke am Tag
Die Retourenabwicklung, deren Herzstück BEUMER geplant, installiert und in Betrieb genommen hat, erstreckt sich über 28.200 Quadratmeter auf drei Etagen. An einem Arbeitstag können hier etwa 90.000 Warenstücke begutachtet, bearbeitet und in den Versand zurückgeführt werden. Bei den Waren handelt es sich um kleinvolumige Artikel wie Handys und Digitalkameras, Textilien, Schuhe oder Schmuck.
Am Wareneingang sorgen seitlich verschiebbare Teleskopgurtförderer mit einer Entladeleistung von 1.500 Paketen pro Stunde für die lose Entladung der Rücksendungen. Die Mitarbeiter legen alle Päckchen, Tüten und Pakete mit der zurückgeschickten Ware auf die Flachgurtförderer. Diese rund 2.000 Meter umfassende Gurtförderanlage ermöglicht den reibungslosen Transport der Waren innerhalb des Gebäudes in die Warenvorbereitung. Dort erfolgt die automatische Verteilung der Retourensendungen auf die Rutschen der einzelnen Auspackplätze an den Modulsortern. Die insgesamt vier Modulsorter bilden den Kern der Retourenanlage und werden doppelt genutzt. Sie laufen vollelektronisch und transportieren die Retourensendungen über Rutschen an die einzelnen Arbeitsplätze. Die Mitarbeiter entpacken die Rücksendungen und kontrollieren, ob sich Kundenmitteilungen in den Paketen befinden. Gleichzeitig entsorgen sie das Verpackungsmaterial und schicken die einzelnen Artikel über den Modulsorter zu den Warenbeurteilungsplätzen. Mit einer Geschwindigkeit von 0,8 Metern pro Sekunde hat die Anlage eine stündliche Leistung von etwa 2.800 Stück. Jeder Sorter ist unterteilt in zwei Arbeitsmodule mit jeweils 34 Arbeitsplätzen – davon zehn Plätze, an denen die Waren ausgepackt und 24 Plätze, an denen die Waren beurteilt werden. Die Warenbeurteilungsplätze lassen sich individuell nach Warengruppen ansteuern.

Unterschiedliche Ware, unterschiedliche Kriterien
Für jede Warengruppe gelten spezielle Beurteilungskriterien. Handelt es sich bei dem zurückgeschickten Paar Schuhe um dasselbe Modell? Ist die Größe des linken und des rechten Schuhs identisch? Gibt es Kratzer am Leder oder an der Sohle? Regenschirme werden auf ihre Funktionsfähigkeit geprüft, Modeaccessoires wie Handtaschen und Gürtel auf eventuelle Gebrauchsspuren. Die Kundengutschrift erfolgt umgehend, wenn die zurückgesendete Ware einwandfrei ist und somit allen Qualitätsstandards entspricht.

Der Großteil der Rücksendungen besteht aus Textilien. An den rechnergestützten Arbeitsplätzen werden die Artikel zunächst anhand ihrer Barcode-Label identifiziert. Dazu scannen die Mitarbeiter den Artikel und prüfen, ob die Ware mit den angegebenen Daten am Monitor übereinstimmt. Die Mitarbeiter prüfen die Artikel vor allem auf Neuwertigkeit. Nicht rücklagerfähige Rücksendungen werden zur Nachbearbeitung gegeben. Dort werden zum Beispiel Fussel oder kleine Flecken entfernt, bei Bedarf wird die Ware gereinigt oder neu aufgebügelt. Textilware wird meist als Hängekonfektion bearbeitet. Dafür sind die Arbeitsplätze mit einem automatischen Hängefördersystem ausgestattet, einem Tunnelfinisher, der die Falten aus den Kleidungsstücken entfernt, sowie zwei Folienpackautomaten, die jeweils gut 1.000 Hängewaren in der Stunde verpacken können.

Bei Schmuckstücken ist es wichtig, anhand der Artikeldaten zu prüfen, ob die vorliegenden Artikel mit den gescannten Daten übereinstimmen. Die Mitarbeiter prüfen, ob die Ware der Abbildung im Katalog entspricht. Sie achten auf die Länge von Ketten, auf den Goldgehalt oder auf die Ringgrößen. Hochwertiger Schmuck wird verplombt ausgeliefert und auch nach der Warenbeurteilung wieder neu verplombt. Schmuck, Uhren und Bestecke werden auf Kratzer oder Tragespuren überprüft, poliert und mit neuen Etiketten versehen. Anschließend werden sie sorgfältig wieder in kleine Tüten oder in Schmuckkästchen, die Uhren oft in Spezialkartons und hochwertige Bestecke in spezielle Koffer verpackt.

