Prof. Dr. Johannes Beverungen - Foto: Handelsverband OWL
Prof. Dr. Johannes Beverungen - Foto: Handelsverband OWL

Neujahrsempfang vom Handelsverband OWL im Schloss Benkhausen Espelkamp

Trotz der Nachwehen des Sturmtiefs „Sabine“ konnte der Handelsverband Ostwestfalen-Lippe e.V. zum traditionellen Jahresempfang wieder über 100 geladene Gäste in eindrucksvoller Umgebung begrüßen. Das Schloss Benkhausen in Espelkamp verbindet Tradition und Moderne. Der Schlosskomplex, bestehend aus dem ursprünglichen Herrenhaus, einem modernen Glastrakt als verbindendes Element zum einstigen Maidenheim und Gästehaus, sowie weiteren historischen Gebäuden, war der diesjährige Veranstaltungsort.

Am 10.Februar 2020 trafen sich Landtagsabgeordnete, Landräte, Bürgermeister, Repräsentanten aus Bezirksregierung, Kreisen und Kommunen, Vertreter von befreundeten Kammern und Verbänden, sowie zahlreiche Einzelhändler und weitere Wirtschaftsvertreter aus der Gesamtregion OWL zu einem interessanten Abend.

Vorab nahmen fast zweidrittel der Gäste an einer Führung durch das Deutsche Automatenmuseum der international tätigen Gauselmann Gruppe teil. Etwa 1.800 Exponate aus aller Welt hat die Unternehmerfamilie Gauselmann zusammengetragen. Weitere Informationen hierzu unter https://deutsches-automatenmuseum.de

Im Anschluss an die Führungen startete dann um 18 Uhr der traditionelle Jahresempfang. Begrüßt wurden die Gäste von Herrn Wilhelm Schwarz (Mitglied des Ortsvorstandes in Espelkamp), gefolgt von Frau Christel Senckel (1. stellv. Bürgermeisterin der Stadt Espelkamp) sowie Herrn Dr. Ralf Niermann (Landrat des Kreises Minden-Lübbecke). Danach folgte die Rede des Vorsitzenden Prof. Dr. Johannes Beverungen (Vorsitzender Handelsverband Ostwestfalen-Lippe). Herr Elmar Brock (Europapolitiker / Mitglied des CDU-Bundesvorstandes / Senior Fellow Aspen Institute) konnte seinen Vortrag leider nicht halten konnte, weil er nicht rechtzeitig von Berlin aus dabei sein konnte. An seiner Stelle begrüßte der Hausherr Paul Gauselmann die Gäste und berichtete über den Erwerb und die Restauration der Schloßanlagen. Anschließend ließen die Gäste den Abend bei einem Imbiss und guten Gesprächen ausklingen.

Im Anschluss geben wir den vollständigen Text des Redemanuskripts der Ansprache wieder, die Prof. Dr. Johannes Beverungen, Vorsitzender des Handelsverbandes Ostwestfalen-Lippe e V., zum Neujahrsempfang im Schloss Benkhausen, in Espelkamp hielt.


 

Sehr geehrter Herr Gauselmann (als Hausherr), sehr geehrte Frau Bianca Winkelmann, MdL, sehr geehrter Herr Landrat Dr. Niermann,
sehr geehrte Frau Bürgermeisterin Senkel (Espelkamp), und alle anwesenden Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, meine sehr geehrten Damen und Herren,

zuerst einmal darf auch Ihnen noch alles erdenklich Gute für das neue Jahr wünschen. 2020 ist eine schöne Zahl (wie ich finde), sie verkörpert Frische, Dynamik und Jugend. Aber das junge Kalenderjahr 2020 hat schon ausgesprochen tiefe Wurzeln geschlagen: Die Gräben zwischen Republikanern und Demokraten waren noch nie so tief, die politischen Gräben in Deutschland noch nie so zahlreich, die Wirtschaft in Europa ist ausgesprochen fragil (nicht nur durch den Brexit) und der EZB gehen langsam aber sicher die geldpolitischen Instrumente aus, einer Rezession gegenzusteuern.

