Siemens als Sprungbrett in die Arbeitswelt

Berlin (dapd-bln). Wer vor der Schranke des Verwaltungskomplexes der Siemens AG in Berlin eine Antwort auf eine der angeblich drängendsten Frage des Arbeitsmarkts von morgen sucht, kann lange warten. Fachkräftemangel? Unbesetzte Lehrstellen? Unterqualifizierte Bewerber? Das kennen die jungen Leute, die hier im konzerneigenen Schulungszentrum in Berlin-Siemensstadt ein- und ausgehen und von acht bis 15 Uhr die Schulbank drücken, allenfalls aus der Tagesschau.

Heute lohnt sich das länger bleiben, denn die Techniker und Ingenieure von morgen bekommen hohen Besuch. Bundeskanzlerin Angela Merkel höchstpersönlich ist gekommen, um sich am „Tag des Ausbildungsplatzes“, aus erster Hand einen Eindruck von der Ausbildungssituation bei einem der deutschen Vorzeige-Technikkonzerne zu verschaffen.

Die, die drinnen auf sie warten, haben fast noch nichts erreicht, aber es fast geschafft. Die Azubis und Studierenden, die hier den Sprung ins Berufsleben wagen, sind handverlesen. Nur 2.000 Talente, beispielsweise angehenden Elektrotechniker und Maschinenbauer, aus insgesamt rund 40.000 Bewerbern schaffen deutschlandweit den Sprung in einen der heißbegehrten Ausbildungs- oder berufsbegleitenden Studienplätze bei der Siemens AG. Wer hier in der Konzernzentrale mit 18, 19 oder 20 Jahren anfängt, hat überdurchschnittlich gute Noten – und in aller Regel gute Karten auf eine Karriere im Konzern. Die Übernahmequote liegt bei über 90 Prozent.

Das weiß jetzt auch Angela Merkel. Die Kanzlerin bekommt viel zu hören auf ihrem Rundgang durch das Siemens-Bildungszentrums, ihr Jackett leuchtet grün. Die Jungs, die ihr mit roten Wangen und leuchtenden Augen gegenüberstehen, ihr Smart Grids und die Vorzüge des Elektroautos als Energiepuffer nahe bringen wollen, sind ebenfalls grün – hinter den Ohren. Aber nicht auf den Mund gefallen: „Wo kommen die Lithium-Ionen-Speicher denn her? Machen Sie die auch hier?“, will die Kanzlerin wissen, als sie sich ans Steuer eines feuerroten Elektroautos quetscht. „Nee“, sagt einer aus der dreiköpfigen Gruppe der „Bachelor of Arts“, kurz „BA“-Studenten in weißen Polohemden mit grünem Siemens-Logo auf dem Rücken, die der Regierungschefin an dieser Station Rede und Antwort stehen. „Die sind aus China“.

Gelächter in der Halle. Den praktischen Teil ihrer Ausbildung absolvieren sie hier, später werden ihnen anderthalb der zwei Jahre für den Praxisteil ihres Studiums angerechnet. „Unsere Abbrecherquote haben wir fast gegen Null gedrückt“, flüstert Norbert Giesen, ein gestandener Ingenieur aus dem Begleittross, und ist hörbar stolz darauf.

Eine Station zuvor standen der Kanzlerin noch Jungs in Blaumännern gegenüber und haben ihr erzählt, dass sie hier erst einige Monate üben müssen, bevor sie die Wirkungsweise von High-Tech-Fräsmaschinen in der Praxis ausprobieren dürfen. „Na gut, Sie müssen ja auch ein bisschen was können, bevor Sie ins Werk kommen“, sagt Merkel und ein verschmitztes, fast mütterliches Lächeln umspielt ihre Mundwinkel. Und später im Festsaal sagt sie noch an die Adresse des Siemens-Nachwuchses: „Sie wissen ja, eine gute Ausbildung so etwas ist wie die Eintrittskarte in ein späteres erfolgreiches Arbeitsleben“. Artiger Applaus von Azubis, Gesellen und Offiziellen.

Beifall, den Merkel zum Abschied gerne zurückgibt. Bevor sich im Abendrot des Berliner Himmels die Schranke hinter ihrer Staatskarosse schließt, lobt sie noch das „erfolgreiche Nebeneinander von Werk- und Schulbank“. Wer in die leuchtenden Augen der jungen Leute sieht, die ihr nachstarren, der weiß: Sie haben vermutlich eine rosige Zukunft vor sich.

Veröffentlicht von

Peer-Michael Preß

Die Themenschwerpunkte des Autors sind B2B-Marketing, Medien und Kommunikationsstrategien und deren Umsetzung in der Praxis.

Seitb 20 Jahren ist er geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens Press Medien GmbH & Co. KG mit den Tätigkeitsbereichen Buch- und Zeitschriftenverlag, Druckerei und Medienagentur.

Er absolvierte die Ausbildung zum Verlagskaufmann in der Gundlach Gruppe, Bielefeld, und schloss erfolgreich ein Studium zum Betriebswirt mit Abschlussarbeit im Bereich Marketing zum Thema „E-Commerce in der graphischen Industrie“ ab.

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