WIRtuell

Auch die Medizin kennt „Compliance“. Als Oberbegriff für kooperatives Verhalten von Patienten im Rahmen der Therapie. Gute Compliance entspricht somit konsequentem Befolgen der ärztlichen Ratschläge. Kein Alkohol und mehr Bewegung, so wird Ihr Arzt allerdings berichten, wirken nur dann, wenn der Patient auch tatsächlich fest an den Erfolg der ihm auferlegten Therapie glaubt. Laut Weltgesundheitsorganisation WHO erreichen heute im Durchschnitt nur 50 Prozent der Patienten eine gute Compliance. Das ist zwar mehr als erwartet – aber gerade nur `mal die halbe Miete für wohlgefälliges Verhalten.

Weil: Gemessen daran, dass unsere Gesellschaft immer älter wird, also irgendwie gesünder, pflegen offensichtlich ebenso die übrigen 50 Prozent eine ausgeprägte Motivation zur Genesung. Denn auch einige jener, die sich und ihrem Arzt gegenüber nicht ratschlagkonform verhalten, überleben. Zumindest zunächst einmal. Von den 50 Prozent wiederum, deren gute Compliance vom Herrn Doktor gelobt wird, muss ebenfalls der ein oder andere sterben. Irgendwann einmal. Trotz täglichem Halbmarathons und mühsamem Alkoholverzichts.

Diese Erkenntnis ist zwar bitter, aber zugleich süße Medizin für das Überleben wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Systeme. Denn, wenn niemand Steuern zahlen würde, was einer äußerst schlechten Compliance gleichkäme, dann wäre kein Staat zu machen. Zahlten wiederum alle ihre Steuern, insbesondere pünktlich und korrekt, gilt dies aber erst recht. Schließlich entgingen dem Bundesfinanzminister damit Milliardensummen an Geldbußen und Verzugszinsen. Und diese Summen sind fest eingeplant. Genau deshalb werden gesetzliche Regelwerke hierzulande gerne dann verschärft, wenn die Compliance sich verbessert.
Schlechte Compliance trägt also maßgeblich zur Gesundung unseres Staatshaushaltes bei. Irgendwie krank.

Veröffentlicht von

Peer-Michael Preß

Die Themenschwerpunkte des Autors sind B2B-Marketing, Medien und Kommunikationsstrategien und deren Umsetzung in der Praxis.

Seitb 20 Jahren ist er geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens Press Medien GmbH & Co. KG mit den Tätigkeitsbereichen Buch- und Zeitschriftenverlag, Druckerei und Medienagentur.

Er absolvierte die Ausbildung zum Verlagskaufmann in der Gundlach Gruppe, Bielefeld, und schloss erfolgreich ein Studium zum Betriebswirt mit Abschlussarbeit im Bereich Marketing zum Thema „E-Commerce in der graphischen Industrie“ ab.

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