Positiv ist, dass die Jugend sicher stärker für Politik engagiert, wenngleich mögliche Themen weit über die Klimapolitik hinausgehen. Positiv ist, dass die Deutsche Automobilindustrie aufgewacht ist und den Veränderungsdruck strategisch nutzt, sich zu ändern. Und diesen Veränderungsdruck sollten wir alle nutzen aus der „Komfortzone des Lebens“ mehr über die Zukunft des eigenen Landes, der heimischen Wirtschaft und der lokalen Gesellschaft nachzudenken und diese mitzugestalten: mehr Mitsprache, mehr regional denken und handeln, mehr Engagement vor Ort (zum Beispiel im Ehrenamt).

Die Zeiten haben sich schon immer geändert, aber so rasant wie heute habe ich dies in meinem Leben noch nicht gespürt. Das bedeutet aber auch, dass wir uns alle rasant verändern (verändern müssen) und hoffentlich in eine Richtung, die das Gemeinwohl stärkt und in der wir nicht nolens volens entwurzelt werden.

Der Handel war immer schon Vorreiter wirtschaftlicher Veränderungen. „Handel ist Wandel“ sagt man und der Handel hat durch seine Vorreiterfunktion schon seit Jahrhunderten den Menschen Wohlstand bereitet: die Seidenstraße, der Gewürzhandel, die Hanse, die Globalisierung um nur einige zu nennen. Durch die Globalisierung und die damit verbundene Verknüpfung der Volkswirtschaften waren noch nie so viele Menschen auf Erden in relativem Wohlstand. Der Hunger ist noch nie soweit zurückgedrängt und das wirtschaftliche Erstarken Asiens kann zum Beispiel für Afrika Vorbildfunktion haben.

Denn der Handel zwischen den Ländern, zwischen Unternehmen und zwischen Menschen bildet eine bessere Grundlage für Wohlstand als Almosen und Dirigismus von Industrienationen. Seit Adam Smith sein berühmtes Werk „Wohlstand der Nationen“ im Jahr 1776 veröffentlich hat, sind diese Grundsätze immer wieder gelebt und belebt worden. Bestes Beispiel ist Chinas Öffnung hin zu den westlichen Marktwirtschaften Ende der 80er Jahre. Aber ebendieser Adam Smith, der von Hause aus Moralphilosoph war, hat schon auf fairen Wettbewerb hingewiesen. Dieser ist nämlich ausschlaggebend, dass alle Marktteilnehmer von den gleichen Rahmenbedingungen ausgehen können. Walter Eucken, Friedrich August von Hayek und Ludwig Erhard waren dann die theoretischen und politischen Wegbereiter der Sozialen Marktwirtschaft (des deutschen Wegs nach den Irrungen und Wirrungen der Nachkriegszeit), die dann den fairen Wettbewerb um den Ausgleich zwischen Starken und Schwachen ergänzt haben. Leider punkten wir in der heutigen Zeit des Turbo-Kapitalismus zu wenig mit den Errungenschaften der Sozialen Marktwirtschaft.

Wir müssen in Zeiten großer und schneller Veränderungen uns bemühen, die Rahmenbedingungen ebenso schnell anzupassen, um Friktionen in der Wirtschaft zu vermeiden. Ansonsten schaffen wir heute Verhältnisse, die wir morgen bereuen könnten. Nicht adaptierte Steuergerechtigkeit (Online-Besteuerung), weniger statt mehr Bürokratie (DSGVO), klare und nachvollziehbare Regelungen und Gesetze (Verkaufsoffene Sonntage). Klimawandel ist ein Beispiel, aber auch der stationäre Einzelhandel leidet. Deutschland ist nach den USA das Land mit dem größten Onlinehandel. Und die Auswirkungen kann man in den Städten, insbesondere in den Klein- und Mittelstädten in Deutschland schon live miterleben:
Die Lage für viele mittelständische Handelsunternehmen wird bei uns in OWL, aber auch deutschlandweit, immer schwieriger. Die laufenden Befragungen unserer Mitglieder zeigen immer wieder, dass viele Standorte in unserer Region unter deutlichem Frequenzverlust leiden. Die Folge dieses Kundenschwundes wird auch in Zukunft Auswirkungen auf unsere Handelslandschaft haben. Das Institut für Handelsforschung Köln hat vor kurzem prognostiziert, dass allein in NRW bis 2030 von den noch knapp 110.000 Einzelhandelsgeschäften bis zu 20.000 vom Markt verschwinden werden. Überträgt man diese Entwicklung auf Ostwestfalen-Lippe, bedeutet das Folgendes:

