Gaucks Meer der Freiheit

Berlin (dapd-lmv). Das Haus der Familie Gauck steht in Wustrow direkt hinter den Dünen. Vom oberen Stockwerk geht der Blick weit über das Meer. „Rostock und das Fischland, östlich von Rostock, haben mich geprägt“, leitet Bundespräsident Joachim Gauck seine Rede bei einer Berliner Festveranstaltung anlässlich der Ostseetage ein. Über die Hälfte ihrer Arbeitszeit agieren deutsche Staatsoberhäupter als Außenpolitiker. Beim Termin am Dienstag im Auswärtigen Amt ist zu beobachten, wie Gauck sein Leitmotiv der Freiheit diplomatisch zur Geltung bringt.

„Unsere Ostsee war bis 1990 eine bewachte See. So sehr bewacht, dass wir, die wir als Bewohner der Ostseeländer an ihren Ufern lebten, uns oft wie Gefangene fühlten. Und doch gab sie uns eine Ahnung von der Weite, der Ferne und der Freiheit“, erzählt Gauck, der in Wustrow seine Kindheit verbrachte, den Hunderten versammelten Diplomaten, die ihn im überfüllten Weltsaal mit Applaus begrüßt haben. Die Rede des Staatsoberhaupts wird per Kopfhörer auch auf Russisch übertragen.

„Von mindestens 6.500 DDR-Bürgern, die versuchten, über die Ostsee in den Westen zu flüchten, kamen nur etwa 900 dort an.“ Erst mit der Einigung Deutschlands und später Europas und der Unabhängigkeit der baltischen Staaten habe sich die Lage geändert. „Die Ostsee ist nicht länger ein Meer der Konfrontation, nicht länger Barriere. Sie kann ihrer Identität als Binnenmeer endlich gerecht werden. Das Baltische Meer ist ein Meer der Freiheit geworden“, argumentiert der Bundespräsident in seiner knapp 30-minütigen Rede.

Der vor 20 Jahren von den Außenministern Dänemarks und Deutschlands, Uffe Ellemann-Jensen und Hans-Dietrich Genscher, ins Leben gerufene Ostseerat sei zur Brücke zwischen Ost und West geworden. „Es gelang, die Angst vor der Unsicherheit zu besiegen und die nun politisch befreiten Anrainerstaaten auf ihrem Weg zu Demokratie und Marktwirtschaft zu begleiten. Dieser Erfolg lehrt uns, wozu europäisches Denken in unsicheren Zeiten führen kann“, leitet Gauck zur Rolle der Europäischen Union über.

„Mehr Europa zu denken, mehr Europa zu gestalten – dazu sind wir gerade heute wieder aufgerufen. Denn nur indem wir Ängste überwinden, werden wir unserer Verantwortung für Europa gerecht. Nur so können wir dem Vertrauensverlust seit der Finanz- und Wirtschaftskrise entgegenwirken“, betont der Bundespräsident. Gaucks Fazit: „Was uns die Geschichte der Ostsee zuallererst lehrt, ist: europäisch zu denken.“ Seine nächste Auslandsreise wird im Mai übers Meer führen – nach Schweden.

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Peer-Michael Preß

Peer-Michael Preß – Engagement für die Unternehmerinnen und Unternehmer in der Region seit fast 20 Jahren. Als geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens Press Medien GmbH & Co. KG in Detmold ist er in den Geschäftsfeldern Magazin- und Fachbuchverlag, Druckdienstleistungen und Projektagentur tätig. Seine persönlichen Themenschwerpunkte sind B2B-Marketing, Medien und Kommunikationsstrategien. Sie erreichen Peer-Michael Preß unter: m.press@press-medien.de www.press-medien.de

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