Technikartikel wie Digitalkameras werden erfasst und in Retourenwannen über den Sorter an die Bearbeitungsplätze gefördert. Diese sind mit Messgeräten ausgerüstet. Die Mitarbeiter überprüfen damit, ob der Artikel mit den Daten auf dem Bildschirm übereinstimmt. Dann kontrollieren sie, ob alle Teile wie Kabel, Zubehör und Gebrauchsanweisungen vorhanden und ob noch Bilder in der Kamera gespeichert sind. Aus Datenschutzgründen setzen sie die Artikel wieder auf die Werkseinstellungen zurück. Ziel ist es, die Ware in den Originalzustand zu versetzen, damit sie wieder eingelagert werden kann. Reparaturwünsche werden an den technischen Kundendienst weitergeleitet. Die zurückgeschickten Waren gelangen damit entweder wieder in den Verkauf oder werden nachbearbeitet. Je nach Zustand kann der Händler entscheiden, ob sie an den Hersteller zurückgehen, mit einem Preisabschlag weiterverkauft oder vernichtet werden.

Sind die Artikel als neuwertig beurteilt worden, werden sie automatisch verpackt. Dazu werden die Artikel in Folie verschweißt und mit neuen Barcode-Labels versehen. Für Schuhe liegen Schuhkartons oder Stoffbeutel bereit. Hängewaren werden manuell verpackt.

Die fertig bearbeitete Ware wird vom Warenausgangssorter nach Lagergängen in 480 Rutschen sortiert und anschließend aus der Rutsche heraus in Transportbehälter umgepackt, die wiederum im Kommissionierbereich eingelagert werden. Die Mitarbeiter an den Warenbeurteilungsplätzen legen sowohl die neu verpackte Ware wie auch die Artikel, die einer Nachbearbeitung bedürfen, auf den Modulsorter auf. Eine Kamera identifiziert das Etikett und steuert die Ware den entsprechenden Ausgängen zu. Neu verpackte Ware, die wieder für den Verkauf vorgesehen ist, wird vom Modulsorter auf Flachgurtförderer ausgeschleust, die die Verbindung zum Warenausgangssorter bilden.

Schnell, sicher und zielgenau
Die flexible Sortier- und Verteiltechnik von BEUMER ist passgenau auf die individuellen Bedürfnisse der Anwender ausgerichtet. Einschleuseinheiten und Endstellen werden zum Beispiel an die unterschiedlichen Waren angepasst. Die Sorter bestehen aus einer Reihe fahrender Flachgurtförderer. Diese sind im 90-Grad-Winkel zur Laufrichtung des Sorters angebracht. Dadurch können sie die Waren wahlweise in Laufrichtung rechts oder links ein- und ausschleusen. Dazu werden die Produkte mit einer auf die Sortergeschwindigkeit und den Einschleuswinkel abgestimmten Geschwindigkeit auf den Belt Tray übergeben. Der umgekehrte Prozess findet beim Ausschleusen statt: Der Gurt bewegt sich in Ausschleusrichtung und das Fördergut wird schonend in die Endstelle geleitet.

Viel Wert auf Nachhaltigkeit gelegt
Um wirtschaftlich zu arbeiten, spielen Nachhaltigkeitsaspekte wie Energieeffizienz oder ergonomisches Arbeiten an der Anlage für die Betreiber eine immer größere Rolle. Deshalb legt BEUMER bei den Produkt- und Systementwicklungen besonderen Wert auf diese Aspekte. Um einen niedrigen Energieverbrauch zu erzielen, setzt der Intralogistik-Spezialist auf passende Antriebssysteme. Deren Eigenschaften legen maßgeblich die Wirkkraft der Gesamtanlage fest. Die BEUMER Group stattet ihre Loopsorter beispielsweise mit Linearsynchronmotoren oder dem neu entwickelten Antriebssystem OptiDrive aus. Dieses funktioniert nach dem Prinzip des Reibradantriebs. Dabei wirkt das Reibrad ständig in einem optimalen Arbeitspunkt. Das erhöht den Wirkungsgrad enorm und minimiert den Verschleiß. Mit diesem hocheffizienten Antriebssystem lässt sich gegenüber konventionellen Sorterantrieben der Energiebedarf um etwa 75 Prozent reduzieren.

Um die Nachhaltigkeit in Bezug auf Ökonomie, Ökologie und soziale Verantwortung an neuen Maschinen wie auch an Bestandslösungen systematisch und kontinuierlich zu messen, hat die Unternehmensgruppe mit dem BEUMER Sustainability Index (BSI) ein Validierungssystem entwickelt. Zur Bewertung wird jede der drei Ebenen in fünf Kategorien unterteilt. Darunter fallen Effizienz und Effektivität, Lebensdauer, produktionsbedingter Rohstoffverbrauch oder auch Schulungs- und Ausbildungsstandards.

www.beumergroup.com

Veröffentlicht von

Peer-Michael Preß

Peer-Michael Preß – Engagement für die Unternehmerinnen und Unternehmer in der Region seit fast 20 Jahren. Als geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens Press Medien GmbH & Co. KG in Detmold ist er in den Geschäftsfeldern Magazin- und Fachbuchverlag, Druckdienstleistungen und Projektagentur tätig. Seine persönlichen Themenschwerpunkte sind B2B-Marketing, Medien und Kommunikationsstrategien. Sie erreichen Peer-Michael Preß unter: m.press@press-medien.de www.press-medien.de

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