Jedes 5. stationäre Ladenlokal wird bis 2030 in OWL schließen müssen. Dieses Negativszenario wird, so hoffe ich, nicht eintreten. Um dem entgegenzuwirken ist das Handeln aller Akteure gefordert. An dieser Stelle möchte ich aus dem Brief zitieren, den unser Verband in Berlin, der HDE, im Januar dieses Jahr an Bundesminister Seehofer schieb: „Wenn vitale und attraktive Stadtzentren ein gesellschaftlicher Wert für unser Gemeinwesen sind, dann müssen auch alle Beteiligten an einem Strang ziehen, um die Innenstädte zu erhalten. Der Handel braucht die richtigen Rahmenbedingungen, um seine zentrale Aufgabe als Versorger der Bevölkerung und Frequenzbringer der Stadtzentren weiterhin erfolgreich erfüllen zu können.“

In den vergangenen Jahren wurden deshalb auch erhebliche Anstrengungen unternommen, um den Standort Innenstadt attraktiv zu machen. Bauliche Investitionen, wie bspw. die Umgestaltung der Königsplätze in Paderborn, die Neugestaltung der Fußgängerzone in Bad Salzuflen und die beabsichtigte Neugestaltung der Detmolder Fußgängerzone, sind dabei nur einige Beispiele für notwendige Investitionen und Maßnahmen zur Erhöhung der Aufenthaltsqualität in unseren Städten in OWL.

Diese Maßnahmen dürfen allerdings nicht gefährdet werden durch Beschränkungen der Zufahrten. Fahrverbote, übereifrige Verkehrsberuhigungen oder überhöhte Parkgebühren und ein unattraktiver ÖPNV führen dazu, dass sich die betroffenen Innenstadtbesucher neu orientieren und Standorte außerhalb der Zentren anfahren oder auf das Internet ausweichen. In der Folge wären viele unserer Bemühungen um attraktive Innenstädte vergeblich erfolgt.

Es ist daher zwingend erforderlich, zunächst geeignete Alternativen der Erreichbarkeit zu schaffen, bevor über die Sperrung oder Verkehrsberuhigung von Innenstadtzonen nachgedacht wird. Die Erreichbarkeit der Geschäfte in der Innenstadt sollte mit Hilfe aller Verkehrsträger (z.B. ÖPNV, Fahrrad,etc.) attraktiv möglich sein. Dazu gehören aber auch ausreichend bemessene und nicht überteuerte Parkplätze für die PKW-Besucher.

Die Wichtigkeit der PKW-Stellplätze für unsere Kunden haben viele Verantwortliche in unseren Städten erkannt. Fallen beispielsweise Stellplätze weg, sind auch kreative Lösungen gefragt. Die Stadt Detmold hat hier z.B. mit verschiedenen Akteuren erreichen können, dass trotz Sperrung des Parkhauses am Hornschen Tor wieder innenstadtnaher Parkraum als Alternative angeboten werden konnte. So wurden die bisher von der Bezirksregierung genutzten Mitarbeiterparkplätze seit dem November 2019 für die Öffentlichkeit freigegeben. Die Mitarbeiter können jetzt auf einem neu geschaffenen, weiter weg gelegenen Parkplatz parken. So wurden insgesamt rund 200 Alternativparkplätze für die Innenstadtkunden geschaffen, um den Verlust am ehemaligen Parkhaus Hornsches Tor abzumildern. Darüber hinaus ist in Detmold auch geplant, dass rund 140 öffentliche Stellplätze in der Baugrube des ehemaligen Parkhauses am Hornschen Tor geschaffen werden.

Wir haben als Handelsverband in vielen Gesprächen die jetzige Lösung mit den gefundenen Ausweichparkplätzen konstruktiv begleitet und sehen darin einen guten gemeinsamen Ansatz, um für die Handelskunden den existenziell notwendigen innenstadtnahen Parkraum anzubieten. Hierauf sind auch Städte wie Paderborn angewiesen. Deshalb wird vom örtlichen Handel auch kritisiert, dass im Zuge der Neugestaltung einzelner Innenstadtflächen, zahlreiche Parkplätze, wie bspw. am Paderborner Dom, für Innenstadtbesucher weggefallen sind.

Wir dürfen nie vergessen, dass die Nutzung von Verkehrsmitteln höchst individuell und situativ ist. Paderborn ist als Einkaufsstadt von Pendlern geprägt. Auch hier wünsche ich mir die Schaffung und Optimierung von Alternativen zum PKW, bevor Autofahrer durch restriktive Maßnahmen abgestraft werden. Erst verbieten und dann Alternativen schaffen ist der falsche Weg. Paderborn ist ein Oberzentrum mit einem ländlich geprägten Umfeld. Viele Gäste vor allem aus dem Umland können nicht auf die Nutzung des Autos verzichten und jeder geschaffene Nachteil für diese Kunden kostet uns Frequenz.

„Die Kommunen in den Kreisen Herford und Minden-Lübbecke haben in den letzten Jahren einiges dafür getan, ihre Fußgängerzonen oder Fußgängerzonen ähnliche Bereiche in den Zentren und Ortskernen zu sanieren und aufzuwerten. Die davon erhofften spürbaren Frequenzsteigerungen bei der Kundenzahl blieben zumeist jedoch leider aus.

Obwohl gleichzeitig mit Neu- und Umbaumaßnahmen in den Stadt- und Ortskernen gepunktet werden konnte, wie in Herford mit der völligen Neugestaltung des ehemaligen Kaufhof-Gebäudes, in Minden mit der Fertigstellung des Geschäftshauses am Scharn sowie dem Umbau des ehemaligen Hertie-Hauses, zogen auch diese Maßnahmen nicht die erhofften Erfolge nach sich. Es zeigte sich in diesem Zusammenhang, wie schwierig es geworden ist, sogar in guten Innenstadtlagen adäquate Mieter selbst für neu geschaffene oder völlig modernisierte Objekte zu finden. Während Herford beim Kaufhof-Areal eine vollständige Belegung verzeichnen kann – wenngleich es inzwischen bereits einen Mieterwechsel gegeben hat – tun sich die Eigentümer des ehemaligen Hertie-Hauses an der Bäckerstraße in Minden und des Geschäftshauses an der Martinitreppe, ganz zu schweigen von der Obermarktpassage, nach wie vor schwer, eine vollständige Belegung zu erzielen. Aber auch, wo man diese bereits erreicht hat, kann noch lange nicht davon ausgegangen werden, dass wenigstens hiermit Frequenzsteigerungen erzielt werden. Dabei bleibt spannend zu beobachten, wie das nun vom Rat beschlossene Einkaufszentrum „Westertor“ in Lübbecke sowie in Bünde der Umbau des Woolworth-Komplexes vorangehen werden.
Ein Beispiel für eine gelungene Sanierungsmaßnahme mit Anziehungspotenzial ist die umgebaute und im vergangenen Sommer neu eröffnete historische Markthalle im Stadtkern von Herford. Zwar hat man erkannt, dass an den gastronomischen Angeboten noch gefeilt werden muss, das Projekt an sich wirkt aber bereits jetzt schon überzeugend und rundum positiv.

Es zeigt sich, dass bauliche Konzepte, auch wenn sie noch so gut gemeint sind und umgesetzt wurden, längst nicht mehr ausreichen. Das wurde auch in vielen Kommunen dieser beiden Kreise erkannt, wo Werbegemeinschaften und Stadtmarketinggesellschaften inzwischen stärker kooperieren oder gar miteinander verschmolzen sind, um die Schlagkraft und Leistungsfähigkeit zum Wohle der Innenstadt zu verbessern. Aber ohne finanzielle Mithilfe der Städte selbst wird es zukünftig nicht gehen. Ein interessantes Beispiel liefert Lübbecke, wo man kurz davor ist, die „Lübbecker Erklärung“ nun schon zum zweiten Mal zu verlängern. Danach wird jeder Euro, den der Stadtmarketingverein an Mitgliedsbeiträgen einnimmt, von der Stadt verdoppelt, um so ein finanzielles Potenzial zu haben, mit dem man attraktive Events durchführen kann.

Ein anderer Aspekt, der die Innenstädte weiterhin beschäftigen wird, ist die mögliche Gefahr terroristischer Anschläge. Die Sicherheit der Menschen in der Stadt ist ein hohes Gut, aber auch hier muss die Verhältnismäßigkeit abgewogen werden. Gegenwärtig hat die Stadt Minden ein Konzept erarbeiten lassen, welches vorsieht, dass die 20 Zuwege zur Innenstadt mit massiven Pollern versehen werden sollen, von denen 7 versenkbar und die weiteren 13 starr sein sollen. Die bislang veranschlagten Kosten belaufen sich auf über 1,3 Millionen Euro. Allein die Planungskosten für das jetzt vorliegende Konzept haben bereits über 140.000 Euro verschlungen.“

In Bielefeld stehen über 15 Mio. Euro an Fördergeldern für den Umbau des Jahnplatzes aus einem EU-Fördertopf zur Verfügung. Das weckt natürlich große Hoffnungen den zentralen Knotenpunkt nicht nur neu zu gestalten, sondern vor allem auch deutlich aufzuwerten. Die Bauarbeiten starten im Sommer und ab dann ist der innerstädtische Knotenpunkt für die Dauer von 2 Jahren für den Autoverkehr gesperrt. Eine Katastrophe aus Handelssicht. Nach dem Umbau soll eine Fahrspur pro Richtung für den Individualverkehr bleiben. Die insgesamt 6 Bushaltestellenbereiche sollen mehr Platz einnehmen und die täglichen Busbewegungen sollen von rund 800 auf über 1.000 Busse zunehmen. Ein angedachtes Fahrrad-Parkhaus im Jahnplatz-Forum wird hingegen nicht umgesetzt. Der Kostenrahmen von über 5. Mio. € fand neben vielen weiteren Argumenten keine politische Mehrheit. Ein Verkehrsgutachten wohin der Verkehr abgeleitet werden kann gibt es nicht – weder für die 2-jährige Umbauphase, noch für die Zeit danach!

Zusätzlich soll auch dem Radverkehr mehr Platz eingeräumt werden. Das gilt nicht nur für diese innerstädtische Baustelle. Daher hat die Stadt Bielefeld ein neues Radverkehrs-Konzept in Auftrag gegeben. Als Handelsverband waren wir ständiger Teilnehmer an den Strategiegruppensitzungen, haben uns kritisch eingebracht und ebenfalls eine fachliche Stellungnahme zum neuen Radverkehrskonzept abgeben. Die Politik muss nun z.B. über Geschwindigkeitsbeschränkungen, Neuordnung des Straßenraums, Wegfall von Fahrspuren und Parkplätzen entscheiden. Dabei ist gerade das Thema Erreichbarkeit für den stationären Handel von übergeordneter Wichtigkeit. Letztlich haben wir keine Präferenz hinsichtlich der Verkehrsmittelwahl unserer Kunden – Hauptsache der Kunde findet den Weg ins Geschäft. Das scheint in Gefahr – von den 120.000 Ein- und Auspendlern ganz zu schweigen!

Ein zweiter großer Umbau in Bielefeld steht mit der Brackweder Hauptstraße und der Stadtbahnlinie 1 inkl. der Hochbahnsteige an. Kürzlich wurde die geplante Verkehrsführung durch die Bezirksregierung bemängelt. Im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens gab es insgesamt 36 Einwendungen. Auch der Handelsverband hat sich fachlich eingebracht, schriftliche Stellungnahmen und offene Briefe an Politik & Verwaltung verschickt. Bevor die übergeordnete Behörde entscheiden kann, ob die Planung genehmigungsfähig ist, muss laut Vorhabenleiter an mehreren Stellen erheblich nachgebessert werden. Der Leiter des Dezernates Verkehr, Planfeststellung und Plangenehmigung von der Bezirksregierung hält die Planungen mit den Hochbahnsteigen in Verbindung mit der langen Bauzeit als existenzgefährdend für die Brackweder Geschäftsleute. Selbst die Lage und die Anzahl der Hochbahnsteige war ein weiterer Diskussionspunkt. Die politischen Gremien haben in einem solch wichtigen Thema lediglich mit knapper Mehrheit Beschlüsse gefasst. Dem hingegen moniert auch hier die Bezirksregierung „das die Belange der Kaufleute besonders zu schützen und zu berücksichtigen sind“ und das sollte nicht nur für die rund 20-monatige Bauzeit gelten.

Die Gütersloh Marketing GmbH (GTM) organisiert fast alle publikumsträchtigen Veranstaltungen in der Gütersloher Innenstadt. Allen voran den Gütersloher Frühling, über die Michaeliswoche samt Straßenfiffi bis zum Weihnachtsmarkt. Darüber hinaus wurden die Aufgaben der GTM in den letzten Jahren sukzessive erweitert z.B. durch das Betreiben der Theaterkasse. Zukünftig soll das Aufgabenspektrum durch das City-Management und ein Leerstandsmanagement weiterwachsen. Für diese und weitere Aufgaben soll der städtische Zuschuss auf rund 880.000 € steigen. Als Handelsverband haben wir schon im Beirat der Gütersloh Marketing für eine deutliche Erhöhung der städtischen Zuschüsse ausgesprochen. Die Politik hat mittlerweile die politischen Beschlüsse gefasst. Ein gutes Zeichen für den Handel in der Stadt Gütersloh.

Im weiteren Kreis Gütersloh konnte noch zum Beginn des Weihnachtsgeschäfts in Rheda-Wiedenbrück ein gelungener Start der City-Bonus-Card gefeiert werden. Schon im November nahmen bereits 74 Akzeptanzstellen an dem CityBonusCard-System teil und binnen weniger Tage hatten sich die ersten 2.000 Kartenbesitzer registriert und angemeldet. Auch sind CITY Gutscheine in digitaler Form – also sowohl online als auch bei den teilnehmenden Händlern erhältlich. Eine tolle gemeinsame Leistung beider Stadtteile Rheda & Wiedenbrück.

Nicht minder erfolgreich und schon deutlich länger am Markt ist ein anderes System in der Stadt Verl. Unter dem Motto „in Verl gekauft – gut gekauft“ wurde der Verler Gutschein ebenfalls Digital!

Apropos Digital: An dieser Stelle möchte ich auf eine ganz besondere Leistung unseres Verbandes hinweisen, wo wir unsere Händler stärker an die Hand nehmen oder einfach nur die entscheidenden Impulse geben wollen. In unserer Hauptgeschäftsstelle in Bielefeld ist einer von den insgesamt vier Digital-Coaches in NRW angesiedelt. Wir wollen besonders kleine und mittelgroße Händler darin unterstützen, den richtigen und effektiven Weg in die digitale Welt zu finden. Unser DigitalChoach Thomas Dickenbrok ist gebürtiger Herforder und kennt die Region sowie den Einzelhandelt seit Jahren. Bereits die letzten Jahre war er unter anderem für viele Städte, Einzelhändler und Firmen im Bereich Marketing und Kundenbindung aktiv und weiß so um die digitalen Möglichkeiten und Chancen.

Das Projekt DigitalCoach ist in dieser Form deutschlandweit einmalig: Es wird gefördert vom Land Nordrhein-Westfalen und soll dem Einzelhandel einen echten Wettbewerbsvorteil bringen. Fehlendes Geld, Zeit, Know-How oder Verständnis – es gibt zahlreiche Gründe, weshalb der digitale Weg von so manchem Händler noch nicht beschritten ist. Oftmals fehlt jedoch nur der erste Schritt oder die konkrete Richtung. Hier soll unser DigitalCoach Thomas Dickenbrok Chancen und konkrete Optionen aufzeigen. Sind die erst mal erkannt, wird er helfen Wege und Möglichkeiten zu finden – individuell, zielführend und erfolgreich.

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